Umweltblog

Weitere Froschleitern für Baden

Strassenschächte sind Todesfallen für wandernde Amphibien. Seit 2015 werden in Baden immer mehr Ausstiegshilfen eingebaut. Dieses Jahr in waldnahen Strassen der Quartiere Chrüzliberg, Meierhof und Allmend. Zum Einsatz kommen erstmals Krallmatten aus Kunststoff.

Jean-Baptiste Evard ist ein Amphibienschützer, der schmutzige Hände nicht scheut. Dieser Tage ist der Zürcher Oberländer, Vorstandsmitglied des gemeinnützigen Vereins „Amphibienschutz“, in Baden unterwegs. In den Quartieren Kreuzliberg, Meierhof und Allmend stattet er Dutzende Strassenschächte mit Ausstiegshilfen für Amphibien und andere Kleintiere aus.

Strassenschächte werden zu tödlichen Fallen

Das Problem: Auf ihren Wanderungen vom Winterquartier zum Laichgewässer und zurück legen Amphibien erstaunlich weite Strecken zurück. Häufig folgen die Kröten, Frösche, Molche und Salamander dabei Randsteinen und fallen in die Schächte. Zudem ist das feuchte und milde Mikroklima in der Tiefe attraktiv für die Tiere – sie führen einen lebenslangen Kampf gegen das Vertrocknen. Unten ist für sie jedoch Endstation; irgendwann verhungern oder ertrinken sie unbemerkt. In der Nähe von Wäldern und Grünzonen stellt sich das Problem besonders häufig.

Ein Kunststoffgewebe zum Reingreifen

Seit 2015 werden in Baden immer mehr waldnahe Schächte mit Ausstiegshilfen ausgerüstet. Zum ersten Mal kommen Krallmatten aus Polypropylen zum Einsatz. Der Vorteil gegenüber den bisher verwendeten Stahlblechen: sie können auch ohne vorgängiges Absaugen installiert werden, sind günstiger und müssen bei der Schachtreinigung nicht herausgenommen werden. Eine Krallmatte ist ein dreidimensionales grobes Kunststoffgewebe, das normalerweise zur Stabilisierung von Flachdachbegrünungen und Böschungen verwendet wird. Video-Aufnahmen belegen, dass sie auch als Kletterhilfe für Amphibien bestens funktionieren: kleine Tiere wie Molche und Unken arbeiten sich im Gewebe hoch, grössere wie Kröten und Grasfrösche stemmen und greifen sich an der groben Oberfläche in die Freiheit.

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Krallmatte

Krallmatten dienen ursprünglich der Befestigung von Substrat in Böschungen, eignen sich aber auch bestens für Amphibien-Ausstiegshilfen (Bild: Klima und Umwelt).

Schritt für Schritt: der Einbau der Krallmatten

Die Bohrung zur Befestigung der Krallmatte ist laut Abteilung Tiefbau kein Problem.

Am unteren Ende wird mit Kabelbinder ein Stein eingepackt. Er hält die Krallmatte schön gestreckt.

Die richtige Länge der Krallmatte wird abgemessen.

Fürs Zuschneiden brauchts eine gute Schere.

Schraube, Dübel und Unterlagsscheibe werden mit einem Hammerschlag im Bohrloch fixiert.

Hängt die Krallmatte direkt beim Tauchbogen, wird sie von den Amphibien rasch gefunden.

Mein Lieblingstier? Die Erdkröte – für sie, aber natürlich auch für alle anderen Tierarten setze ich mich ein, seit ich klein war. Es ist schön, wie in den letzten Jahren das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung und in den Gemeindeverwaltungen zugenommen hat. Die Ausstiegshilfen für Tiere und insbesondere Amphibien sind den Menschen nicht mehr so fremd wie früher. Mit der gemeinnützigen Vereinsarbeit unterstützen wir Gemeinden wie Baden im Natur- und Tierschutz. Aber es gibt noch viel zu tun!

Jean-Baptiste Evard

Vorstand Verein Amphibienschutz

Der Verein Amphibienschutz: der Name ist Programm

Der gemeinnützige Verein Amphibienschutz besteht seit 2015. Im Auftrag von Gemeinden, vorwiegend jedoch ehrenamtlich kümmert sich der Verein um in Strassensammlern und Lichtschächten gefangene Amphibien, um die Installation von Amphibienausstiegshilfen, Erschaffung neuer Laichgewässer unter anderem für die Gelbbauchunken und vieles mehr.

Die reich bebilderte Webseite dokumentiert eindrücklich die Strassenabwasser/Amphibien-Problematik: www.amphibienschutz.org

 

Vielen Dank Jean-Baptiste, dass wir dir bei der Arbeit über die Schulter blicken durften. Es ist toll, was Euer Verein in den letzten Jahren erreicht hat – Fortsetzung in Baden folgt!

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