{"id":9367,"date":"2020-05-11T14:29:11","date_gmt":"2020-05-11T12:29:11","guid":{"rendered":"https:\/\/umweltblog.baden.ch\/?p=9367"},"modified":"2022-09-12T09:12:08","modified_gmt":"2022-09-12T07:12:08","slug":"die-voegel-im-stadtturm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/umweltblog.baden.ch\/die-voegel-im-stadtturm\/","title":{"rendered":"Frei wie ein Vogel im ehemaligen Gef\u00e4ngnis \u2013 \u00fcber die V\u00f6gel im Badener Stadtturm"},"content":{"rendered":"\t\t
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Es ist kaum zu glauben: Bis 1984 diente der Badener Stadtturm noch als Bezirksgef\u00e4ngnis. Dann zogen die Gefangenen aus und nach und nach konnten verschiedene Vogelarten einziehen. Maria Burger betreut seit 2013 die Nisthilfen im Stadtturm in Zusammenarbeit mit dem Badener Natur- und Vogelschutzverein NAVO<\/a> und der Vogelwarte Sempach<\/a>. Die Umweltnaturwissenschaftlerin hat schon als Jugendliche ihren ersten Ornithologiekurs besucht. Beruflich arbeitet sie nicht mehr im Bereich der Tiere und Pflanzen. Daf\u00fcr kann sie ihre Leidenschaft bei der Betreuung der V\u00f6gel im Stadtturm nachgehen. Letzte Woche durfte ich Maria bei ihrer Arbeit im Stadtturm \u00fcber die Schulter schauen.<\/p>\n <\/p>\n <\/p>\n <\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t Zuerst steigen wir einige Treppen hoch, vorbei an den alten Gef\u00e4ngniszellen. Der erste Nistkasten ist auf H\u00f6he der Uhren auf der Seite, die in Richtung Schlossberg ausgerichtet ist. Er wurde f\u00fcr Turmfalken<\/a> gebaut. Vom Esstisch in Marias Elternhaus an der Oberen Gasse sieht man direkt auf den Eingang dieses Kastens. Schon als Jugendliche hat Maria die jungen Falken beobachtet.<\/p>\n <\/p>\n Die Turmfalken haben ab 2014 pl\u00f6tzlich nicht mehr im Stadtturm gebr\u00fctet. Erkl\u00e4ren kann man sich nicht, woran das liegen k\u00f6nnte. Die Nistk\u00e4sten der Turmfalken stehen aber nicht leer: Zu sch\u00e4tzen weiss sie auch der G\u00e4nses\u00e4ger<\/a>. Erstaunlich, dass eine Entenart in einem Turm mitten in der Stadt br\u00fctet.<\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t Enten sind Nestfl\u00fcchter. F\u00fcr die G\u00e4nses\u00e4gerjungen ist kurz nach dem Schl\u00fcpfen ein Sprung vom Stadtturm angesagt. Dann watschelt die mutige Schar mit ihrer Mutter runter zur Limmat. G\u00e4nses\u00e4ger br\u00fcten vor den Turmfalken. Wenn das Timing stimmt, kann der Turmfalke direkt nach dem G\u00e4nses\u00e4ger einziehen. Das war letztes Jahr so. Der Turmfalke hat 2019 nach f\u00fcnf Jahren wieder hier gebr\u00fctet. \u00a0Maria hofft, dass er dieses Jahr wieder kommt.<\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t Wir gehen eine Treppe weiter hoch und sind nun auf H\u00f6he der Erker. Hier gibt es einen zweiten Falkenkasten, wo auch gerade ein G\u00e4nses\u00e4ger br\u00fctet. In den Erkern sind zudem drei Dohlenk\u00e4sten eingerichtet. Sie wurden 2016 gebaut, als eine\u00a0Dohle<\/a>\u00a0ein Nest in einer Schl\u00fcssellochscharte im Erker \u00fcber dem Mosers baute, aber nie zu br\u00fcten begann. Dohlen w\u00e4ren herzlich willkommen. Sie haben aber bisher nicht hier genistet.<\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t Wir klettern eine Leiter hoch und sind nun im Dachstuhl. Hier befindet sich das Herzst\u00fcck: die Alpenseglerkolonie. Unter dem Dachvorsprung kann man von aussen die zahlreichen Eing\u00e4nge sehen, die in die Nistnischen unter dem Dach f\u00fchren.<\/p>\n \u00a0<\/p>\n Maria \u00f6ffnet vorsichtig einen Kasten nach dem anderen. Sie notiert sich, ob das Nest aufgefrischt wurde. Da Alpensegler fast immer in der Luft sind, bauen sie ihre Nestschale aus Materialien wie Federchen, Haaren, Bl\u00fctenfasern und Samen, die sie in der Luft finden. Diese werden mit reichlich Spucke zusammengekleistert. Bei diesem Aufwand wird auch verst\u00e4ndlich, warum sie lieber ein altes Nest auffrischen, statt ein Neues zu bauen.<\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t Am beliebtesten scheint die Seite zum Schlossberg zu sein. Hier wurden schon fast alle Nester aufgefrischt. Auf einem Nest sitzt sogar ein\u00a0Alpensegler<\/a>, der uns etwas argw\u00f6hnisch aber ruhig entgegenschaut. In den n\u00e4chsten Wochen wird Maria dann z\u00e4hlen, wie viele Eier die Alpensegler gelegt haben und sich die Ringnummern der Brutv\u00f6gel notieren. Die Jungen werden auch beringt. Dadurch k\u00f6nnen die Individuen wiedererkannt werden. F\u00fcr die Wissenschaft und den Naturschutz ist die Beringung von V\u00f6geln wertvoll.<\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t Die Alpensegler<\/strong><\/p>\n Alpensegler erinnern an eine Schwalbe, sind aber gr\u00f6sser. An ihrem weissen Bauch und den lauten trillernden Rufreihen sind sie leicht erkennbar. M\u00e4nnchen und Weibchen kann man \u00e4usserlich nicht unterscheiden. Beim Br\u00fcten wechseln sie sich ab \u2013 ein emanzipiertes Paar!<\/p>\n Alpensegler verbringen den Grossteil ihres Lebens in der Luft. Darum m\u00fcssen die Jungen fliegen k\u00f6nnen, wenn sie das Nest verlassen. Bis es soweit ist, kann es bis zu zwei Monate dauern. In dieser Zeit sammeln die Eltern fleissig Insekten f\u00fcr ihre Kleinen. Jeder der 1-3 Jungv\u00f6gel bekommt t\u00e4glich mehrere \u201eInsektenb\u00e4lle\u201c mit ca. 2cm Durchmesser. Bei kaltem Wetter fliegen weniger Insekten und so k\u00f6nnen die Eltern wenig Futter bringen. Alpenseglerjunge k\u00f6nnen ihren Kreislauf bei K\u00e4lte runterfahren und so einige Tage ohne Essen aushalten.<\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t F\u00fcr die Alpensegler ersetzt der Stadtturm einen Fels. Bei uns nisten sie in Nischen an hohen Geb\u00e4uden. Das hat einen praktischen Grund: Beim Losfliegen lassen sich Alpensegler fallen. Sie m\u00fcssen lang genug fallen k\u00f6nnen, bis sie vom Aufwind getragen werden. Die Brutpl\u00e4tze von Alpenseglern gehen durch Renovationen und Umbauten oft verloren. Als 2008\/2009 der Stadtturm renoviert wurde, ist die Population massiv eingebrochen. Seitdem hat sich die Population langsam wieder erholt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t Auch im Landvogteischloss Baden nisten Alpensegler. Normalerweise bietet der NAVO jeden Sommer Besuche der Alpenseglerkolonie im Landvogteischloss an. Dieses Jahr k\u00f6nnen diese auf Grund der Ausnahmesituation leider nicht stattfinden. Daf\u00fcr bietet dieser Beitrag einen virtuellen Besuch einer Alpenseglerkolonie.<\/p>\n <\/p>\n Es war sehr spannend mit Maria im Stadtturm. M\u00f6chten Sie noch mehr wissen? Stellen Sie Ihre Fragen gerne als Kommentar!<\/p>\n <\/p>\n Interessieren Sie sich f\u00fcr weitere Vogelarten, die in Baden br\u00fcten? Maria Burger nimmt uns mit in den Stadtturm. Sie betreut dessen Nistk\u00e4sten: Gerade br\u00fcten zwei G\u00e4nses\u00e4ger und…<\/p>\n","protected":false},"author":27,"featured_media":20166,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[80,172,31,140],"class_list":["post-9367","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-umweltwissen","tag-baden","tag-stadtturm","tag-voegel","tag-vogelschutz"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/umweltblog.baden.ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9367","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/umweltblog.baden.ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/umweltblog.baden.ch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/umweltblog.baden.ch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/27"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/umweltblog.baden.ch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9367"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/umweltblog.baden.ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9367\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21378,"href":"https:\/\/umweltblog.baden.ch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9367\/revisions\/21378"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/umweltblog.baden.ch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20166"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/umweltblog.baden.ch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9367"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/umweltblog.baden.ch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9367"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/umweltblog.baden.ch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9367"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t
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Auch die V\u00f6gel im Park der Villa Langmatt k\u00f6nnen Sie virtuell mit uns beobachten: Blogartikel \u201eStunde der Gartenv\u00f6gel\u201c im Park der Villa Langmatt<\/a>
Im Umweltblog berichteten wir auch \u00fcber den Neunt\u00f6ter<\/a> und die Saatkr\u00e4he<\/a> in Baden.<\/p>\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"