Endstation Gartenzaun: wie wir für Wildtiere Brücken bauen können
Wildtiere sind näher an uns, als man denkt. Oft streifen sie nachts unbemerkt durch Quartiere und suchen sich ihren Weg durch Gärten. Dabei sind sie auf vernetzte Lebensräume angewiesen. Doch genau hier stossen sie häufig auf Hindernisse: Gartenzäune oder Mauern können für viele Tierarten unüberwindbar sein.
Wildtierkorridore verbinden Lebensräume von Tierarten wie Reh oder Igel. Sie ermöglichen es ihnen, Nahrung zu finden, sich fortzupflanzen und neue Gebiete zu erschliessen. Ohne solche Verbindungen werden Lebensräume zerschnitten. Das hat Auswirkungen auf die gesamte Biodiversität.
Auch im Siedlungsraum sind diese Korridore entscheidend. Gerade in dicht besiedelten Gebieten kann es vorkommen, dass ein Reh vom Wald zu einer Wiese wechseln muss, etwa um ein Kitz zu setzen. Dabei ist es darauf angewiesen, Wohnquartiere durchqueren zu können und dass Privatgärten durchlässig sind.
Endstation Gartenzaun
Viele Gärten sind eingezäunt, um sie klar abzugrenzen. Das ist verständlich, schliesslich bieten Zäune Schutz und Privatsphäre. Doch für Wildtiere können dichte Zäune oder Mauern ein grosses Problem darstellen:
- Kleinsäuger wie Igel können nur Mauern von maximal 15 cm Höhe überwinden und finden darum immer weniger Nahrung, da sie nicht in Gärten gelangen
- Amphibien gelangen nicht zu ihren Gewässern und können ihren Laich nicht mehr absetzen
- Grössere Wildtiere wie Rehe finden keinen Durchgang durch Wohnquartiere und verlieren Lebensraum

Kleine Anpassung – grosse Wirkung
Es gibt eine gute Nachricht. Oft reichen gerade für Kleintiere bereits minime Veränderungen, um viel zu bewirken.
Durchgänge schaffen
Öffnungen im Zaun (10 bis 15 cm hoch) ermöglichen es Kleintieren wie Igeln oder Fröschen, durch den Zaun zu kommen. Ein kleiner Spalt zwischen Zaun und Boden kann ebenfalls bereits ausreichen, um vielen Tieren das Wandern zu erleichtern.
Barrieren reduzieren
Geschlossene Mauern oder durchgehende Sockel sind unüberwindbare Hindernisse. Mit kleinen Treppenstufen ist oft schon viel geholfen. Ziegelsteine vor niedrigen Mauern können Igel als Treppe nutzen. Bei hohen Mauern kann ein Loch gebohrt werden, um ein Durchkommen zu ermöglichen.
Hecken statt Zäune
Hecken sind oft die bessere Wahl als Zäune. Sie bieten neben Sichtschutz auch eine hohe Durchlässigkeit für Tiere. Zudem schaffen sie Lebensräume und sehen ansprechend aus. Besonders wertvoll sind strukturreiche Hecken mit verschiedenen einheimischen Gehölzen. Homogene Hecken aus einer einzigen dichtwachsenden Art hingegen wirken eher als Barriere.






Spezialfall Reh
Grössere Tiere wie das Reh bewegen sich etwas anders als Kleintiere. Sie nutzen keine kleinen Öffnungen im Zaun, sondern benötigen
- offene Bereiche
- niedrige Hindernisse
- durchlässige Strukturen wie Hecken
Aus diesen Gründen ist es besonders wichtig, dass Grundstücke nicht vollständig abgeschlossen sind. Sie wandern im Vergleich zu Kleintieren relativ schnell durch den Siedlungsraum und sind auf offene Durchgänge angewiesen.

Freiwillig, aber wirkungsvoll
Die Anpassungen im Garten sind freiwillig. Sie sind nicht aufwändig, können aber eine grosse Wirkung haben. Mit den kleinen Veränderungen wird der Garten nicht nur für Menschen wertvoll, sondern auch für Wildtiere.
Die Stadt Baden setzt sich aktiv für die Verbesserung der offiziellen Wildtierkorridore innerhalb des Siedlungsraumes ein. Der Richtplan Natur und Landschaft zeigt die Badener Wildwechsel auf. Um diese zu verbessern ist die Stadt Baden auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen. Wenn möglich bauen Sie bitte Zaunanlagen zugunsten vom Rehen und anderen Tieren zurück und ersetzen Sie diese durch eine durchlässige, einheimische Hecke.
Bei Fragen oder für eine Beratung steht der Bereich Klima und Umwelt () Ihnen gerne zur Verfügung.
Weitere Informationen und Links
Stadtwildtiere: Wildtierfreundlicher Garten
Igelzentrum: Merkblatt Igelfreundlicher Garten
Stadtwildtiere: Portrait Igel
Stadtwildtiere: Portrait Reh
fokus-n: Faktenblatt Wildhecke
Kanton Aargau: Ökologische Infrastruktur


