Ein Kartonelefant fürs Klima!

Ein Kartonelefant fürs Klima!

Klimaaktvistinnen und -aktivisten haben die Kartonsammlung in Brugg genutzt, um mit einem riesigen, selbst gebastelten Elefanten auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. Klimaaktivistin und Projektverantwortliche Alexandra Neumann erzählt:

Montag Abend, 16. September 2019, Cordulaplatz in Baden: Zu welcher Partei wir gehören oder zu welcher Organisation, werden wir mehrmals gefragt, als ich und meine Freunde einen lebensgrossen Kartonelefanten bauen. Er trägt die Aufschrift: „Die Wahlen sind eine riesige Chance für das Klima“. Zu keiner Partei, antworte ich jeweils. Ich hatte diese Idee schon vor längerer Zeit. Die Klimajugend hat mir dann zwar dabei geholfen, diese auszureifen, aber wir sind einfach eine Gruppe von Freunden. Solche, die sich wie so viele andere sehnlichst eine aktive und zielführende Klimapolitik wünscht.

Ich bin meinen Freundinnen und Freunden für ihren Einsatz tief dankbar. Und während wir als fröhliche Gruppe das Holzgerüst des Elefanten mit Karton verkleiden, haben wir einen riesen Spass. Stimmig begleitet von den wundervollen Klängen des öffentlichen Klaviers in der Schulhausplatzpassage.

Die Passanten freuen sich über die Aktion, bleiben stehen, fotografieren sich vor dem Elefanten. Manche öffnen ihr Herz und erzählen von ihren Sorgen. Andere werden inspiriert und verzieren den Kopf des Elefanten. Eine ganze Kindergartengruppe spaziert vorbei, und jedes einzelne Kind streichelt dem Elefanten lieb den Bauch. Am Donnerstagabend, dem 19. September wird die Skulptur bereits wieder abgebaut. Dann wird der Werkhof den Karton abholen, damit er dem Recycling zugeführt werden kann.
Am 20. Oktober finden Wahlen statt. Wenn Sie das Wahlrecht haben, nutzen Sie diese grossartige Chance, um etwas für das Klima zu tun. Und für die Jugend, die diese Möglichkeit noch nicht hat.

 

Klimaaktivistin Alexandra Neumann vor ihrem selbstgebauten Klimaelefanten aus Karton. Bild: Klimajugend

Unser Projekt:

Der Klimawandel ist eine grosse Herausforderung. Wäre er ein Tier, dann würde ein Elefant das Ausmass des Problems wohl am ehesten veranschaulichen. Doch trotz der gigantisch grossen Herausforderungen, ziehen es immer noch viele Menschen vor, den Kopf in den Sand zu stecken und fröhlich weiter zu konsumieren – was die Kartonberge jeden Monat veranschaulichen.

Diesen Menschen wollen die Aktivistinnen und Aktivisten mit ihrem Elefanten, den sie in vielen Stunden Arbeit gefertigt haben, zurufen, dass es Zeit ist, zu handeln. Jetzt! Oder spätestens bei den Wahlen am 20. Oktober. Denn die Wahlen sind die grosse Möglichkeit, Weichen zu stellen. Ein klimafreundliches Parlament kann viel bewegen für eine klimafreundliche Schweiz. Wenn diese denn ihre Verantwortung für das eigene Land und den Rest der Welt wahrnimmt und sich an das von ihr ratifizierte Klimaziel von Paris hält.

Die Botschaft des Klimaelefanten wirkt fast noch dringlicher bei Nacht. Bild: Klimajugend

Der Elefant mag ein gemächliches Tier sein und Gemächlichkeit ist bei Massnahmen gegen den Klimawandel gerade nicht gefragt. Aber der Elefant gilt auch als ein sehr kluges, sensibles Tier – Eigenschaften, die die Wählerinnen und Wähler am 20. Oktober unbedingt brauchen. Auf dass diese Welt nicht in Karton und anderem Müll versinkt, sondern es weiterhin Platz hat für alle Kreaturen gibt. Für die kleinen, wie etwa die arg bedrohten Insekten wie auch für die grossen, wie etwa die klugen Elefanten und Menschen, denen doch in der Regel viel Vernunft nachgesagt wird.

Der Elefant ist noch bis Donnerstagabend, 19. September auf dem Cordulaplatz in Baden zu sehen. Bilder: Klimajugend

Kleidung tauschen statt kaufen! Für eine nachhaltigere Modewelt!

Kleidung tauschen statt kaufen! Für eine nachhaltigere Modewelt!

In unserer Kleidung stecken Umweltbelastungen und unfaire Arbeitsbedingungen und wir in Hosenbeinen und Ärmeln mittendrin. Gastautorin Nora Keller (Organisatorin von Walk-in Closet Schweiz) trägt für uns Fakten zusammen und gibt Tipps, wie wir mit unserer Kleidung nachhaltiger umgehen können.

Das Konzept Fast Fashion bringt viele Fashion Victims mit sich.
Hier ein paar Facts:

Gesundheitsschädliche Produktionsstätten und Menschenrechtsverletzungen

  • Die Näherinnen und Näher verdienen an den Massen von Kleidern, die verkauft werden, nur einen Niedriglohn. Es gibt tausende working poors. Ihr Lohnt reicht nicht zum Leben.
  • Gesundheitsschädliche und lebensbedrohliche Arbeitsbedingungen: Die Katastrophe von Rana Plaza, bei der im Jahr 2013 1138 Menschen getötet wurden, hat uns auf dramatische Art und Weise vor Augen geführt, welchen lebensbedrohlichen Risiken Arbeiter*innen in der Textilproduktion ausgesetzt sind.

Die Textilindustrie verursacht Umweltbelastungen

  • Der ökologische Fussabdruck der Bekleidungs- und Textilindustrie ist weder nachhaltig noch ressourcenschonend.
  • Die Branche trägt mit jährlich 1,7 Milliarden Tonnen CO2 signifikant zu den globalen Treibhausgasemissionen bei, sie hat einen hohen Wasserverbrauch, verursacht Wasserverschmutzung und produziert jährlich 2,1 Milliarden Tonnen Abfälle.

Was kannst Du tun?

Kurz gesagt und passend nach Vivienne Westwood: Buy less. Choose well. Make it last.
Denn wir müssen unsere Konsummotivation grundlegend hinterfragen.

Wir leben in einer Konsum- und Wegwerfgesellschaft

  • Der weltweite Konsum von Kleidung hat sich zwischen den Jahren 2000 und 2014 verdoppelt.
  • In Europa und den USA kauft jede Person durchschnittlich 16 Kilogramm, (!!) Kleidung pro Jahr.
  • Die Nachfrage nach Kleidung wird zukünftig von 62 Mio. Tonnen im Jahr auf 102 Mio. Tonnen im Jahr 2030 steigen.
  • 10 bis 20 Prozent unserer Kleidung bleibt heute ungetragen im Schrank hängen und die Anzahl der Tage, an denen man ein Kleidungsstück vor seiner Entsorgung trägt ist um ein Drittel gesunken.

Es geht darum:

  • den eigenen Konsum zu reduzieren,
  • unsere Tauschbereitschaft zu erhöhen,
  • unsere Kleider besser zu pflegen,
  • die Nutzungsdauer zu verlängern,
  • wirklich einen eigenen Geschmack zu entwickeln.

Deshalb, frage dich vor deinem nächsten Kauf:

  • Brauche ich das wirklich?
  • Werde ich es mehrere Jahre tragen?
  • Macht es mich längerfristig glücklich?

Oder du entscheidest dich gegen das Kaufen, denn Walk-in Closet Schweiz bietet eine Alternative zum Fast Fashion Konsum: TAUSCHEN STATT KAUFEN!

Wie funktioniert die Walk-in Closet Kleidertauschbörse?

Bring 10, nimm 10!

Bei Walk-in Closet SchweizWalk-in Closet Schweiz werden nicht mehr getragene Kleidungsstücke nicht mehr weggeworfen, sondern nachhaltig nutzbar gemacht. Du bringst max. 10 nicht mehr getragene, gut erhaltene und saubere Kleidungsstücke mit und gibst diese bei unserer Walk-in Closet-Kleiderannahme ab.

Nun steht der Suche nach neuen Lieblingsstücken nichts mehr im Weg.
Der riesige begehbare Kleiderschrank erfreut jedes Tauschherz: T-Shirts, Blusen, Jacken, Schuhe, Accessoires, Schmuck, Pullis, Kleider, Jeans – alles SECOND HAND und deshalb ressourcenschonend.
In einem separaten Raum mit Spiegeln kann die getauschte Ware anprobiert werden. Du kannst dir wieder max. 10 Kleidungsstücke aussuchen und mit nach Hause nehmen.

Ein DJ bereichert die Veranstaltung mit gemütlicher Musik, die Bar bedient mit Kaffee und die Freiwilligen der Public Eye Regionalgruppe geben jede Menge Informationen zum Thema Kleiderkonsum.
Walk-in Closet Schweiz setzt sich für eine bewusstere Konsumgesellschaft ein. Indem die Gäste bei der Walk-in Closet-Kleidertauschbörse über die Folgen des Kleiderkonsums aufgeklärt und sensibilisiert werden, erhofft sich der Verein einen Schritt in diese Richtung.

Aktiv werden

Du möchtest auch eine Kleidertauschbörse organisieren und Teil der Fashion Revolution werden? Melde dich bei uns! Pro Jahr sind bei Walk-in Closet Schweiz insgesamt ca. 400 freiwillige Helferinnen und Helfer aktiv, welche sich für eine nachhaltigere Modewelt einsetzten.
Bei Walk-in Closet Schweiz kann jede und jeder mitwirken. Die Anlässe an verschiedenen Standorten in der Schweiz schaffen zudem auch Begegnungen und Austausch zwischen Menschen unterschiedlichen sozio-ökonomischen Schichten. Ob jung oder alt, alle Geschlechter und Kleidergrössen, jeder kann sich für die Förderung von nachhaltigem Kleiderkonsum einsetzen.

Die nächste Walk-in Closet Kleidertauschbörse findet am 22. September im Werkk Baden statt.

Alle Informationen finden Sie hier!

Grünes Naschen in Baden

Grünes Naschen in Baden

Im  Badener Kurpark könnte ein rund 1’000 Quadratmeter grosser Naschpark entstehen. Er wird nach den Prinzipien der Permakultur bewirtschaftet. Die Gastautorin und Stadträtin Sandra Kohler und ihre Amtskollegin  Regula dell’Anno-Doppler  suchen nun Interessierte für die Gründung eines Vereins.

Inspiriert vom Film „Tomorrow – die Welt ist voller Lösungen“ und Städten, wie beispielsweise das französische Albi, soll in der Stadt Baden ein Permakultur-Projekt entstehen. Das Konzept der Permakultur zielt auf das Schaffen von dauerhaft funktionierenden nachhaltigen und naturnahen Kreisläufen (Quelle: permakultur.ch). Den Ansatz zeichnet eine hohe biologische und artenreiche Vielfalt aus. Ausserdem sind die Permakultur-Gärten unterhaltsarm, da die Natur stark sich selber überlassen wird.

Im hinteren Teil des Badener Kurparks könnte ein rund 1’000 Quadratmeter grosser „Naschpark Römergarten“ mit verschiedenen Beeren und mehrjährigen essbaren Stauden entstehen. So die Idee der Stadträtinnen Regula Dell’Anno-Doppler und Sandra Kohler. Das Projekt soll mittels eines partizipativen Prozesses initiiert werden. Ziel ist es, dass ein neu zu gründender privater Verein die Verantwortung für den Naschpark übernimmt. Menschen aus verschiedenen Gruppierungen sollen das Vorhaben gemeinsam prägen, umsetzen und tragen. Interessierte können sich sehr gerne melden.

Gemäss Regula Dell’Anno-Doppler und Sandra Kohler hat das Projekt das Potenzial, einen wertvollen Beitrag zu den Themen Ökologie, Integration, allgemeine soziokulturelle Aspekte sowie gesellschaftlichen Zusammenhalt zu leisten. Themen, die aktuell starken Aufwind erhalten und im Fokus der Gesellschaft stehen.

„Auf dem Weg in die Bäder dient der Park als willkommene und genussreiche Zwischenstation, er lädt zum Verweilen ein, bietet aber auch die Möglichkeit, Pflanzen kennen zu lernen und Wissenswertes zum Thema Ernährung zu vermitteln“, so die Stadträtin Sandra Kohler.

Ansatz der Permakultur – hohe ökologische Bedeutung

Permakultur ist eine Landwirtschaftsform, die noch weiter geht als die ökologische Landwirtschaft. In permakulturell gestalteten Lebensräumen wird das Zusammenleben von Menschen, Tieren und Pflanzen so kombiniert, dass diese zeitlich unbegrenzt funktionieren und die Bedürfnisse aller Elemente so weit wie möglich erfüllt werden. Ziel der permakulturellen Gestaltung ist das Schaffen eines sich selbst regulierenden Systems, das höchstens minimaler Eingriffe bedarf, um dauerhaft in einem dynamischen Gleichgewicht zu bleiben (Quelle: down-to-earth.ch).

«Mit diesem Projekt und einem solchen Naschpark, basierend auf dem Grundsatz der Permakultur, könnte sich die Stadt Baden einmal mehr als äusserst innovative und vor allem vorausschauende Stadt präsentieren», ist Regula Dell’Anno-Doppler, Frau Vizeammann, überzeugt.

Interessierte Menschen melden sich bitte bei: sandra.kohler@baden.ch

Viele gute Gründe für ein Vegi-Menü

Viele gute Gründe für ein Vegi-Menü

Zahlreiche Badener Restaurants leisten ihren Beitrag zum nachhaltigen Konsum und bieten täglich mindestens ein vegetarisches Mittagsmenü an. Während der Umweltwochen signalisieren sie dies mit dem grünen „Starten statt warten“-Signet. Gastautorin Yvonne Bergmann stellt die Kampagne vor.

 

Im Rahmen der Badener Umweltwochen 2019 bieten zahlreiche Badener Restaurants ein besonders nachhaltiges Mittagsmenü an und kennzeichnen dieses. Jedes Restaurant wählt den Zeitrahmen individuell und kreiert sein eigenes vegetarisches Menü. Das Logo der Umweltwochen, ein grüner Fuss, weist in der Speisekarte auf die umweltschonenden Mahlzeiten hin und fordert uns auf, öfter fleischlose Gerichte zu wählen.

Diese Restaurants haben bisher ihre Teilnahme zugesagt – weitere sind herzlich willkommen:

Was tue ich mit einem vegetarischen Menü Gutes?

Gesunde Ernährung ist den meisten von uns sehr wichtig. Öfters auf Fleisch zu verzichten, tut aber auch der Umwelt gut.

Der ökologische Fussabdruck in der Schweiz ist viel zu gross. Beinahe 3 Erden wären erforderlich, wenn alle so viele Ressourcen brauchen würden wie die Schweizer Bevölkerung. Wie wir uns ernähren, wie wir uns fortbewegen und was wir konsumieren, hat Auswirkungen nicht nur in der Schweiz, sondern auch global.

Wenn wir nur noch drei Mal pro Woche Fleisch essen, können wir unseren Ernährungs- Fussabdruck bereits um 20% verringern. Vegetarische Menüs sind eine leckere Abwechslung und als leichte Mahlzeit über Mittag genau richtig, um mit viel Energie in den Nachmittag zu starten.

Fleischgerichte versus fleischlose Gerichte

Der mittlere Fleischkonsum pro Kopf und Jahr beträgt in der Schweiz etwa 50 kg, das sind etwa 137 Gramm am Tag. Der Fleischkonsum ist für einen Viertel der ernährungsbedingten Umweltbelastungen verantwortlich. Weltweit werden auf 33% der Ackerfläche Futtermittel für Tiere produziert, anstatt Lebensmittel für Menschen. Tierische Produkte (Fleisch, Milch und Eier) sind in der Schweiz für 48% Prozent der ernährungsbedingten Treibhausgas-Emissionen und somit für die Klimaerwärmung verantwortlich.

Wiederkäuer produzieren bei der Verdauung und Ausscheidung viele Methan-Gase. Bei der Lagerung und Ausbringung von organischem Dünger entsteht zudem Lachgas. Diese beiden Treibhausgase sind viel klimaschädlicher als CO2. Die Futterproduktion braucht viel Energie, unter anderem, weil die Produktion von Pestiziden und Kunstdüngern sehr energieaufwändig ist.

Bodenerosion und Entwaldung tragen ebenfalls zur Klimaerwärmung bei. Grosse Flächen Wald werden für Futterproduktion und Tierhaltung gerodet. Aus diesen Gründen produziert eine Mahlzeit mit Fleisch rund dreimal mehr Treibhausgase als ein vegetarisches Gericht.

Was wir auch noch besser machen können

Neben der Reduktion des Fleischkonsums, zeigt auch der Einkauf von lokalen und saisonalen Produkten einen deutlich positiven Effekt auf die Energiebilanz. Nicht-saisonale Produkte haben entweder einen langen Transportweg oder sie werden im beheizten Gewächshaus angebaut. Eingeflogene Produkte belasten die Umwelt, da beim Transport viele schädliche Treibhausgase freigesetzt werden. Die Produktion im beheizten Treibhaus verbraucht rund 10 Mal mehr Energie als im Freiland. Zum Heizen dienen zudem in der Regel fossile Energieträger.

Wir müssen nicht alle unsere Gewohnheiten radikal ändern, jeder einzelne Beitrag ist wertvoll. Wählen wir öfters ein vegetarisches Menü, schützen wir die Umwelt und entdecken vielleicht auch noch etwas Neues. Ein Gemüse, das wir so noch nie gegessen haben? Eine neue Inspiration für den eigenen Kochherd?

Ich wünsche allen einen guten, nachhaltigen Appetit!

Restaurants, die auch teilnehmen möchten, melden sich bei stadtoekologie@baden.ch
weitere Quellen:

WWF Faktenblatt Ernährung Februar 2013

WWF-Footprintrechner – fürs Ermitteln des eigenen ökologischen Fussabdrucks

Zero Waste – Wenn weniger mehr ist!

Zero Waste – Wenn weniger mehr ist!

Die Zero Waste Bewegung verspricht ein Leben ohne Müll. Dass die Community derzeit viele Anhänger und Sympathisanten findet, erstaunt spätestens nach der Klimastreikbewegung nicht mehr. Kann Zero Waste ein Ansatz für eine nachhaltigere Gesellschaft sein? Und ist es überhaupt möglich, abfallfrei zu leben? – Ein Gastbeitrag von Deborah Knecht.

Die Schweiz als Müllweltmeisterin

Jede in der Schweiz wohnhafte Person produziert laut BAFU jährlich 715 Kilogramm Abfall. Dies entspricht einem der höchsten Siedlungsabfallaufkommen der Welt. Damit Sie sich unter dieser Zahl etwas mehr vorstellen können, eine Überschlagsrechnung: Eine Person füllt gut zwanzig 35l-Müllsäcke in einem Jahr. Werden die Müllsäcke aller Einwohner aneinandergereiht, ergibt sich eine Müllsackstrecke von rund 93300 Kilometern. Wir Schweizer*Innen können den Äquator mit unserem Hausmüll also mehr als zweimal umrunden – jährlich.

Weniger ist mehr

Diese imposante Menge macht deutlich, dass wir definitiv zu viel Müll produzieren. Klar, wir Schweizer*Innen sind auch Weltmeister*Innen im Recycling. Laut BAFU wird nämlich rund die Hälfte unseres Hausmülls rezykliert. Dies ist überdurchschnittlich viel. Recycling ist grundsätzlich eine gute Sache, bedingt aber, dass die Menschen ihren Müll richtig trennen und entsorgen. Fakt ist, dass das Aufbereiten von Wertstoffen noch immer viel Energie verbraucht, wenn auch erheblich weniger, als die Neugewinnung.

Wer also glaubt, seinen Konsum, uneingeschränkt auf dem momentanen Standard basierend, weiterführen zu können, irrt sich. Trotz Recycling ist der nachhaltigste Abfall jener, der gar nicht erst produziert wird.

Zero Waste – kein neuer Gedanke

Der Ursprung des Begriffs „Zero Waste“ liegt in der Industrie. Er ist Teil der in den neunziger Jahren entwickelten Theorie der Kreislaufwirtschaft, auch „Cradle to Cradle“ genannt. Dabei handelt es sich um ein regeneratives System, in welchem Ressourcenverbrauch, Abfallproduktion, Emissionen und Energieaufwand minimiert werden. Dies bedingt einer langlebigen Konstruktion, Reparaturmöglichkeiten und der Wieder- und Weiterverwendung von Produkten.
„5 R“ Inverted Pyramid. Von oben herab gelesen: Zuoberst kann am meisten Abfall vermieden werden. Quelle: Zero Waste Switzerland.

Gegenbewegung zur Wegwerfgesellschaft

In Privathaushalten begann der Trend zum müllfreien Leben mit Bea Johnson. Die Französin, welche mittlerweile mit ihrer Familie in Kalifornien lebt, führt den Blog „Zero Waste Home“ und brachte ein gleichnamiges Buch auf den Markt. Dabei geht es vor allem darum, dem Abfall den Kampf anzusagen und innovative Lösungen für den Alltag zu finden. Mittlerweile gibt es den Verein „Zero Waste Switzerland“, welcher nicht nur die einzelnen Bürger*Innen, sondern auch die Wirtschaft zu einem abfall- und verschwendungsfreien Konsumverhalten motiviert und erneuerbare Produktionsmethoden der Kreislaufwirtschaft fördert. Für das Gelingen ist der Austausch und der Einsatz aller Beteiligten besonders wichtig.

Das Zero Waste Prinzip

Durch ein Leben ohne Abfall, möchten Zero Waster mit verantwortungsbewusstem Handeln vorausgehen. Das Ziel ist nicht primär auf alles zu verzichten, sondern langfristig klüger zu konsumieren und die eigenen Bedürfnisse zu hinterfragen. Dabei richtet man sich nach den „5 R“, wobei es grundsätzlich darum geht, Müll abzulehnen.
Der Grossteil an Müll kann vermieden werden, indem Verpacktes und Überflüssiges abgelehnt werden. Denn je weniger konsumiert wird, desto weniger muss produziert und später entsorgt werden.
Als nächster Punkt wird Müll im Haushalt reduziert, indem man ungeliebte und ungenutzte Dinge weiter gibt, anstatt sie zu entsorgen. So muss nichts neu produziert werden und Ressourcen werden geschont.
Der dritte Punkt dreht sich hautsächlich ums Wiederverwenden und Reparieren. Denn Einwegprodukte sind vor allem für die Wirtschaft gut, nicht aber fürs Portemonnaie und schon gar nicht für die Umwelt. Langlebiger und somit nachhaltiger sind Produkte, die bestenfalls jahrelang genutzt werden.
Alles, was trotz ablehnen, reduzieren, wiederverwenden und reparieren noch an Müll anfällt, soll dem Recycling-„Kreislauf“ zugeführt werden. Natürlich verschlingt auch der Recycling-Prozess neue Ressourcen, aber zumindest nicht so viele wie eine Neuproduktion.
Der letzte Punkt der 5 R’s bezieht sich aufs Kompostieren. So wird beispielsweise aus Küchenabfällen hochwertiger Dünger, den man zu Hause direkt seinen Pflanzen im Garten oder auf der Fensterbank zuführen kann. Somit muss auch kein Müll durch die Gegend gefahren und aufwendig aufgearbeitet werden.

Zero Waste – eine Utopie?

Die 5 R der Zero Waste Pyramide bieten Ideen und ermutigen, sich mit dem eigenen Konsumverhalten auseinanderzusetzten. Ob ein Leben gänzlich ohne Müll tatsächlich möglich ist, scheint zweifelhaft. Treffender wäre wahrscheinlich der Begriff „minimal Waste“. Denn selbst wer jährlich nur ein Einmachglas voller Abfall produziert, verbraucht Ressourcen. Diese sind bei einem Kleidungsstück, einer Flugreise oder einem neuen Computer auf den ersten Blick vielleicht weniger ersichtlich als bei einer Plastikverpackung, aber mindestens so relevant. Da uns die Folgen dieses Ressourcenverbrauchs im ersten Moment nicht persönlich betreffen, sind sie allerdings relativ leicht auszublenden.

Aktiv werden

Schliesslich soll Zero Waste den Blick für eine umweltbewusstere Zukunft schärfen. Denn wer den eigenen Konsum hinterfragt und schliesslich bewusster und verantwortungsvoller konsumiert, wird früher oder später auch (un)bewusst sein Umfeld sensibilisieren. Wie ein afrikanisches Sprichwort schön zusammenfasst: „Viele kleine Leute, in vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern!“ Schliesslich steht das Konsumverhalten von Privatpersonen in einer stetigen Wechselwirkung zur Forderung nach ressourcenschonenden und weitsichtigen Produktionsweisen in der Wirtschaft. Damit das „Cradle to Cradle“ Prinzip tatsächlich funktioniert, müssen wir uns nicht nur selbst an der Nase nehmen, und unser Verhalten immer wieder kritisch hinterfragen und anpassen, sondern auch von Seiten der Wirtschaft ein klares Umdenken fordern.

Für Interessierte:

Es sind ungefähr 6,8 kg CO2, die jeder Mensch täglich durch alle seine Handlungen ausstoßen darf, um unsere Welt und unser Klima im Gleichgewicht zu halten. „Ein guter Tag“ rechnet dieses Kontingent in 100 Punkte um. Wie viele Punkte Ihres Budgets verbrauchen Sie täglich?
https://www.eingutertag.org/de/punkterechner.html

Verschiedenste Ideen zur Ressourcenschonung – ohne Gewähr auf Vollständigkeit.
https://www.pumpipumpe.ch
https://repair-cafe.ch/de/cafes/repair-cafe-brugg-windisch
http://www.walkincloset.ch/