
Die Föhre auf der Ruine Stein
Sie trohnt hoch über Baden und hat schon viel erlebt: Die Föhre auf der Ruine Stein ist älter als sie aussieht. Das alte Gemäuer ist ein karger Untergrund, auf dem sie nur sehr langsam wachsen kann.
Stolz trohnt die Föhre auf der Ruine Stein hoch über Baden. Kaum zu glauben, dass so ein grosser Baum auf dem alten Gemäuer wächst. Denn der Schlossberg ist ein hartes Pflaster: Der Boden ist flachgründig und an vielen Stellen kommt der Fels an die Oberfläche. Nährstoffe und Wasser sind hier knapp. Nicht alle Pflanzen kommen mit diesen Bedingungen klar. Es gibt aber eine Vielfalt an Pflanzen, die genau darauf spezialisiert sind. Sie sind wahre Extremisten und schaffen es mit verschiedenen Strategien, hier zu wachsen.

Die Föhre ist eine Extremistin unter den Bäumen. Sie wächst dort, wo die meisten anderen nicht wachsen können, weil es zu trocken ist. Als lichtbedürftige Baumart nimmt sie schwierige Bedingungen gern in Kauf, wenn dadurch die schattenwerfende Konkurrenz ausfällt.

Die Föhre wächst sehr langsam und ist daher älter als sie aussieht
Weil die Bedingungen schwierig sind, kann die Föhre auf der Ruine nur sehr langsam wachsen. Sie ist also älter, als ihre Grösse vermuten lässt. Biologisch ist es durchaus möglich, dass die Föhre bereits über 200 Jahre alt ist. Ein Blick ins Stadtarchiv gibt uns einen Eindruck darüber, wie lang die Föhre schon hier stehen könnte.


Was die Föhre wohl schon alles erlebt hat? Ihren Anfang könnte sie bereits im 18. Jahrhundert, nachdem 1712 die Burg geschleift wurde, genommen haben. Möglich, dass sie miterlebt hat, wie 1847 unter grossem Applaus die Spanisch-Brötli-Bahn, die erste Eisenbahn der Schweiz, in Baden einfuhr.


Die Föhre hat miterlebt, wie die Industrialisierung in Baden ihren Lauf nahm: 1891 wird die Firma Brown Boveri & Cie gegründet, 1926 wird die Hochbrücke gebaut und immer mehr Autos rauschen über den Schulhausplatz. Die Stadt ist geschäftiger geworden und die Ruine wird heute als Stadtoase geschätzt. Ab und zu bekommt die Föhre Besuch von Jugendlichen, die sich die Felswand hinauf wagen und sich dann wie Gipfelstürmer fühlen.
Herzlichen Dank an Andreas Steigmeier vom Stadtarchiv, der mich bei der Recherche tatkräftig unterstützt hat.
Dieser Artikel ist Teil einer Reihe: Bald stelle ich Ihnen weitere interessante Stadtbäume vor.