Umweltblog

Die Langmatt fördert Biodiversität mit Aufwertungen

Auch in denkmalgeschützten Gartenanlagen gibt es viele Möglichkeiten zur Förderung der Biodiversität. Der Langmatt-Park wurde in den letzten Monaten weiter aufgewertet zugunsten einer vielfältigen Stadtnatur.

Der Impuls kam von Dr. Markus Stegmann, dem Direktor des Museums Langmatt: wenn in Privatgärten Biodiversitätsförderung „in“ ist, zum Beispiel dank der SRF-Kampagne Mission B, sollte das auch in der historischen Anlage der Villa Langmatt möglich sein. Das liess sich die Stadtökologie nicht zweimal fragen! Zusammen mit dem Werkhof, der die Anlage pflegt, entwickelte sie verschiedene Vorschläge zu deren ökologischen Aufwertung. Die Bedingungen waren: jede Massnahme muss den hohen ästhetischen und historischen Ansprüchen des Denkmalschutzes standhalten und kostengünstig sein. Ausserdem sollen Eventflächen frei nutzbar bleiben.

Im Langmatt-Park ist schon lange viel Natur drin

Millimeterkurzer Rasen, in Form getrimmte Hecken und strenge Symmetrien mögen das Misstrauen im Naturschützer wecken. Wo bitte darf sich die Natur hier entfalten? Auf einem Spaziergang durch die Anlage offenbart sich ihr Naturwert aber schnell. Die meisten Gehölze sind einheimisch und bieten darum optimale Lebensbedingungen für Tiere. Durch das Alter und die Grösse der Anlage, vor allem ihrer Bäume, sind zahlreiche Lebensräume und Nischen entstanden. Die vielen Linden sind besonders attraktiv für Bienen und andere Insekten, und damit auch für Vögel. Blumenwiesen kompensieren den artenarmen, aber intensiv genutzten englischen Rasen direkt vor der Villa. Hinter dem Treibhaus stehen mehrere schöne Obstbäume. Die Fassadenbegrünung der Villa bietet Vögeln Unterschlupf und Nahrung. Vielfältige Staudenpflanzungen ergänzen die intensiv gepflegten, historischen Rosenbeete. Hier sind zwar viele nicht-einheimische Pflanzenarten drin, aber als Nektar- und Pollenspender für Insekten sind sie dennoch wertvoll. Die Dachbegrünung der Garage ist spontan entstanden. Und im Sommer 2019 hat eine Schulklasse mehrere Wildbienenhotels im Bereich der Blumenwiesen aufgestellt.

Der Werkhof pflegt den Park seit Jahren naturnah: Der alte Baumbestand wird umsichtig gepflegt und erhalten. Muss ein Baum aus Sicherheitsgründen entfernt werden, wird er ersetzt. Die Wiesenflächen werden nur zweimal im Jahr gemäht. Die alten, zünslergeplagten Buchsbäume werden mit biologischem Spritzmittel  geschützt.

Die biologische Vielfalt trägt viel zum Charme der kulturhistorisch geschützten Anlage bei.

Akelei und Hasenglöckchen werden von Hummeln rege besucht.

Mitte Mai blühen lila Witwenblumen in der Wiese beim Badehaus.

Kirschen- und Apfelbäume wachsen hinter dem Treibhaus.

Mit Strukturen die Biodiversität fördern

So viel Naturfreundlichkeit ist schon mal gut, und nun durfte es no „es bitzli meh“  sein! Nach einem Rundgang mit dem Werkhof und dem NAVO unterbreitete die Stadtökologie dem Museum Langmatt einen kleinen Massnahmenkatalog. Dieser fand sofort Anklang. Mit dem OK des Denkmalschutzes machte sich der Werkhof anfangs 2020 an die Arbeit.

Nistkästen für Vögel, Hasel- und Fledermäuse
Elf Nistkästen für Vögel, einer für Fledermäuse und einer für Haselmäuse hängen seit kurzem an Gebäuden und Bäumen in der Langmatt. Die Auswahl getroffen hat Diana Briel vom NAVO, ausgezeichnet beraten von Herrn Gäumann (Küpfer Gäumann Gartenmaschinen), vielen Dank! Die Kästen des deutschen Produzenten Schwegler sind aus Holzbeton und bewähren sich seit Jahren. Je nach Bauart ziehen andere Mieter ein. Der Hausrotschwanz mag Halbhöhlen an Fassaden, die Blaumeise kleinere Eingänge als der Star, der Baumläufer will auf Tuchfühlung bleiben mit dem Baumstamm… Details zu den verschiedenen Modellen finden sich auf der Beschilderung im Park. Diese folgt in den nächsten Wochen.

Einer von 11 Nistkästen in der Langmatt.

Asthaufen
Kleiner Aufwand – grosse Wirkung: Asthaufen werten den Park für viele Tiere auf. Igel verschlafen darin den Winter, der Zaunkönig baut hier sein Nest, und Blindschleichen machen Jagd nach Kleinlebewesen. Das Baumaterial stammt natürlich aus der Gehölzpflege des Parks und ist gratis. In den Randbereichen der Anlage fallen die wilden Haufen kaum auf und stören auch optisch niemanden.

Asthaufen geben vielen Tieren Unterschlupf.

Sumpfbeet
Breitblättrige Rohrkolben, Gelbe Schwertlilien, Sumpf-Hahnenfuss und Blutweiderich sind typische Sumpfpflanzen des Schweizer Mittellands. Die ehemalige Zisterne wird heute nicht mehr fürs Sammeln von Giesswasser verwendet. Mit den einheimischen Stauden wird sie zum wertvollen Lebensraum für zahlreiche Insekten. Das Becken hat keinen Abfluss, je nach Niederschlag ist das Beet sumpfig oder fast trocken.

Frisch gepflanzt noch unspektakulär; Geduld bringt hier nicht Rosen, sondern stattliche Rohrkolben.

Wildblumenwiese
Das Verwalterhaus und sein Garten steht nicht unter Denkmalschutz. Der kurzgeschnittene, artenarme Rasen wurde auch nicht für Events genutzt. Das ökologische Potenzial an diesem gut besonnten Ort durfte darum ausgeschöpft werden, und es war ein „gröberer“ Eingriff möglich. Das Ziel ist eine artenreiche, trockene Wildblumenwiese, die nur noch zweimal pro Jahr gemäht wird. Also ein vielfältiger und bunter Lebensraum für Schmetterlinge, Käfer, Bienen und viele andere Kleintiere. Diese wiederum sind Nahrungsgrundlage für Vögel und Fledermäuse.

Ziersträucher, Steinplatten, Rasen und Humus wurden mit dem Kleinbagger entfernt. Je weniger Nährstoffe im Boden sind, umso grösser ist die Vielfalt. Darum wurde vor der Ansaat auch noch magerer Rohboden zugeführt. Was es jetzt noch braucht, ist viel Geduld. Eine Blumenwiese entwickelt sich langsam, es ist kein Instant-Grün wie Rollrasen. Sie blüht erstmals nach einer Überwinterung. Deshalb sieht jede Neuanlage im Aussaatjahr karg und kümmerlich aus. Das ist einfach so.

Zur Ausmagerung wurde Humus ab- und Kies zugeführt (Bild: Silla Gröbly, Langmatt)

Fassadenbegrünung am Verwalterhaus
Gegen die Begrünung des historischen Gärtnerhauses legte der Denkmalschutz das Veto ein. Dafür wird das Verwalterhaus grün. Mit der schnellwachsenden, im Herbst rotleuchtenden Jungfernrebe (Parthenocissus tricuspidata) hat der Werkhof gute Erfahrungen gemacht. Sie ist zwar nicht einheimisch, aber die Vögel mögen ihre Beeren und finden Unterschlupf darin, genauso wie viele Insekten und Spinnen.

Jungfernreben begrünen das Verwalterhaus.

Vogelschutz an Fenstern
Die grosse Fenster des Verwalterhauses sind gefährlich für Vögel, weil sich die grüne Umgebung darin spiegelt. Die von Birdlife Schweiz empfohlenen Kleber machen sie besser sichtbar und reduzieren tödliche Kollisionen.

Kleber an den spiegelnden Scheiben verhindern tote Vögel.

Neues Wildstaudenbeet im September 2020
Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften testet in der Langmatt eine neue, 100% einheimische Stauden-Mischung. Diese soll Ästhetik und Biodiversitätsförderung miteinander verbinden. Das 100 Quadratmeter grosse Beet wird im September 2020 vis-à-vis der Bienenhotels angelegt und dessen Pflege bis 2023 wissenschaftlich begleitet. Wie entwickeln sich Flora und Fauna? Wie aufwändig ist der Unterhalt? Und überzeugt es gestalterisch? Diese Fragen wird der Versuch beantworten.

Hier wird im September 2020 ein neues Wildstaudenbeet angelegt.

Gut Ding will Weile haben
Es hat sich in den letzten Monaten einiges getan in Sachen Biodiversität in der Langmatt. Nistkästen und Asthaufen zeigen sofort Wirkung.  Aber die Blumenwiese und das Sumpfbeet geben kurz nach der Anlage noch nicht viel her. Sie brauchen noch einige Zeit zur Entwicklung. Das mag die Geduld der Parkbesucherinnen und -besucher auf die Probe stellen. 100 Jahre brauchten die prächtigen Bäume der Langmatt – was sind da schon zwei oder drei Jahre für eine üppige Blütenpracht?

Achten Sie bei ihrem nächsten Besuch in der Langmatt einmal besonders auf die Natur. Was blüht in den Wiesen? Welche Insekten besuchen die Staudenbeete? Welche Nistkästen sind bewohnt? Was regt sich in den neu angelegten Pflanzungen und der Ansaat? Wir freuen uns auf Ihre Eindrücke und Kommentare!

Parkführung zur Biodiversität der Langmatt

Die Stadtökologie lädt Sie ein zu einem biodiversen Rundgang im Langmatt-Park, am Mittwoch 9. September 2020, 12:15-13:00 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos. Weitere Infos folgen in der Agenda des Umweltblogs.

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