Winterschlaf ist eine beeindruckende Überlebensstrategie, um eisige Temperaturen und knappe Nahrung in der kalten Jahreszeit zu überstehen. Während Zugvögel gen Süden fliegen, andere Tiere Vorräte anlegen oder sich ein wärmendes Winterfell wachsen lassen, wählen Winterschläfer einen völlig anderen Weg: Sie versetzen ihren Körper monatelang in einen tiefen, energiesparenden Schlafzustand. Dabei werden alle lebenswichtigen Funktionen drastisch heruntergefahren – ein biologisches Meisterstück.

Der Siebenschläfer – der unangefochtene Langschläfer

Unter den Winterschläfern ist der Siebenschläfer ein echtes Extrembeispiel. Vom Oktober bis in den Mai hinein verbringt er in tiefem Schlaf. Dafür frisst er sich bereits bis zum Spätsommer ordentliche Fettreserven an und kann dabei sein Körpergewicht nahezu verdoppeln.

Wenn die Tage kürzer werden, macht sich der Siebenschläfer auf die Suche nach einem sicheren Winterquartier. Baum- und Felshöhlen, verborgene Nischen, leere Nistkästen, Erdlöcher oder sogar Laubhaufen können als Unterschlupf dienen. Oft gräbt er sich tief in die Erde ein, um perfekt vor Frost geschützt zu sein. In seiner kleinen Höhle rollt er sich dann zu einer dichten Kugel zusammen – so verliert er möglichst wenig Wärme.

Während des Winterschlafs läuft sein Körper auf Sparflamme: Die Körpertemperatur sinkt auf etwa fünf Grad Celsius, und statt rund 300 Herzschlägen pro Minute schlägt sein Herz nur noch etwa zehnmal. Erst Ende April oder Anfang Mai, nach kurzen Aufwärmphasen, erwacht der kleine Langschläfer wieder zum Leben.

Wie überlebt der Siebenschläfer so lange ohne Nahrung?

Auch wenn seine Körperfunktionen im Winterschlaf extrem reduziert sind, verbraucht der Siebenschläfer dennoch Energie – und das über viele Monate hinweg. Deshalb verliert er während des Winterschlafs bis zu der Hälfte seines Körpergewichts. Um das auszugleichen, muss er im Herbst möglichst viele Fettreserven anlegen.

Woher bekommt er seine Fettreserven?

Der Speiseplan des Siebenschläfers ist erstaunlich vielfältig: Er frisst Samen, Knospen, Früchte, Insekten, Vogeleier und sogar kleinere Vögel. Entscheidend für seine Wintertauglichkeit sind jedoch energiereiche Samen. “Buchennüssli”, Kastanien, Haselnüsse und Eicheln sind für den Siebenschläfer unverzichtbar, um genügend Winterspeck anzusetzen.

Ein Tier mit erstaunlichen Fähigkeiten

Besonders faszinierend ist die Fähigkeit des Siebenschläfers, die Nahrungsverfügbarkeit im kommenden Jahr „vorherzusehen“. Schon kurz nach dem Erwachen aus dem Winterschlaf kann er einschätzen, ob im Herbst viele oder wenige “Buchennüssli” zu erwarten sind. Ist die Blüte der Buchen im Frühjahr gering und deutet damit auf eine schlechte Ernte hin, handelt der Siebenschläfer pragmatisch: Er verzichtet im Extremfall komplett auf die Fortpflanzung und investiert seine Energie ausschließlich in den Aufbau von Fettreserven. In solchen Jahren hat das eigene Überleben Priorität.

Der Siebenschläfer überdauert die Wintermonate schlafend an einem geschützten Ort und kann erst wieder Anfang Mai beobachtet werden.

Foto:  pixabay

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