Alte Gäste im Badener Wald
Was gebietsfremde Baumarten zur Klimaanpassung beitragen können.
Der Badener Wald verändert sich. Steigende Temperaturen, häufigere Sommertrockenheit und neue Belastungen setzen vielen heimischen Baumarten zu. Besonders Fichte und Buche, die heute noch einen grossen Teil unserer Wälder prägen, geraten zunehmend unter Druck. Sie werden nicht vollständig verschwinden, doch ihre Rolle im Wald dürfte in Zukunft kleiner werden.
Damit der Wald weiterhin Holz liefert, CO₂ speichert, Lebensraum für Tiere und Pflanzen bietet, das lokale Klima reguliert und als Erholungsraum erhalten bleibt, braucht es eine grössere Vielfalt an Baumarten. Eine spannende Frage lautet deshalb: Welche Arten können künftig einen Beitrag zu einem stabilen, widerstandsfähigen Wald leisten?
Im Rahmen eines Projekts wurden im Badener Wald sechs sogenannte alte Gastbaumarten untersucht. Diese gebietsfremden Baumarten wachsen teilweise bereits seit vielen Jahrzehnten hier. Nun wurde geprüft, wie gesund sie sind, ob sie sich selbstständig verjüngen und wie gut sie sich in den Wald integriert haben.
Baumarten mit Geschichte
Bereits ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in Baden fremdländische Baumarten gepflanzt. Damals standen meist die Holzproduktion oder die Freude an exotischen Bäumen im Vordergrund. Manche dieser Arten sollten auch als besondere Blickfänge für Waldbesucherinnen und Waldbesucher dienen.
Heute erhalten diese alten Pflanzungen eine neue Bedeutung. Viele der damaligen Gastbaumarten gelten als vergleichsweise trockenheits- oder hitzetolerant und könnten deshalb für die Anpassung des Waldes an den Klimawandel interessant sein.
Der grosse Vorteil: Während neue Versuchspflanzungen oft Jahrzehnte brauchen, bis verlässliche Aussagen möglich sind, liefern diese alten Bestände bereits heute wertvolle Hinweise. Man kann beobachten, welche Arten sich bewährt haben, welche sich selbstständig verbreiten und welche eher zurückhaltend behandelt werden sollten.
Was die Untersuchung gezeigt hat
Douglasie
Die Douglasie wächst im Badener Wald gut und vermehrt sich selbstständig. An einigen Standorten ist sie bereits eine prägende Baumart. Da sie als klimatisch robust gilt und es klare Fördermassnahmen gibt, wird sie auch weiterhin gezielt unterstützt.
Mammutbaum
Mammutbäume kommen im Badener Wald an mehreren Orten in grösserer Zahl vor. Allerdings ist noch unklar, wie gut sie langfristig mit dem Klimawandel zurechtkommen und ob sie sich ausreichend selbstständig vermehren können. Deshalb werden sie derzeit nicht aktiv gefördert.
Thuja
Die Thuja ist nur vereinzelt im Wald zu finden. Da offen ist, ob sie unter künftigen Klimabedingungen genügend widerstandsfähig ist und ob sie sich natürlich verjüngen kann, wird sie nicht gezielt gefördert.
Weymouthsföhre
Auch die Weymouthsföhre kommt nur vereinzelt vor. Sie gilt jedoch als klimaresistent und kann sich selbstständig verbreiten. Deshalb wird sie bereits gefördert. Gleichzeitig bleibt ihre Entwicklung im Blick, da sie in Deutschland als potenziell invasiv eingeschätzt wird.
Schwarzföhre
Die Schwarzföhre kommt natürlicherweise in Europa vor und ist gut an Hitze und Trockenheit angepasst. Trotz dieser vielversprechenden Eigenschaften sind die untersuchten Vorkommen in Baden bisher eher spärlich. Die bekannten Bestände werden weiter beobachtet; einzelne Bäume können bei Bedarf gepflegt und gefördert werden.
Grosse Küstentanne
Die Grosse Küstentanne galt lange als vielversprechende Baumart. Doch im Alter von rund 40 Jahren starben viele Bäume durch Pilzbefall ab. Gesund wirkende ältere Bäume werden deshalb geschützt und weiter beobachtet. Auch junge Bäume werden vereinzelt gefördert – in der Hoffnung, dass sie widerstandsfähiger gegenüber dem Pilz sind.
Vielfalt als Zukunftsstrategie
Die Untersuchung zeigt: Nicht jede Gastbaumart eignet sich automatisch für die Zukunft des Waldes. Entscheidend ist, ob eine Art gesund bleibt, sich in das Waldökosystem einfügt und sich kontrolliert verjüngen kann.
Geeignete Arten können künftig bewusst in das Waldbaukonzept aufgenommen und gezielt gefördert werden. Weniger geeignete Arten werden nicht entfernt, aber auch nicht aktiv unterstützt.
So liefern die alten Gäste im Badener Wald wertvolle Hinweise für die Waldentwicklung von morgen. Sie helfen dabei, den Wald Schritt für Schritt widerstandsfähiger zu machen – vielfältiger, stabiler und besser vorbereitet auf die Folgen des Klimawandels.
Bilder: Stadtforstamt


Abbildung 1: Ein mächtiger Mammutbaum. Über den ganzen Wald verteilt gibt es kleine Gruppen der Bäume. Durch ihr Grösse und Borke können die Bäume leicht erkannt werden.
Abbildung 2: Die Douglasie ist eine der häufigsten Gastbaumarten. An einigen Standorten kann die natürliche Verjüngung der Bäume in der direkten Umgebung des Baustammes beobachtet werden.


