Anzeichnen im Badener Wald
Beim sogenannten Anzeichnen entscheidet der Stadtoberförster, welche Bäume gefällt werden und welche bleiben. Im Gespräch erklärt Stadtoberförster Georg von Graefe, wie diese Auswahl funktioniert – und warum sie so wichtig ist.
Jeder Baum wird einzeln beurteilt
Anzeichnen ist keine schnelle Sache. „Wir gehen nicht durch den Wald und markieren einfach drauflos“, erklärt Georg von Graefe. Jeder Baum wird einzeln angeschaut: Wie gesund ist er? Steht er stabil? Hat er genug Platz? Und welche Rolle spielt er für den Wald als Ganzes?
Manche Bäume sind krank, geschwächt oder instabil und würden bei Sturm zur Gefahr werden. Andere stehen gesunden jungen Bäumen im Weg und nehmen ihnen Licht und Raum. Genau hier setzt das Anzeichnen an: Es schafft Ordnung im Wald, ohne ihn auszuräumen.
Platz schaffen für die nächste Generation
Ein Wald braucht Licht, Platz und Struktur. Bleiben zu viele Bäume dicht beieinander stehen, wachsen sie langsamer, werden anfälliger für Krankheiten – und junge Bäume haben kaum eine Chance.
„Wenn wir gezielt einzelne Bäume entnehmen, fördern wir die natürliche Verjüngung“, sagt von Graefe. So entsteht ein stabiler Mischwald mit Bäumen unterschiedlichen Alters – widerstandsfähiger gegen Stürme, Trockenheit und Hitze.
Holz nutzen – aber nachhaltig
Ein weiterer Aspekt ist der Rohstoff Holz. Holz ist regional, nachwachsend und vielseitig nutzbar – etwa im Bau, für Möbel oder als Energiequelle. Wir entnehmen nur so viel Holz, wie auch wieder nachwächst.“
Warum der Wald trotzdem nicht „sich selbst überlassen“ wird
Oft hört man den Wunsch, den Wald einfach in Ruhe zu lassen. Ein schöner Gedanke – aber in der Realität nicht immer sinnvoll. Unsere Wälder sind keine unberührte Wildnis, sondern über Jahrhunderte gewachsen und genutzt worden. Dazu kommen neue Herausforderungen wie Klimawandel, invasive Arten und längere Trockenperioden.
Gezielte Pflege hilft dem Wald, sich an diese Veränderungen anzupassen. Das Anzeichnen ist dabei eines der wichtigsten Werkzeuge.
Fazit
Anzeichnen bedeutet nicht Zerstörung, sondern vorausschauende Pflege. Es sorgt dafür, dass der Wald gesund bleibt, sich erneuern kann und auch in Zukunft ein Ort für Erholung, Artenvielfalt und nachhaltige Nutzung ist.
Oder anders gesagt: Jeder orange Punkt erzählt eine Geschichte – von Verantwortung, Erfahrung und einem Wald, der auch morgen noch leben soll.


Stadtoberförster Georg von Graefe prüft jeden Baum sorgfältig, bevor er angezeichnet wird.
Eichen spielen im Badener Wald eine wichtige Rolle: Sie sind robust gegenüber dem Klimawandel und bieten mit ihrer strukturreichen Rinde und Krone Lebensraum für viele Arten.
Bilder: Stadtforstamt