KVA 2030: Ein Generationenprojekt in Turgi
Die Kehrichtverwertungsanlage (KVA) Turgi am Standort Laufäcker in Turgi ist seit über einem halben Jahrhundert ein zentraler Pfeiler der regionalen Abfallentsorgung. Sie verwertet nicht nur den Kehricht der 62 Ostaargauer Gemeinden, denen die Anlage gehört, sondern ist auch für ansässige Gewerbe- und Industriebetriebe sowie für den Landkreis Waldshut eine zuverlässige Partnerin. Aus der Energie, die in den rund 120’000 Tonnen jährlich verwertete Abfallmenge enthalten ist, produziert sie Fernwärme für die lokalen Fernwärmegesellschaften Fernwärme Siggenthal AG und Regionalwerke AG Baden sowie Strom zur Einspeisung ins Stromnetz.
Um die langfristige Ent- und Versorgungssicherheit zu gewährleisten, ist nun eine grundlegende Erneuerung der 1971 in Betrieb gegangenen Anlage erforderlich. Genau hier setzt das Projekt KVA 2030 an.
Warum es die Erneuerung braucht
Das letzte grosse Erneuerungsprojekt der KVA Turgi fand in den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts statt. Die Anlage ist entsprechend fast vollständig abgeschrieben, und die allermeisten Komponenten sind stark erneuerungsbedürftig.
Eine «rollende» Modernisierung wäre zwar prinzipiell möglich, brächte jedoch grosse betriebliche Risiken mit sich und würde die Möglichkeit, grundsätzliche Verbesserungen vorzunehmen – z. B. in den Bereichen Arbeitssicherheit und Energienutzung – stark einschränken.
Von der Machbarkeit zur konkreten Planung
Vor dem Entscheid für eine Erneuerung wurden verschiedene Optionen geprüft. Dazu gehörten Kooperationslösungen mit den Nachbaranlagen Limeco in Dietikon und der KVA Buchs. Diese wurden jedoch aus verschiedenen Gründen verworfen, sodass die Erneuerung am Standort Turgi wieder in den Fokus rückte.
Eine vertiefte Machbarkeitsstudie in den Jahren 2022/23 untersuchte dann unterschiedliche Erneuerungsvarianten am bestehende Standort, bestätigte die Machbarkeit und lieferte die Grundlage für die weiteren Schritte.
Verschiedene Meilensteine wurden seither erreicht. Zunächst fällte die Abgeordnetenversammlung im September 2023 einstimmig den Entscheid zur Weiterverfolgung der “Bestvariante” gemäss Machbarkeitsstudie und bewilligte den für die Planung erforderlichen Projektierungskredit. Die Variante besticht durch die Tatsache, dass die Bestandsanlage während nahezu der ganzen Bauzeit weiterbetrieben werden kann. Dies ist nicht nur ökonomisch von Vorteil, indem die Erträge aus Kehrichtanlieferungen und dem Energieverkauf weiterfliessen. Auch ökologisch macht eine Staffelung von Neubau und Rückbau Sinn, weil der Abfall aus der Region nicht in weiter weg gelegene KVAs transportiert werden muss.
Im Rahmen des Vorprojekts konnten dann wichtige baurechtliche Grundsatzfragen – vom Erneuerungsprojekt sind zwei gemäss Bau- und Nutzungsordnung geschützte Hecken betroffen – positiv beantwortet werden. Andererseits konnte sich die KVA Turgi mit dem benachbarten Abwasserverband über eine Landabtretung einigen. Der zusätzliche Platz ist zwingend nötig, um die “Bestvariante” realisieren zu können.
Zuletzt konnte das Vorprojekt abgeschlossen werden. Dieses wurde gegenüber der “Bestvariante” nochmals massgeblich optimiert. Zudem sind im Vorprojekt keine grundsätzlichen Widersprüche zu den baurechtlichen Vorgaben mehr erkennbar.




Vom Vorprojekt zur realisierten Anlage
Grossprojekte dieser Art brauchen einen langen Atem. Bis voraussichtlich im Jahr 2030 die grossen Bagger für den Baugrubenaushub auffahren können, ist noch viel zu tun.
Aktuell läuft z. B. eine Ideenstudie mit mehreren beteiligten Architekturteams, die eine optimale städtebauliche und landschaftsarchitektonische Einbettung der neuen KVA anstrebt und noch 2026 abgeschlossen werden soll. Dabei kann sich auch eine Begleitgruppe mit Vertretern der Quartiere Turgi, Kappelerhof sowie den Gemeinden Ober- und Untersiggenthal zu den Entwürfen äussern.
Parallel dazu wird die zu realisierende Verfahrenstechnik weiter verfeinert, und es wird ein vorgezogenes Werkleitungsprojekt erarbeitet, damit die später folgenden Hauptbauarbeiten möglichst reibungslos vonstatten gehen können. Zudem werden auch die Beschaffungen vorbereitet, und mit den Bewilligungsbehörden sowie mit den Interessenverbänden wird ein Dialog geführt, um deren Anforderungen frühzeitig in die Planung einfliessen lassen zu können. Um eine möglichst hohe Planungssicherheit zu erreichen, streben die Verantwortlichen zudem eine Festsetzung der KVA Turgi im kantonalen Richtplan an.
Mit der Integration der Siegeridee aus der Ideenstudie kann das Bauprojekt ab Ende 2026 fertig ausgearbeitet und ca. per Ende 2027 die Baugenehmigung beantragt werden. Dann verlagert sich der Fokus auf die Finanzierung, die Beschaffung der Lieferleistungen sowie die detaillierte Ausarbeitung der Bauarbeiten im Zusammenspiel von Bauherrschaft, Planerteam und Lieferanten.
Läuft alles nach Plan, wird die kompletterneuerte KVA Turgi per Heizperiode 2033/34 ihren Betrieb aufnehmen. Darauf folgt der Rückbau der bestehenden Anlage, um Platz für zukünftige Projekte wie z. B. die voraussichtlich geforderte CO2-Abscheidung zu schaffen.

Weitere Informationen zum Projekt KVA 2030
Grosse Umwelt und Infrastrukturprojekte sind keine reinen Ingenieuraufgaben. Sie brauchen Dialog, Transparenz und eine gut nachvollziehbare Begründung – insbesondere, wenn sie durch Gebühren finanziert und öffentlich-rechtlich getragen werden. Diesem Beitrag werden deshalb weitere folgen, in denen wir über relevante Themen wie die Energienutzung, die Aussengestaltung, den Realisierungskredit oder den Bauablauf informieren.
Sie möchten mehr zum Projekt KVA 2030 erfahren? Besuchen Sie die Projektwebseite 2030.kvaturgi.ch. Hier finden Sie zusätzliche Informationen zum Projekt, zur Projektorganisation und zu den oben erwähnten Meilensteinen.
Zudem führt die KVA Turgi auf Anfrage Führungen und Veranstaltungen für interessierte Kreise durch.
Haben wir Ihr Interesse geweckt? Nehmen Sie mit uns Kontakt auf.
Ein Gastbeitrag von Martin Theiler, Geschäftsführer der KVA Turgi