Der Waschbär ist los – Sichtungen bitte melden
Der Kleinbär mit der Maske breitet sich in der Schweiz zunehmend aus. Der Waschbär (Procyon lotor) ist zwar schon seit 1976 in der Schweiz, sein Bestand nimmt aber gerade in den letzten Jahren exponentiell zu. Er wurde durch uns Menschen eingeschleppt und gilt darum als gebietsfremde Art (Neozoon). Sein Einfluss auf unsere Flora und Fauna ist gross, denn als Allesfresser hat er es faustdick hinter seinen flauschigen Ohren. Der Waschbär ist äusserst gut an das Zusammenleben mit dem Menschen angepasst. Um die aktuelle Verbreitung zu ermitteln, ist die Stadt Baden auf Meldungen im Gemeindegebiet angewiesen.
Der Waschbär ist gekommen, um zu bleiben. Ursprünglich erstreckt sich sein Lebensraum von Panama bis in den Süden Kanadas. Er wurde im vergangenen Jahrtausend gezielt in Deutschland ausgesetzt oder ist aus Pelztierfarmen entwichen. Seit 2016 ist er auf der “Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung” der EU. Der anpassungsfähige Kleinbär kann eine grosse Zahl an Lebensräumen besiedeln und konnte bereits neben dem Mittelland und dem Jura auch in den Alpen und Voralpen nachgewiesen werden.

Nachweise Kanton Aargau
Die meisten Nachweise im Kanton sind von Verkehrsunfällen, Zufallssichtungen oder von Fotofallenmonitorings. Die kantonale Jagdstatistik spiegelt ein ungefähres Bild der Zunahme des Waschbären in den letzten Jahren. Während 2023 noch 6 Waschbären erlegt beziehungsweise überfahren wurden, waren es 2024 bereits 39. Das entspricht einem Zuwachs von 550%.
Bedeutung für das Ökosystem
Trotz seines unschuldigen Aussehens dürfen die Auswirkungen, die der Waschbär auf die einheimische Flora und vor allem Fauna hat nicht unterschätzt werden. Er hat hier in der Schweiz kaum natürliche Feinde. Als opportunistischer Allesfresser hat er neben Früchten, Blättern und Getreide auch Insekten, Amphibien, Fische, Vögel und deren Eier auf seinem Speiseplan. Gerade für letzteres hat er eine grosse Vorliebe. Für viele bodenbrütende Arten wie Kiebitz, Rotkehlchen, Feldlerche oder Waldschnepfe könnte das zu einem Problem werden, da die Bestände aufgrund landwirtschaftlicher Einflüsse, fehlender Lebensräume und Rückzugsorte bereits unter Druck stehen.
Der Waschbär ist sehr anpassungsfähig und kommt auch sehr gut mit dem Menschen klar. Als Kulturfolger profitiert er vom Menschen und findet in Gärten und rund ums Haus passende Nahrung. Deshalb gilt es folgende Dinge zu beachten:
- Müllsäcke und Kompost in einem geschlossenen Container raus stellen und mindestens einen halben Meter vom Zaun entfernt aufstellen
- Waschbären nicht füttern (Gewöhnung an den Menschen)
- Katzenklappen nicht unnötig offen lassen
- kein Hunde- oder Katzenfutter im Garten stehen lassen
- Zugang zu Dachboden oder anderen potenziellen Unterschlüpfen verhindern
- Vogelnistkästen waschbärsicher machen (gut befestigen, freihängend, nicht leicht zu öffnen)

Sichtungen bitte melden
Um ein besseres Bild zu bekommen, was im Kanton Aargau eigentlich alles lebt, hat der Verein StadtNatur das Projekt “Wilde Nachbarn Aargau” ins Leben gerufen. Es soll dank den Beobachtungsmeldungen aus der Bevölkerung das Vorkommen der Wildtiere im Siedlungsraum erforschen, erlebbar machen und fördern.
Auch die Sichtungen von Waschbären kann über diesen Kanal gemeldet werden.


