Umweltblog

Charlotte und die Füchse: eine Tiergeschichte aus der Langmatt

Tagsüber wird der vielfältige Park des Museums Langmatt von Menschen geschätzt. Nachts gehört er ganz den Tieren. Auch Füchse und Dachse streifen durch die Anlage. Wenn sie dabei Spuren hinterlassen, geniessen sie dennoch das Wohlwollen des Museums-Teams.

«Charlotte und die Füchse» – Einen so ansprechenden Betreff finde ich kaum je im Postfach der Stadtökologie. Die Mail dreht sich aber nicht um eine märchenhafte Kindergeschichte oder einen poetischen Weihnachtsfilm. Hinter dem geheimnisvollen Titel versteckt sich ein schönes Beispiel für das Zusammenleben von Menschen und Wildtieren in der Stadt. Charlotte – so heisst der Dachs, der sich im Park des Museums Langmatt häuslich eingerichtet hat.

Die Mail stammt von Rafael Scheurer, dem Museumstechniker. Sie enthält ein Dutzend Schwarzweissfotos, aufgenommen mit einer Wildtierkamera. Tags zuvor hat mir Rafael im spätherbstlichen Park über das heimliche Leben von Charlotte erzählt. Er ist dem nachtaktiven Tier zwar noch nie begegnet, aber anhand ihrer Spuren hat er sie dennoch kennengelernt.

Ein unsichtbares Wegnetz führt durch den Park

Den Tag verschläft Charlotte wohl im Bau mit der frischen Erde davor. Für Parkbesuchende unsichtbar, gut versteckt unter einer dichten Hecke. «Ich habe den Bau entdeckt, als ich einem Tierpfad gefolgt bin. Die Fotos zeigen nun, dass auch Füchse die Höhle besuchen», erklärt Rafael. Gut möglich, dass sie sich den Bau teilen, so wie es im Wald häufig vorkommt. Rafael ist offensichtlich fasziniert von den Park-Untermietern, obwohl er ihnen manchmal hinterherräumen muss. Während unseres Rundgangs zeigt er immer wieder auf unscheinbare Wegspuren im Laub, unauffällige Löcher in der Hecke und schmale Pfade entlang von Mauern: ein fast unsichtbares zweites Wegnetz legt sich über dasjenige der Menschen.

Rafael Scheurer

Rafael Scheurer weiss, dass dieser Bau im letzten Winter bewohnt war (Bild: Stadtökologie).

Charlotte und die Füchse verursachen eine gewisse Mehrarbeit

Mehrarbeit heisst in diesem Fall Spurenbeseitigung. Charlotte hinterlässt vor allem kleine und grössere Löcher im Rasen. Mit ihrer ausgezeichneten Nase spürt sie im gepflegten Grün Regenwürmer und Insektenlarven auf. Wo die Löcher das grüne Idyll stören, drückt Rafaels Schuh das Grasbüschel zurück an seinen Platz.

Regelmässig müssen auch Plastikverpackungen eingesammelt werden. Füchse bringen sie von ihren Streifzügen durchs Quartier mit. So ruhig wie im Park lässt sich’s eben nirgends fressen! Wühlspuren im Blumenbeet oder ausgebuddelte Tulpenzwiebeln beschäftigen manchmal auch die Gärtner des Werkhofs .

Immer wieder gilt es tierische Hinterlassenschaften von Gehwegen zu entfernen. Sie stammen meistens von Füchsen und Katzen. Charlotte ist in dieser Beziehung pflegeleicht: sie hat sich in einer abgelegenen Ecke des Parks eine Latrine eingerichtet.

Dachsspur

Auf der Suche nach Regenwürmern und Insektenlarven hinterlässt der Dachs zahlreiche Löcher im Rasen (Bild: Stadtökologie).

Mich freuts, dass sich im Park der Langmatt nicht nur Menschen, sondern auch Dachse und Füchse wohlfühlen. Ich finde, dass Wildtiere in der Stadt ihren Platz bekommen sollen. Den Mehraufwand bei der Parkreinigung nehme ich dafür in Kauf. Der Dank dafür sind interessante Einblicke in die Lebensweise der Tiere.

Rafael Scheurer

Museumstechniker, Museum Langmatt

Fuchs und Dachs werden im Langmatt-Park als Untermieter akzeptiert

Da drängt sich die Frage auf: Wars je ein Thema, den denkmalgeschützten Park fuchs- und dachsfrei zu machen? Rafael verneint: „Der Park des Museums Langmatt ist offenbar ein geeigneter Lebensraum für diese Tiere. Sie fernzuhalten, wäre kaum möglich, denn sie finden immer wieder ein neues Schlupfloch in den Park. Wir haben uns mit den Wildtieren arrangiert. Ihnen gehört der Park nachts, und den Menschen tagsüber.“

Die Wildtierkamera weckt das Interesse eines Langmatt-Fuchses.

Charlotte stöbert im Unterholz nach Essbarem.

06:30 Uhr: Während die Menschen erwachen, zieht sich Charlotte zum Schlafen zurück.

Charlotte verlässt um 21 Uhr ihren gut versteckten Bau.

Die Ranzzeit der Füchse dauert von Dezember bis Februar. Dann herrscht auch in der Langmatt Hochbetrieb.

Auch während ihrer Winterruhe ist Charlotte gelegentlich unterwegs.

Und wie ist Charlotte zu ihrem Namen gekommen? Als das Museums-Team im vergangenen Januar die ersten Nachtaufnahmen von „seinem“ Dachs erhielt, war klar: es muss eine Sie sein, und sie heisst Charlotte. Es ist aber gut möglich, dass die Fotos verschiedene Tiere zeigen. Dachse sind schliesslich ausgesprochen soziale Tiere.

Auch in Gärten ist Gelassenheit das wirksamste Mittel

In Badener Gärten sind Füchse und Dachse oft weniger willkommen als in der Langmatt. Ihre Präsenz löst oft Verärgerung oder Unsicherheit aus. Es gibt auch einige Tipps zu deren Abschreckung. Mehr dazu im Beitrag „Ein Dachs im Garten: Tipps zum Umgang“. Aber die Erfahrung zeigt: eine gewisse Gelassenheit gegenüber den anpassungsfähigen Wildtieren ist das wirksamste Mittel. Das Museum Langmatt ist ein schönes Beispiel dafür.

Vorschau: Wechselausstellung ab 1. März 2022

Nachttiere

1.März bis 11. Dezember 2022

Wer schleicht des Nachts durch den Museumspark, wenn es still wird und alle Besucher*innen gegangen sind? Die Fotofalle der Stadtökologie Baden fängt seit 2020 tierische Gäste wie Füchse, Dachse und Katzen ein.

Die besten Schnappschüsse zeigen wir monatlich wechselnd in der Veranda im Obergeschoss.

Mehr über uns: www.langmatt.ch

 

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