Umweltblog

Beobachtungen, Meldungen und Fragen zur Badener Biodiversität

E. Jakob am 05.9.2019: „Die Früchte unseres Apfelbaums haben dieses Jahr zahlreiche dunkelbraune Flecken, zum Teil sind sie flächig schwarz und eingerissen. Was ist das für eine Krankheit? Was kann ich tun, damit die nächste Ernte wieder gesund ist? Auf Gift würde ich gern verzichten. Es ist übrigens eine Goldparmäne.“

Bei den Flecken handelt es sich um Schorf, eine Pilzkrankheit. Mit einem fachgerechten Schnitt im Winter könnte die Durchlüftung des Baums verbessert werden. Die Blätter können so schneller abtrocknen und sind dadurch weniger anfällig für den feuchtigkeitsliebenden Pilz. Toni Suter (Baumschule und Gartenbau AG in Dättwil) ergänzt auf Anfrage, dass das Laub im Herbst nicht kompostiert werden sollte, sondern als Kehricht entsorgt. So kann der Schorfpilz nicht unter Ihrem Baum überwintern.

B. Fischer am 10.6.2019: „Unter der Eisenbahnbrücke über die Strasse nach Neuenhof gibt es Ameisenlöwen. Ihre Trichter (siehe Foto) sind zahlreich.“

Vielen Dank für diese interessante Meldung! Ameisenlöwen sind zwar keine echten Löwen, aber trotzdem gefrässige Raubtiere. Die circa 1cm grossen Larven verstecken sich zuunterst im Trichter. Wenn Beutetiere wie Ameisen den Trichter betreten, gerät der feinkörnige Sand ins Rutschen. Das alarmiert den Ameisenlöwe; sofort beginnt er, seine Beute mit Sand zu bewerfen. Rutscht sie ganz nach unten, ergreift er sie mit seinen Zangen, tötet sie durch ein starkes Gift und saugt sie aus. Die Verpuppung findet nach 2 Jahren statt. Das ausgewachsene Tier heisst Ameisenjungfer und gleicht einer Libelle. Es gehört aber zu den Netzflüglern; einer sehr alten Insektenordnung, von der auch die Käfer abstammen. Die adulten Tiere leben räuberisch von kleinen Insekten. Zu beobachten sind sie am ehesten in der Nähe der Sandtrichter, wo sie in den Sträuchern sitzen. Mit einer Spannweite von 5 bis 6 cm sind sie recht gross, aber trotzdem nicht ganz einfach zu entdecken. Der staubige, regengeschützte Sandplatz unter der SBB-Brücke zwischen Neuenhofer- und Zürcherstrasse ist ideal für eine zünftige Ameisenlöwen-Kolonie. Ein Besuch (mit dem Velo 2 Minuten ab Schlossbergplatz) lohnt sich!

Fotos (oben): Trichter Stadtökologie, Ameisenlöwe Wikicommons/Amada44, Ameisenjungfer Wikicommons/NobbiP

S. Egger am 10.6.2019: „Diese Raupe (Bild oben) hat meine Katze angeschleppt. Wie heisst sie? Ist sie giftig?“

Das ist die Raupe des Weidenbohrers (Cossus cossus). Sie wird bis zu 10cm lang und lebt im Holz von Salweiden, anderen Weiden, Birke, Erle, Birn- und Apfelbaum. Sie ist recht häufig, auch in Gärten und Parks. Sehr typisch ist ihr Geruch nach Essig. Die Eier werden meistens auf kränkelnden Bäumen abgelegt. Zuerst frisst die Raupe Rinde, später arbeitet sie sich immer tiefer ins Holz. Die Frassgänge sind oval und bis zu 2cm breit. Nach 2 bis 4 Jahren verpuppt sie sich im Holz oder im Boden. Schliesslich schlüpft ein graubraun gezeichneter, grosser Nachtfalter. Mit einer Spannweite von bis zu 8cm gehört er zu den grössten einheimischen Schmetterlingen.

Giftig ist die Weidenbohrer-Raupe nicht. Sie gilt aber als wehrhaft und kann einen mit ihren Mundwerkzeugen kräftig zwicken.

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