Umweltblog

Die Rotbuche – die Königin des Waldes

Nach 32 Jahren hat es die Rotbuche zum zweiten Mal ganz zuoberst aufs Podest geschafft: Sie wurde zum Baum des Jahres 2022 auserkoren. Als häufigste Baumart des Badener Waldes hat sie diese Aufmerksamkeit allemal verdient. Doch noch vieles mehr zeichnet sie aus und macht sie zu einer ganz besonderen Baumart.

Ihr Name hat die Rotbuche (lat: Fagus sylvatica) ihrem Holz zu verdanken. Dieses erscheint in einem zarten, rötlichen Farbton. Zur Verminderung von Rissbildung wird das Holz oftmals gedämpft, wobei sich der Rotton intensiviert. Gedämpft und ungedämpft findet die Rotbuche eine vielfältige Verwendung, so zum Beispiel im Möbelbau oder in der Herstellung von Fussböden. Buchen aus dem Badener Wald werden als Stammholz verkauft oder als Holzschnitzel zur CO2-neutralen Energieerzeugung eingesetzt. Wie dies funktioniert, wird im Artikel Energiezentrale Dättwil: Ein Besuch im Holzkraftwerk von Baden genauer erläutert.

Die Namensgeberin

Dank dem Holz der Buche hat aber nicht nur diese selbst ihren Namen erhalten. So wurde früher Buchenholz oft als Schreibtafel verwendet, worauf Runen, die heutigen Buchstaben, eingeritzt worden sind. Papier wurde zudem oft von Buchdeckeln aus Buchenholz eingefasst. Es etablierten sich die Wörter Buch und Buchstabe. Auch der Buchfink verdankt sein Name der Buche, genauer noch deren Früchte. Im Winter isst er nämlich am liebsten die «Buchennüssli».

Die Frucht der Buche ist umgeben von einem weichstacheligen Fruchtbecher (Bild: pixabay).

Das Buchennüsschen ist die dreikantige Frucht der Rotbuche (Bild: pixabay).

Der hellgrüne Blattaustrieb

Alljährlich und doch immer wieder aufs Neue faszinierend findet zur Zeit der Blattaustrieb der Rotbuche im Badener Wald statt. Ihre Schönheit kommt jetzt im Frühjahr besonders gut zur Geltung. Die glatte Rinde erscheint im typischen Silbergrau, ihre frisch ausgetriebenen, noch seidig behaarten Blätter in einem zarten Hellgrün. Der Wald hüllt sich zunehmend in die Farben der Buche und bietet uns einmal mehr ein wunderbares Naturspektakel.

 

Die faszinierende Schattenstrategie

Der Blattaustrieb der Rotbuche ist zudem dank einer ausgefeilten Schattenstrategie nicht nur visuell faszinierend. Der Austrieb dauert über mehrere Wochen hinweg und schreitet von unten nach oben und von innen nach aussen fort. So beginnt er am Boden bei den kleinsten Pflanzen in der Strauchschicht und endet in den höchsten Kronen der Altbäume. Dies sichert allen Buchen, von klein bis gross, genügend Licht, um fertig auszutreiben.

 

Die bedeutsame Schattentoleranz

Die Rotbuche zeichnet sich zudem durch eine ausgeprägte Schattentoleranz aus. Die Blätter brauchen erstaunlich wenig Licht, so reichen einer Altbuche wenige Prozente des Tageslichts aus, um gerade noch zu überleben. Junge Bäume können mehrere Jahre im Schatten der Alten ausharren und auf ihre Chance warten. Eröffnet sich ein Lichtfenster, nutzen sie die Gelegenheit, spriessen in die Höhe und kommen zum wohl verdienten Licht.

Obsternte

Nach dem Blattaustrieb zeigen sich die jungen, seidig behaarten Blätter (Bild: Stadtforstamt).

Obsternte

Schattenstrategie: Der Blattaustrieb der Rotbuche erfolgt von unten nach oben (Bild: Stadtforstamt).

Die Rotbuche im Klimwandel

Der Klimawandel lässt jedoch auch unsere Rotbuchen nicht unverschont. Viele Altbäume stehen dürr im Badener Wald, zeigen kaum Anzeichen vom frühlingshaften Lebensgeist. Einige Rotbuchen mussten deshalb bereits einem Sicherheitsschlag unterzogen werden. Dies ist aber kein Grund zur Unruhe. Ihre jungen Artgenossinnen scheinen die klimabedingten Veränderungen besser wegzustecken und bleiben uns somit hoffentlich noch lange erhalten.

Obsternte

Sicherheitsschlag bei einer alten Rotbuche (Bild: Stadtforstamt).

Die Rotbuche aus der Sicht des Stadtforstamts

Die Rotbuchen des Badener Waldes machen einen grossen Teil der Arbeit des Stadtforstamts aus. Nicht alle verbinden aber das Gleiche mit der Rotbuche. So sind die Gedanken und Assoziationen vielfältig und reichen von Forstwirtschaft bis hin zu europäischen Urwäldern.

Im Jahr 1993 durfte ich als frischgebackener Forstingenieur das erste Mal die grössten Buchenurwälder Europas besuchen: In der Nordwestecke der Ukraine, in Transkarpatien erstrecken sich knapp 30’000ha unberührte-urwüchsige, wilde Buchenwälder. Das ist ca. 2/3 der Waldfläche im Kanton Aargau. Und natürlich hoffe ich, bald wieder in diese unglaublich schönen Naturperlen eintauchen zu können.

Georg von Graefe

Stadtoberförster

Die Buche ist die Hauptbaumart im Mittelland. Die Wertschätzung im Waldbau ist jedoch gering, andere Baumarten werden oft bevorzugt.

Raphael Zimmermann

Ehemaliger Forstwart beim Stadtforstamt

Wenn ich an die Rotbuche denke, kommt mir als erstes die schöne hellgrüne Farbe der Buchenblätter im Frühling in den Sinn. Sie gehört für mich zum Frühling einfach dazu. Bucheckern über dem Feuer zu rösten, ist ein tolles Walderlebnis im Herbst. Die Nüsschen sind lecker und gesund.

Martina Torquato

Naturwissenschaftliche Fachangestellte

Für mich hat ein Buchenwald etwas Zauberhaftes. So erinnere ich mich an einem sonnigen Frühlingstag im Wald, umgeben von Buchen, oft an Geschichten und Märchen meiner Kindheit.

Fabienne Fässler

Naturwissenschaftliche Fachangestellte

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