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Biodiversität im Alltag: 5 Tipps

Die Abnahme der Biodiversität ist besorgniserregend. Was kann eine Einzelperson daran ändern? Einiges! Mit wenigen Veränderungen beim Einkaufen, auf dem Balkon und im Garten können alle etwas gegen das Artensterben tun.

Hier sind die 5 wichtigsten Tipps auf einen Blick:

  1. Die Vielfalt saisonaler Gemüse- und Obstsorten geniessen, dafür weniger Fleisch und Fisch
  2. Beim Einkauf auf naturfreundliche Labels achten und nichts verschwenden
  3. Einheimische Pflanzen für Wildbiene & Co auf dem Balkon und im Garten
  4. Schädlinge und Unkraut tolerieren oder giftfrei im Zaum halten
  5. Wilde Ecken schaffen, wo sich die Stadtnatur frei entwickeln darf

1. Die Vielfalt saisonaler Gemüse- und Obstsorten geniessen, dafür weniger Fleisch und Fisch

Die Fleischproduktion ist vor allem durch den hohen Flächenverbrauch der Futterproduktion schlecht für die Biodiversität. Diese Flächen gehen als Lebensräume verloren, da Futtermittel wie Soja und Mais oft in intensiven Monokulturen angebaut werden. Das ist nicht nur auf anderen Kontinenten so, wo teilweise Regenwald abgeholzt wird, um Felder zu gewinnen. Bei uns können wir im Sommer auch zahlreiche Maisfelder sehen, die der Futterproduktion dienen. Einzig in den Bergregionen trägt die Fleisch- und Milchproduktion auch zur Erhaltung der Biodiversität bei. Das Beweiden der artenreichen Alpweiden verhindert deren Verwaldung.

30% der Erdoberfläche wird für die Fleischproduktion genutzt (Bild: Werkzeugkasten Umwelt).

Beim Fisch sieht es schlecht aus. Heute sind bereits ein Drittel aller Fischbestände überfischt und im Mittelmeer sind es sogar 93%. Zusätzlich gefährdert die industrielle Fischerei auch andere Arten, die als Beifang in die Schleppnetze gelangen oder deren Lebensraum durch Grundschleppnetze zerstört wird. Mehr zur Überfischung der Meere können Sie in diesem Artikel vom WWF nachlesen. Auch Fisch aus Zucht ist keine bessere Lösung, da der oft mit Wildfischen gefüttert wird. Noch schwieriger macht es, dass es kaum vertrauenswürdige Labels für Fisch gibt. Laut WWF Schweiz ist MSC, obwohl es mittlerweile sehr umstritten ist, immer noch das beste Wildfisch Zertifikat am Markt. Die Devise: Besser ein Label als kein Label, aber geht es denn nicht besser? Sollen wir etwa gar keinen Fisch mehr essen? Das Beste wäre, nur noch Fisch aus Schweizer Seen zu essen. Da wissen wir, wo er herkommt und da es nicht viel davon gibt, essen wir automatisch weniger. Fisch ist eben ein Festessen.

Was sollen wir denn essen? Es gibt viele Alternativen! Essen Sie sich durch die Vielfalt der saisonalen Gemüse- und Obstsorten. Gerade im Winter finden sich viele Lagergemüsesorten, die nur wenigen bekannt sind. Kennen Sie beispielsweise Petersilienwurzeln oder Steckrüben? Höchste Zeit, diese leckeren und biodiversitätfreundlichen Gemüsesorten einmal auszuprobieren. Saisonales Gemüse bringt den Vorteil von kurzen Transportwegen und wir wissen, wie es angebaut wurde. Am Badener Wochenmarkt können Sie sogar noch die Bäuerinnen und Bauern kennenlernen.

2. Beim Einkauf auf naturfreundliche Labels achten und nichts verschwenden

Der Labelsalat für nachhaltige Produkte ist gross. Trotzdem sind sie wichtig, weil die Produktionsweise von Gütern die Umwelt, ihre Lebensräume und damit auch die Biodiversität beeinflusst. Oft ist es schwierig, abzuschätzen, welches Label das bessere ist. Auf Labelinfo.ch gibt es detaillierte Informationen zu vielen verschiedenen Labels. Es lohnt sich, da mal reinzuschauen!

BioSuisse: Biologische Lebensmittel aus der Schweiz

Cradle to Cradle: verschiedenste Produkte, die wieder zurück in den Stoffkreislauf geführt werden können

FSC: Holz aus verantwortungsvollen Quellen

Global Organic Textile Standart (GOTS): Biologische hergestellte Textilien

Verschmutzungen durch die Güterproduktion lassen sich natürlich am einfachsten vermeiden, indem nichts Neues gekauft wird, wenn es nicht nötig ist. Vieles lässt sich doch noch reparieren. Dafür haben wir Fachpersonen in der Badener Flickstatt – dort darf natürlich auch selber Hand angelegt werden. Der Badener Flohmarkt am letzten Samstag im Monat oder die lokalen Brockenstuben Brockenstube Gemeinnütziger Frauenverein und Onkel Tom’s Brocki haben viele Schätze zu bieten, falls frischer Wind gewünscht ist.

3. Einheimische Pflanzen für Wildbiene & Co. auf dem Balkon und im Garten

Nicht nur Insekten, sondern auch uns ist ein bunt bepflanzter Garten eine Freude. Aber nicht alles, was grün ist, ist ökologisch wertvoll. Um Lebensräume zu schaffen, muss es Rückzugsorte und Nahrung geben. Am besten dafür sind einheimische Pflanzen, da unsere einheimischen Tierarten an diese angepasst sind. Je vielfältiger die Pflanzenauswahl, desto vielfältiger werden das Nahrungsangebot und die Lebensräume, die entstehen. Hingucker sind beispielsweise Hecken mit einheimischen Dornensträuchern, Blumenwiesen und Bäume. Bäume sind besonders multifunktional: Sie liefern frische Früchte und kühlenden Schatten, bieten Vögeln einen Rastplatz und dienen Kindern als Klettergerüst.

An artenreichen Blumenwiesen aus einheimischen Arten haben alle Freude (Bild: Bioterra.ch).

Eine tolle Hilfe bei der Suche nach geeigneten Pflanzen ist Floretia.ch. Man gibt einfach die eigene Postleitzahl ein, beantwortet wenige Fragen zum zukünftigen Standort der Pflanzen und schon spuckt es eine Liste von passenden, einheimischen Pflanzenarten aus.  

4. Schädlinge und Unkraut tolerieren oder giftfrei im Zaum halten

Zu Unrecht hat das Unkraut seinen Namen erhalten, denn auch es ist Teil des Ökosystems: Seine Blüten sind eine wertvolle Nahrungsquelle. Zudem bedeckt es den Boden. So bleibt er feucht und ist geschützt vor Überhitzung, was wichtig für die Bodenlebewesen ist. Möchten Sie das Unkraut im Zaum halten, dann machen Sie das am besten mechanisch durch Ausrupfen oder Abrasieren. Es gibt diverse Geräte, welche diesen Prozess erleichtern, wie beispielsweise die Pendelhacke.

Pendelhacke

Mit einer Pendelhacke lässt sich Unkraut bequem im Stehen abkappen (Bild: Seramis.com, Kent & Stowe Langstiel Pendelhacke).

Ein vielfältiger Garten hilft, dass sich Schädlinge nicht zu stark entwickeln. Sie können so Nützlinge fördern und das Nahrungsangebot der Schädlinge minimieren. Am richtigen Standort können Pflanzen ihre volle Kraft entwickeln und sich am besten gegen Schädlinge wehren. Bei Pilzkrankheiten schneiden Sie einfach die befallenen Triebe ab und entsorgt sie. Gegen bestimmte Pflanzenkrankheiten gibt es auch resistente Sorten. Genaueres zum giftfreien Gärtnern finden Sie in diesem Beobachter-Artikel.

5. Wilde Ecken schaffen, wo sich die Stadtnatur frei entwickeln darf

Es muss einfach mal gesagt werden: Die Schweiz ist zu gepützelt. Unsere akribische Ordnung führt leider dazu, dass Strukturen, die wertvolle Lebensräume bieten, verloren gehen. Wenn Sie also ein Platz rund ums Haus haben, wofür Ihnen die Muse zur Pflege fehlt, dann können Sie es mit gutem Gewissen sein lassen. Überlassen Sie es ruhig der Natur, sich einzurichten. Um pingelige Nachbarn ruhig zu stellen, gibt es auch echte Hingucker, die Sie in Ihrem Garten installieren können. Kunstvolle Totholzelemente, elegant arrangierte Asthaufen und Steinhaufen bieten wertvolle Sturkturen für viele Kleinlebewesen.

Durch kunstvoll arrangiertes Totholz wird der Garten zum Blickfang (Bild: Lvb.de, Totholz – Ein Ort voller Leben!).

Steinhaufen eignen sich übrigens besonders gut, um den Schottergartenvirus zu kurieren. Graue Schottergärten lassen sich nämlich ruckzuck in wertvolle und hübsch begrünte Kleintieroasen umwandeln.

Naturfindetstadt.ch zeigt, wie wir mehr Natur ins Siedlungsgebiet bringen können. Zudem gibt es einen super übersichtlichen Katalog, der viele verschiedene Sturkturelemente aufzeigt, mit welchen die Biodiversität im eigenen Garten gefördert werden kann.

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