Umweltblog

Das Energiekonzept 2017 – 2026 der Stadt Baden

Mit dem Klima-Abkommen von Paris 2015 haben sich die teilnehmenden Staaten auf ein Klimaziel geeinigt. Die Erwärmung der Erdatmosphäre soll auf deutlich unter 2 Grad Celsius begrenzt werden. Dies ist möglich, wenn Treibhausgas-Emissionen bis 2050 praktisch auf Null sinken. Doch wie beteiligt sich hierbei die Stadt Baden? Der Energiekoordinator der Stadt Baden, Christian Vogler, führt uns dazu in kurzen Schritten durch das Energiekonzept der städtischen Entwicklungsplanung.

Das Zeitalter steigender Treibhausgas-Emissionen wird bald durch das Zeitalter sinkender Treibhausgas-Emissionen abgelöst. Mit dem Pariser Abkommen hat sich auch die Schweiz dazu verpflichtet, bis 2050 das 2-Grad-Ziel zu erreichen. Dabei sieht die Energiestrategie des Landes vor, auf den Ebenen Bund, Kanton und Gemeinde darauf hinzuarbeiten. Der Wirkungsbereich fällt unterschiedlich aus, da jede Ebene ihre hoheitlichen Aufgabenbereiche hat. Die kantonale Energiestrategie stützt sich auch im Aargau auf die Energiestrategie des Bundes und hat sich für den Zeithorizont 2026 kantonsspezifische Ziele gesetzt.
Die Stadt Baden legt mit dem Energiekonzept ihre auf das 2-Grad-Ziel ausgerichteten Energie- und Klimaziele für die Zeitperiode 2017 bis 2026 vor. Nach fünf Jahren findet eine Zielüberprüfung statt und die Ziele der nächsten Fünfjahresperiode werden justiert. Damit hat die Stadt ein klares Fernziel: eine nachhaltige und gerechte Gesellschaft im Sinne der 1-Tonne-CO2-/2000-Watt-Gesellschaft.

Was will das Energiekonzept?

Der einwohnerbezogene Treibhausgas-Ausstoss der Stadt Baden soll bis 2026 gegenüber 2013 um 30 % sinken, der Primärenergieverbrauch um 15 %. Zusätzlich schenkt Baden Produkten und Dienstleistungen besondere Beachtung, wenn deren Bereitstellung auf erneuerbaren Energiequellen und treibhausgasarmen Prozessen basiert. Diese Ziele werden durch spezifische Unterziele und Massnahmen konkretisiert. Dabei möchte die Stadt vorbildlich handeln, geschickte Anreize setzen, die Interaktion mit der Bevölkerung stärken und die Eigeninitiative fördern. Wie dies erreicht werden soll und was die Bevölkerung beitragen kann, lesen Sie hier.

Die Wärmezentrale in Dättwil

Die Biogasaufbereitungsanlage in Turgi

Die Biogasaufbereitungsanlage in Nesselnbach

Was hat die Stadt bereits unternommen? Was ist zusätzlich geplant oder in Arbeit?

Ausbau lokale erneuerbare Wärmeerzeugung und Wärmenetze
In Baden werden zwei grosse Wärmeverbünde betrieben, Baden Nord und Dättwil. Beide wurden über zentrale Gasheizungen versorgt. In Dättwil wurde 2017 die bestehende gasbefeurte Heizzentrale beim Kantonsspital durch die mit Holzschnitzeln befeuerte, neue Wärmezentrale Dättwil abgelöst. Diese produziert jährlich 13 GWh Wärme und 4 GWh Strom aus Holz.

Der Wärmeverbund Baden Nord soll mit der Fernwärme Siggenthal (FWS) verbunden werden, um Wärme ab der KVA Turgi beziehen zu können. Dadurch und allenfalls mit weiteren erneuerbaren Wärmequellen kann ein grosser Teil der heute mit Gas produzierten Wärme (rund 20 GWh) ersetzt und ein grösseres Gebiet versorgt werden.

Effizienzsteigerung Wärme
Durch sinnvolle Dimensionierung und Technik im Sinne der „Best Practice“ sind im Wärmebereich Effizienzsteigerungen von 5% bis 15% möglich. Bei 20 städtischen Objekten wird die Entwicklung des Wärmeverbrauchs, bezogen auf die Nutzfläche, überwacht. Die Details zu den einzelnen Objekten sind auf der Website der Stadt abrufbar.

Wärmeversorgung städtischer Gebäude
Die Stadt will ihre Gebäude langfristig mit erneuerbarer Wärme versorgen. Im Jahr 2015 lag der Anteil bei rund 10 %. Dieser soll nun stetig erhöht werden. Neubauprojekte wie das Oberstufenzentrum Burghalde (Wärmeversorgung durch Erdwärme) oder die bereits realisierte Wärmezentrale Dättwil ermöglichen dieses Ziel.

Verwaltung der Badener Regionalwerke

Ausbau erneuerbare Elektrizitätsproduktion
Die Regionalwerke Baden produzieren in sechs Kraftwerken an der Limmat lokalen, erneuerbaren Strom aus Wasserkraft. Weiter wird auch Strom aus eigenen Biogasanlagen und Photovoltaikanlagen gewonnen. Es wird angestrebt, die lokale und erneuerbare Stromproduktion weiter auszubauen.

Elektromobilität
Der Verkehr verursacht in Baden rund einen Drittel der Treibhausgase. Zur Erreichung des Treibhausgas-Zieles ist eine Reduktion der Emissionen im Bereich Verkehr unumgänglich. Um das Treibhausgas-Ziel zu erreichen, strebt die Stadt Baden bis 2026 einen Elektroanteil am Fahrzeugbestand von mindestens 5% an. Die Stadt hat bereist in mehreren Parkhäusern (z.B. Langhaus, Ländli, Gartenstrasse) Ladestationen installiert.

Stärkung des Langsamverkehrs
Der motorisierte Individualverkehr verursacht einen hohen Anteil des Treibstoffverbrauchs. Durch die Verlagerung der motorisierten Fortbewegungsweise auf Fuss- oder Veloverkehr sinken die Treibhausgasemissionen. Bereits im Rahmen der Erarbeitung des Kommunalen Gesamtplans Verkehr (KGV) 2012 hat der Stadtrat zu verschiedenen Themenbereichen Ziele festgelegt und Massnahmen definiert.

Ladestationen in einem der Parkhäuser

So sah der Verkehr Richtung Schlossbergplatz in den 50er Jahren aus. Eine vergangene Alltäglichkeit als mögliche Zukunftsvision? Quelle: Historisches Museum Baden, Foto Werner Nefflen, Q.01.7089A, Lizenz CC BY-SA 4.0.

Wo stehen wir?

Der Primärenergieverbrauch und die Treibhausgase haben seit 2013 zwar leicht abgenommen, aber viel zu wenig. Wenn die Stadt Baden die gesteckten Ziele erreichen will, müssen die Anstrengungen verstärkt werden. Lesen Sie mehr zum Stand der Umsetzung.

Die Grafik zeigt den Verbrauch für Primärenergie und die Treibhausgasemissionen unter Berücksichtigung der Bevölkerungsentwicklung, inklusive Klimakorrektur. Neben den tatsächlichen Verbrauchsgrössen sind die Zielwerte in der Form von Absenkpfaden dargestellt. Die gestrichelten Linien zeigen die beiden Absenkpfade gemäss Energiekonzept 2017-2026. Die gepunkteten Linien geben den Absenkpfad gemäss 2000-Watt-Modell wieder.

Was könne Sie tun und wie unterstützen wir Sie dabei?

Energieberatung und Förderprogramme
Die Stadt Baden und der Kanton Aargau haben ein breites Beratungsangebot und unterstützen bei energetischen Fragen. Die Energiefachstelle der Regionalwerke Baden berät Sie gerne und vermittelt ein geeignetes Beratungsgangebot.

Kontakte:

Energiefachstelle Baden
056 200 22 89 , efs@regionalwerke.ch

Kanton
energieberatungAARGAU

Das Gebäudeprogramm fördert die Sanierung der Gebäudehülle.

Die Stadt Baden fördert den Wechsel von Individualheizungen zu einem erneuerbaren Wärmeverbund und die Umstellung von fossilen auf erneuerbare Energieträger in Kleinwärmeverbünden oder Gemeinschaftsheizungen.

Hier finden Sie Informationen zu weiteren Förderbeiträgen.

Lokaler, erneuerbarer Strom
Bauen Sie eine Photovoltaik-Anlage auf ihrem Dach und verbrauchen Sie eigenen, erneuerbaren Strom bei Ihnen zu Hause. Ob sich dies für Sie lohnt, können Sie mit dem RWB-Solarrechner herausfinden.
Sie haben kein eigenes Dach oder dieses ist dafür nicht geeignet? Kein Problem: Produzieren Sie eigenen Strom mit miinSTROM. Oder beziehen Sie bei den Regionalwerken Strom aus der Limmat oder von Photovoltaikanlagen in Baden.

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