
Winterspaziergang an der Limmat
Kein Schnee, dafür Hochnebel – an der Limmat gibt’s auch bei mässig attraktivem Winterwetter viel zu entdecken. Ein abwechslungsreicher Spaziergang führt vom Kappelerhof zum Schulhausplatz Baden, durch einen vielfältigen Naturraum mitten im Siedlungsgebiet.
Meine kleine Flucht aus dem Alltag (Route) dauert 1 ¼ Stunden. Sie beginnt bei der Bushaltestelle Kapelle (RVBW-Bus 1 und 4). Die Direttissima hinunter zur Limmat führt über die Brisgistrasse und einen Trampelpfad durch die Brisgi-Wiese zum Limmatuferweg. Schon blitzt in der Tiefe das blaugrüne Wasser zwischen den kahlen Bäumen hindurch. Direkt am Ufer steht ein eindrücklicher Spechtbaum: die zahlreichen, kreisrunden Löcher verraten, dass in ihm schon manche Buntspecht-Familie gewohnt hat.


Akustisch ist die Stadt hier unten immer noch sehr präsent. Dennoch entfaltet die Natur sofort ihre Wirkung: Im wildwüchsigen Wald schaffen umgestürzte Bäume und dunkelgrüne Farne eine Urwaldstimmung. Auf dem stillen und tiefgründigen Fluss zieht ein Stockenten-Pärchen vorbei, der Erpel ein Prachtskerl mit grünschillerndem Kopf und leuchtendbrauner Brust.
Der Pfad führt zu einem der leuchtend grün bemoosten Wassergraben. Das Bächlein entspringt der Allmend, hoch über dem Kappelerhof, es ist der Stockmattgrabe.


Kurz vor dem Kraftwerk turnt ein Trüppchen Schwanzmeisen in einem Haselbusch. Rastlose Gesellen – schon sind sie einen Strauch weiter gezogen. Ich höre ungewohntes, kratzig-melodisches Gezwitscher. Wo sitzt der Sänger? Auf einem Stein im Wasser: eine Wasseramsel. Vor lauter Singen hat sie gar keine Zeit, nach Insektenlarven zu tauchen!


Beim Kraftwerk lohnt sich ein Blick auf die sprudelnde Fischtreppe; die Infotafel am Gebäude erklärt ihre Funktionsweise. Ich wechsle die Flussseite und folge dem Wanderweg. Der Pfad verläuft direkt am Wasser. Im Sommer ist der Kappisee von Schwimmfreudigen überlaufen; jetzt im Winter gehört die spiegelglatte Wasseroberfläche den Lachmöwen und Schwänen.


Von der hölzernen Plattform aus öffnet sich der Blick zur Obersiggenthaler Brücke. Ohne Hochnebel liesse sich hier wunderbar Wintersonne tanken! Weiter flussaufwärts haben Biber Spuren hinterlassen. Ohne die Gittermanschetten wären die zahlreichen Obstbäume entlang des Uferwegs ein gefundenes Fressen für die hungrigen Nager.


Nach dem Fussgängersteg folge ich nicht der gelben Beschilderung bergaufwärts, sondern dem schmalen Trampelpfad am Wasser. Fast schon abenteuerlich – aber die nahen Häuser erinnern daran, dass die Limmat hier mitten durchs Siedlungsgebiet fliesst. Der Chrüzliberg zeigt sich in ungewohnter Perspektive, und auf dem Wasser macht ein einsamer Gänsesäger Pause.


Beim Oederlin-Areal geht’s zurück in die Zivilisation. Für ein kurzes Stück führt kein Weg an der vielbefahrenen Landstrasse vorbei. Dafür gibt’s von hier aus die beste Aussicht auf die eindrückliche Bäder-Baustelle. Nach der Abzweigung in die Badstrasse lohnt sich ein (Durch)Blick in die hohlen Platanen – schön, dass diese Bäume so lange wie möglich erhalten bleiben!


Der Mercier-Steig führt auf die Badener Flussseite. Kalte Füsse? Einige Meter flussaufwärts lädt die Thermalbank zum wärmenden Fussbad ein, bei bester Aussicht auf den sprudelnden Fluss.
Der nächste Szenewechsel erfolgt an der Limmatpromenade. Schwer lassen die mächtigen Platanen lassen ihr Geäst übers Wasser hängen. Weiter flussaufwärts in der Altstadt angekommen nehme ich Abschied von der Limmat. Wobei – in der Kronengasse ist sie noch präsent: Das Kopfsteinpflaster besteht aus buntem Flussgeröll. Die verschiedenen Gesteine sind mit dem Gletscher bis nach Killwangen gereist und wurden dann von der Limmat nach Baden verfrachtet. Auf ihnen marschiere ich zur Unteren Halde. Oben auf dem Schulhausplatz tauche ich im Alltag wieder auf, erfrischt und bereichert.


Winterspaziergang Limmat
Vom Kappelerhof bis zum Schulhausplatz sind’s 4.6 km oder gemütliche 1 ¼ Stunden.
Der Weg zwischen Obersiggenthaler Brücke und Oederlin-Areal ist nicht geeignet für Sonntagsschuhe und Kinderwagen.
Offizielle Feuerstellen am Wasser hat’s ganz zu Beginn beim Brisgi und auf der Kappi-Insel.