{"id":29836,"date":"2023-10-09T08:00:27","date_gmt":"2023-10-09T06:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/umweltblog.baden.ch\/?p=29836"},"modified":"2023-10-09T09:15:55","modified_gmt":"2023-10-09T07:15:55","slug":"die-schmetterlinge-vom-geisswiesli-und-der-wiese-ammon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/umweltblog.baden.ch\/die-schmetterlinge-vom-geisswiesli-und-der-wiese-ammon\/","title":{"rendered":"Die Schmetterlinge vom Geisswiesli und der Wiese Ammon"},"content":{"rendered":"\t\t
Ausger\u00fcstet mit Kescher und Betrachtungsd\u00f6schen (neugierige Blicke garantiert!) begab ich mich zwischen Juni und August mehrmals auf zwei ausgew\u00e4hlten Fl\u00e4chen, die hinsichtlich Artenvielfalt sehr vielversprechend sind. Das Geisswiesli – einst verbuscht und nun dank Pflege wieder ein artenreicher Lebensraum\u00a0<\/strong><\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t Ein Saum von strauchreichen Waldr\u00e4ndern mit Schwarzdorn umgibt das sogenannte Geisswiesli, das einer Glatthafter-Trespenwiese entspricht. Charakterisierend f\u00fcr die Waldlichtung ist eine sich inmitten der Fl\u00e4che befindende alte, abgestorbene Esche. Im \u00f6stlichen Teil sind zudem kleine Stufenraine und Geh\u00f6lzinseln zu finden.<\/span>\u00a0Fr\u00fcher f\u00fcr Rebbau genutzt, wurde das Geisswiesli in den 70er und 80er der Vergandung \u00fcberlassen. Seit 1989 erf\u00e4hrt die\u00a0 Wiese nun wieder einen regelm\u00e4ssigen Schnitt und hat nun den Status einer Magerwiese. Die Wiese Ammon – ein Ort, der der Biodiversit\u00e4t geh\u00f6rt\u00a0<\/strong><\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t Die Wiese Ammon liegt s\u00fcdlich von R\u00fctihof auf dem Gemeindegebiet von Birmenstorf. Urspr\u00fcnglich im Besitz der Familie Ammon wurde die Fl\u00e4che 2009 der Stadt Baden \u00fcbergeben. Angrenzend an Wald und mit Hecken ges\u00e4umt ist die Wiese an einer Hanglage. Der obere Teil entspricht einer Trespenwiese und der untere Teil am Hangfuss einer Fromentalwiese. Dazwischen stehen Obstb\u00e4ume und Reben. Auch hier treffen wieder unterschiedliche Lebensr\u00e4ume auf kleinstem Raum aufeinander, was eine gute Voraussetzung f\u00fcr die Artenvielfalt darstellt. Ergebnis der Begehungen: Auf Badens Wiesen kreucht und fleucht einiges – haupts\u00e4chlich Arten, die h\u00e4ufig im Mittelland anzutreffen sind<\/strong>.\u00a0 Die, die (hohe) Anspr\u00fcchen<\/span>\u00a0haben<\/strong> Der, der es warm und trocken mag Der, der kein Tagfalter ist\u00a0 Weitere Impressionen von Schmetterlingen auf der Wiese Ammon und dem Geisswiesli<\/strong><\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t Die \u00dcbersicht zu allen Schmetterlingsarten, die ich von Juni\u2013<\/span>August auf der Wiese Ammon und dem Geisswiesli gefunden habe, finden sie \u00fcbrigens<\/span> hier<\/a>.<\/span><\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t Fazit: Vielfalt entsteht durch Vielfalt<\/strong><\/p> Die entdeckten Schmetterlingsarten wie der Schachbrettfalter (Melanargia galathea)<\/em>, \u00a0der Gr\u00fcnaderweissling (Pieris napi)<\/em> oder das Sechsfleck-Widderchen (Zygaena filipandulae)<\/em> findet man typischerweise auf Wiesen. Andere Arten wiederum wie die Raupen vom Admiral (Vanessa atalanta)\u00a0<\/em>brauchen Brennnesseln als Futterpflanze und sind somit auf Krauts\u00e4ume angewiesen. Und wiederum andere Arten wie der Faulbaumbl\u00e4uling (Cleastrina argiolus) <\/em>oder der Kaisermantel (Argynnis paphia)<\/em> sind oftmals im Zusammenhang mit Geh\u00f6lzstrukturen zu finden.\u00a0 Und nicht nur Falter leben hier…
Kescher und Betrachtungsd\u00f6schen sind deswegen hilfreich, weil bei manchen Arten ein ge\u00fcbtes Auge gefordert ist, um sie unterscheiden zu k\u00f6nnen. W<\/span><\/span>ichtig<\/span>: Die Tiere wurden jeweils nur kurz eingefangen, in der unten abgebildeten Dose angeschaut und danach wieder freigelassen!\u00a0<\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t
Das Geisswiesli hat einen hohen Gebietswert, sein Potenzial f\u00fcr Biodiversit\u00e4t wird als gross eingesch\u00e4tzt. Dies dank den unterschiedlichen Strukturtypen, die auf kleinester Fl\u00e4che vorhanden sind (Wald, Strauchschicht, Krautschicht, Offenland) und der Exposition.\u00a0<\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t
<\/span><\/span><\/span>Durch die S\u00fcdwest-Exponierung hitzt sich die Fl\u00e4che ab Mittag jeweils merklich auf. Dies bietet wiederum Potenzial f\u00fcr Tiere, die trockene und warme Lebensr\u00e4ume m\u00f6gen – wie eben manche Schmetterlinge oder Heuschrecken.\u00a0<\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t
<\/span>Vier Mal war ich f\u00fcr jeweils circa eine Stunde auf dem Geisswiesli. Die Bilanz: 11 verschiedene Arten. Drei Begehungen machte ich zudem auf die Wiese Ammon. Die dortige Bilanz: 14 verschiedene Arten. \u00a0
Die entdeckten Schmetterlinge entsprechen alles Arten, die h\u00e4ufig im Mittelland anzutreffen sind. Sie werden auf der Roten Liste der Tagfalter und Widderchen<\/a> zurzeit als\u00a0\u00abnicht gef\u00e4hrdet\u00bb\u00a0<\/span>angegeben. Eine Ausnahme bildet der Kurzschw\u00e4nzige Bl\u00e4uling<\/span> (Cupido argiades)<\/em>, der auf der Liste als \u00abpotenziell gef\u00e4hrdet\u00bb eingetragen ist und nach einem stetigen R\u00fcckgang nun wieder h\u00e4ufiger anzutreffen ist.\u00a0<\/span><\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t
Neben Schmetterlingen, die auch auf ged\u00fcngten und regelm\u00e4ssig geschnittenen Wiesen zu beobachten sind, liessen sich auch Arten beobachten, die h\u00f6here bzw. sehr spezifische Anspr\u00fcche an ihre Lebensr\u00e4ume stellen. Darunter zum Beispiel der Schachbrettfalter (Melanargia galathea)<\/em>: Seine Raupen bevorzugen Gr\u00e4ser wie die Aufrechte Trespe (<\/i>oder das Pfeifengras,<\/i> der erwachsene Falter hingegen ist vor allem an violetten Bl\u00fcten zu finden. Die Eiablage erfolgt jeweils in ungem\u00e4hten und unbeschatteten Bereichen. Erfreulicherweise entdeckte ich den Schachbrettfalter auf beiden Wiesen.<\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t
<\/strong>Beim Karstweissling (Pieris mannii) <\/i>handelt es sich<\/span>\u00a0um eine Art, die im Mittelmeergebiet sehr h\u00e4ufig vorkommt und sich seit 2008 vom Genfer-Raum Richtung Norden und Nordosten ausbreitet. Mittlerweile ist der Karstweissling auch im Mittelland h\u00e4ufiger anzutreffen. Dabei bevorzugt er warme, trockene und felsige Gebiete. Ich entdeckte ihn auf dem Geisswiesli sowie auch auf der Wiese Ammon. Da beide Fl\u00e4chen vorwiegend gut besonnt sind, eignen sich die Fl\u00e4chen diesbez\u00fcglich sehr gut f\u00fcr den Falter.<\/span><\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t
<\/strong>Tagfalter sind tagaktive Schmetterlinge. Nachtfalter hingegen k\u00f6nnen tag- oder nachaktiv sein. Das\u00a0Sechsfleck-Widderchen\u00a0(Zygaena filipenduale)<\/em> (siehe Bild) geh\u00f6rt zu diesen tagaktiven Nachtfaltern. Ich entdeckte vier der Falter im August auf dem Geisswiesli.
Die Art besiedelt grunds\u00e4tzlich sehr unterschiedliche Lebensr\u00e4ume. Wichtig ist jedoch, dass die Futterpflanzen vorhanden sind. F\u00fcr die Raupen ist das bevorzugt Hornklee,\u00a0\u00a0die Falter sind vor allem auf violetten Bl\u00fcten zu finden.\u00a0<\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t
Das Vorkommen all dieser Arten auf den beiden Fl\u00e4chen widerspiegelt die Vielfalt an Strukturen, die wir dort haben: Wiesen, Krauts\u00e4ume, Hecken, Wald und \u00dcberg\u00e4nge zwischen den Lebensr\u00e4umen. Diese Vielfalt beg\u00fcnstigt also wiederum eine Vielfalt an Schmetterlingen.<\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t
<\/strong>\u00dcbrigens: W\u00e4hrend meinen Besuchen auf den Fl\u00e4chen konnte ich immer wieder auch andere Tiere beobachten, wie zum Beispiel eine Blindschleiche<\/a>, die sich auf dem geschnittenen Gras sonnte. Das Entdecken und Fotografieren solcher Tiere erfordert einen achtsamen Blick und etwas Geduld, zeigt aber auch einfach mal wieder: Biodiversit\u00e4t<\/a> ist einfach toll!\u00a0<\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t