Wasser fällt kostenlos vom Himmel – und verschwindet auf vielen Grundstücken direkt in der Kanalisation. Dabei lässt es sich oft einfach vor Ort nutzen oder im Boden zurückhalten. Baden Regio zeigt im Merkblatt verschiedene Lösungen, mit denen Privatpersonen Regenwasser sinnvoll einsetzen können. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Ansätze zusammen und zeigt, worauf in Baden zu achten ist. Für technische Details und Umsetzungshinweise wird bewusst auf das Merkblatt verwiesen.

Warum Wasser vor Ort halten?

Wenn Regenwasser auf dem eigenen Grundstück gesammelt, versickert oder zurückgehalten wird, entlastet das die Kanalisation und hilft dem natürlichen Wasserkreislauf. Gleichzeitig steht Wasser für den Garten zur Verfügung, ohne Trinkwasser zu verbrauchen. Gerade bei Starkregen zeigt sich der Vorteil solcher Massnahmen: Wasser wird verzögert abgegeben statt sofort abgeleitet.

Regenwasserspeicherung: Wasser vom Dach nutzen

regenwasser speicher
Regenwasserspeicher, Merkblatt Wasser Baden Regio

Regenwasserspeicher sammeln Niederschlagswasser von Dachflächen und stellen es für eine spätere Nutzung zur Verfügung. Das Merkblatt unterscheidet dabei zwischen einfachen und umfangreicheren Systemen.

  • Regentonne

Die bekannteste Lösung ist die Regentonne. Sie lässt sich einfach installieren und eignet sich besonders für kleinere Gärten oder Terrassen. Das gesammelte Wasser kann direkt zum Giessen genutzt werden.

  • Unterirdischer Regenwasserspeicher

Für grössere Gärten oder bei regelmässigem Wasserbedarf eignen sich unterirdische Tanks. Sie bieten viel Volumen, sind unauffällig und lassen sich gut in das Grundstück integrieren. Typische Tanks fassen zwischen 3 000 und 20 000 Litern. Das Regenwasser wird über das Fallrohr in den Tank geleitet, ein Überlauf sorgt dafür, dass bei starken Regenfällen überschüssiges Wasser sicher in die Versickerungsanlage oder die Kanalisation abgeleitet wird. Für die Nutzung im Garten wird das Wasser über eine Pumpe verteilt, beispielsweise zum Giessen von Beeten und Rasenflächen.

+ Extra Tipp: Ein zusätzlicher Schritt ist die Verwendung von Regenwasser im Haus. Damit lassen sich Waschmaschine oder WC-Spülungen betreiben, was den Trinkwasserverbrauch deutlich reduziert – laut Merkblatt können so etwa 40 % des Trinkwassers eingespart werden.

Wichtig beim Sammeln von Dachwasser: Regenwasser sollte direkt vom Dach aufgefangen werden. Fliesst das Wasser zuerst über Balkone oder Terrassen, kann es durch Schmutz, Pflanzgefässe oder Ablagerungen verunreinigt werden und ist für die Nutzung weniger geeignet.

Retentions- und Versickerungslösungen​

Versickerung, Quelle: Merkblatt Wasser Baden Regio

Regenwasser sollte, wann immer möglich, direkt auf dem Grundstück versickern oder zwischengespeichert werden. So wird der Wasserkreislauf gestärkt, die Kanalisation entlastet und das Trinkwasser geschont. Die Region Baden zeigt im Merkblatt, welche Lösungen sich für Privatgrundstücke eignen – vom einfachen Ansatz bis zu intensiveren Massnahmen.

  • Flächenversickerung

Die einfachste und kostengünstigste Lösung ist die flächenversickerung. Regenwasser von Dächern oder befestigten Flächen gelangt über humusierte Grünflächen direkt in den Boden.

+ Extra Tipp: Nicht unbedingt notwendige versiegelte Flächen können entsiegelt werden – das sogenannte „Asphaltknacken“. Dadurch kann Wasser wieder auf natürliche Weise versickern, ohne dass technische Anlagen nötig sind. Je weniger versiegelte Flächen ein Grundstück hat, desto mehr Wasser bleibt vor Ort im Boden.

  • Mulden

Bei grösseren Flächen wie Vorplätzen, Parkplätzen oder Dächern eignen sich Retentionsmulden. Das Wasser wird über Rinnen gesammelt und in eine Mulde geleitet, die die erwarteten Regenmengen zurückhält.

+ Extra Tipp: Eine naturnahe Mulde kann als Wechselfeuchtes Biotop gestaltet werden, mit sanfter Böschung, grosszügiger, natürlicher Form und ausgewählter Bepflanzung. So entsteht nicht nur ein funktionaler Wasserspeicher, sondern auch ein attraktiver Lebensraum für heimische Tiere und Pflanzen.

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EnergieGrünDach, Foto von Contec AG
  • Gründächer

Begrünte Dächer sind eine weitere Möglichkeit, Regenwasser zu speichern. Das Substrat hält Wasser zurück, zusätzliche Einstaudächer können überschüssiges Wasser aufnehmen. Gleichzeitig sorgt die Dachbegrünung dafür, dass mehr Wasser verdunstet – das kühlt Gebäude und Umgebung und verbessert das Mikroklima.

Ein Beispiel einer naturnahen Retentionsmulde. Foto von Jan Lobeau

Baubewilligung: kurz prüfen, bevor Sie starten

Nicht jede Massnahme ist automatisch bewilligungsfrei. Je nach Art, Grösse und Lage kann eine Baubewilligung erforderlich sein – zum Beispiel bei unterirdischen Speichern oder baulichen Eingriffen. Ein kurzer Check vor der Umsetzung spart Zeit und Aufwand.

Ob eine Massnahme bewilligungspflichtig ist, lässt sich auf der Website der Stadt Baden prüfen: baden.ch/baubewilligungspflicht

Garten umgestalten? Naturnah planen

Wer Regenwasser nutzt oder versickern lässt, denkt oft auch über eine Umgestaltung des Gartens nach. Die Stadt Baden stellt dazu Informationen zur naturnahen Umgebungsgestaltung bereit – von bepflanzten Flächen bis zu biodiversitätsfreundlichen Lösungen.

Weitere Anregungen finden Sie hier: baden.ch/siedlungsnatur

Fazit

Regenwassernutzung und Versickerung lassen sich auf vielen Grundstücken umsetzen – oft schrittweise und mit überschaubarem Aufwand. Ob Regentonne, Versickerungsfläche oder begrünter Garten: Jede Massnahme hilft, Trinkwasser zu sparen und den Wasserkreislauf vor Ort zu stärken.

+ Unser Tipp: Klein anfangen, gut informieren – und bei baulichen Massnahmen kurz prüfen, was bewilligungspflichtig ist. So wird Regenwasser vom Abfallprodukt zur wertvollen Ressource. 

Weitere Informationen

Baden Regio - Merkblatt

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