
Erste Schritte in Richtung Mittelwald
Mittelwälder sind vielseitig und dynamisch. Sie gehören zu den artenreichsten Wäldern bei uns. In Baden soll ein Stück Wald wieder nach dieser historischen Art und Weise bewirtschaftet werden.
Wer in den letzten Tagen die Sonnenbergstrasse entlangspaziert ist, hat gesehen, dass unterhalb der Strasse ein Holzschlag durchgeführt wird. Es mag verwundern, dass dieser doch beachtliche Eingriff für den Naturschutz gemacht wird. Es ist der erste Holzschlag, der dazu beiträgt, zwischen Sonnenbergstrasse und Meierhof Quartier über mehrere Jahrzehnte ein Mittelwald entstehen zu lassen.

Der Mittelwald ist eine historische Form der Waldbewirtschaftung, die im Hochmittelalter entstand und in der Schweiz Jahrhunderte lang praktiziert wurde. Durch die Industrialisierung sind die Mittelwälder heute fast verschwunden. Sie gewinnen aktuell aufgrund ihrer Vielseitigkeit und ihres hohen ökologischen Werts wieder an Bedeutung.
Ein zweischichtiger Wald für Bau- und Brennholz
Ein Mittelwald besteht aus zwei Schichten: einer Oberschicht mit vereinzelten dicken Bäumen und einer Unterschicht aus Stockausschlägen – der sogenannte Hauschicht. Die einzelnen dicken Bäume der Oberschicht bleiben oft mehr als 150 Jahre stehen, werden als Bauholz genutzt und dienen als Samenlieferanten. Die grossen, alten Eichen im Badener Wald sind oftmals noch Zeitzeuginnen dieser früheren Bewirtschaftung. Die Hauschicht hingegen wird etwa alle 20 bis 30 Jahre „auf den Stock gesetzt“ und als Brennholz verwendet. Diese Dynamik zeichnet Mittelwälder aus.

Um den Wald unterhalb der Sonnenbergstrasse in einen Mittelwald zu überführen, wird der Baumbestand „aufgelichtet“. Es kommt nun mehr Licht auf den Boden, wodurch sich eine Hauschicht entwickeln kann. Schon heute stehen in diesem Waldstück einige grössere Bäume, die sich gut für die Oberschicht eignen.

Mittelwälder sind sehr artenreich
Mittelwälder gehören zu unseren artenreichsten Wäldern. Durch die locker stehenden hohen Bäume sind sie heller und wärmer als andere Wälder. Davon profitieren insbesondere licht- und wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten.

Mit dem Holzschlag werden die ersten Schritte in Richtung eines Mittelwaldes eingeleitet. Damit entsteht ein zusätzlicher Lebensraum im Sonderwaldreservat Sonnenberg, das sich mit seinen 55 Hektaren von der Allmend bis in die Baldegg erstreckt. Das Reservat Sonnenberg zeichnet sich durch ein Miteinander von hellen, warmen und trockenen Standorten aus, wo spezielle Tier- und Pflanzenarten vorkommen. Da passt ein Mittelwald wunderbar dazu. Dieses vielfältige Lebensraummosaik wird durch den Ökosponsor Eglin Group sowie den Kanton Aargau unterstützt.
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Beitragsbild: Waldlabor Zürich, Andreas Bernasconi