Klimatümpel – Mehr als eine Pfütze
Wer im Wald auf eine kleine Wasserstelle trifft, geht vielleicht achtlos daran vorbei. Dabei kann genau dort etwas entstehen, das für den Wald, für viele Tiere und auch für den Schutz von Wegen und Siedlungsrändern wichtig ist: ein Klimatümpel. Im Rahmen des vom Bund geförderten Projekts «Klimatümpel & Waldwasser» erstellt das Stadtforstamt Baden gezielt solche Tümpel im Wald. Sie sollen Wasser im Wald zurückhalten, Lebensräume schaffen und helfen, Schäden durch Starkregen zu vermindern.
Wasser im Wald halten
Der Grundgedanke ist einfach: Regenwasser soll nicht möglichst schnell über Wege und Böschungen abfliessen, sondern dort zurückgehalten werden, wo es gebraucht wird – im Wald. Wenn Wasser länger vor Ort bleibt, kann es besser im Waldboden versickern und gespeichert werden. Das hilft Bäumen und anderen Pflanzen vor allem in trockenen und heissen Zeiten. Grössere Wasserreserven machen den Wald widerstandsfähiger gegen Trockenheit und Hitzeperioden.
Gerade mit Blick auf den Klimawandel wird das immer wichtiger. Im Projektantrag wird festgehalten, dass häufigere Trockenperioden zu erwarten sind und dass das zurückgehaltene Wasser später von Pflanzen und Bäumen genutzt werden kann. So lassen sich Trockenphasen besser überbrücken und der Wald wird klimaresistenter.
Kleine Wasserstellen als Lebensraum
Klimatümpel sind aber nicht nur Wasserspeicher. Sie schaffen auch wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen, die auf feuchte oder wechselnasse Standorte angewiesen sind. Besonders Amphibien profitieren von solchen Kleinstrukturen. Für sie sind Tümpel, Feuchtstellen und kleine Wasserflächen wichtige Rückzugsorte. Auch andere Arten finden dort Nahrung, Schutz oder geeignete Bedingungen, um sich anzusiedeln.
Gerade weil feuchte Kleinlebensräume in vielen Landschaften seltener geworden sind, können solche Tümpel im Wald viel bewirken. Sie sind klein, aber ökologisch wertvoll.
Schutz für Waldstrassen und Siedlungsrand
Ein Klimatümpel erfüllt noch eine dritte Funktion: Er schützt Infrastruktur. Bei starken Niederschlägen fliesst Wasser oft über Waldstrassen ab. Das kann Wege beschädigen und in Waldrandbereichen die Kanalisation belasten. Die Tümpel werden deshalb gezielt an Stellen angelegt, an denen sie Wasser auffangen und in den Wald leiten können. So wird der Abfluss gebremst und das Wasser bleibt eher dort, wo es versickern kann.
Für Baden ist das besonders relevant, weil ein grosser Teil des Waldes oberhalb des Siedlungsgebiets an Hanglagen liegt. An mehreren Stellen fliesst bei Starkniederschlägen Wasser entlang von Waldstrassen Richtung Siedlungsgebiet ab. Mit den Tümpeln soll dieses Wasser gezielt zurückgehalten werden. Das kann Strassenschäden vermindern und Entwässerungssysteme in Waldnähe entlasten.
Wie das Projekt umgesetzt wird
Die Tümpel werden an ausgewählten Stellen entlang von Waldstrassen angelegt und haben jeweils eine Grösse von rund zwei Kubikmetern. Gebaut werden sie jeweils während der Vegetationspause zwischen November und Februar. Geplant sind 15 Tümpel pro Jahr über einen Zeitraum von vier Jahren, also insgesamt 60 Klimatümpel. Während der Starkniederschlagssaison werden die bestehenden Tümpel kontrolliert und bei Bedarf ausgebessert.
Der Projektstart ist auf November 2025 angesetzt, das Projektende auf September 2029. Finanziert wird es im Rahmen des Förderprogramms Adapt+ des Bundes. Mit diesem Beitrag kann die Hälfte der Gesamtkosten gedeckt werden.
Ein kleines Element mit grosser Wirkung
Klimatümpel sind keine spektakulären Bauwerke. Gerade das macht sie spannend. Mit vergleichsweise einfachen Mitteln erfüllen sie mehrere Aufgaben gleichzeitig: Sie helfen dem Wald, Wasser zu speichern. Sie fördern die Biodiversität. Und sie tragen dazu bei, Schäden durch rasch abfliessendes Wasser zu verringern.
Wer also im Wald künftig auf eine kleine Wasserstelle trifft, sieht vielleicht mehr als nur eine Pfütze. Es könnte ein bewusst angelegter Ort sein, der dem Wald hilft, besser mit Trockenheit, Hitze und Starkregen umzugehen.

Ein neu angelegter Klimatümpel im Badener Wald. Die kleine Wasserstelle hält Regenwasser im Wald zurück, schafft feuchte Lebensräume für Amphibien und andere Tiere und hilft, den Wald besser an Trockenheit und Starkregen anzupassen.
Bild: Stadtforstamt
Hinweis:
Unterstützt durch das Förderprogramm Adapt+ des Bundes.


