Umweltblog

Energiezentrale Dättwil: Ein Besuch im Holzkraftwerk von Baden

Beim Segelhof steht am Waldrand, versteckt hinter hochgewachsenen Buchen, Tannen und Fichten, die Energiezentrale Dättwil. Sie liefert Strom und Wärme für die naheliegenden Haushalte und macht dies mit einer Effizienz, die in Sachen Nachhaltigkeit ganz vorne mitspielt. Die Stadtökolgie Baden geht mit Projektleiter Jonas Hurter und Forstwart Pius Moser auf einen Rundgang durch die Anlage.

„Die Realität ist: Wir müssen wegkommen von diesen Fossilen“, sagt Jonas Hurter, als wir uns vor dem Holzkraftwerk einfinden. Der Projektleiter dieser Anlage in Dättwil brennt für dieses Kraftwerk und die innovative Ingenieurskunst dahinter. Was dabei auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, verbirgt im seinem Inneren neuste Technologie. Der Clou: Die Anlage ist in sich CO2 –neutral, denn es wird nur so viel des berüchtigten Treibhausgases freigesetzt, wie der benötigte Holzbrennstoff in seiner Lebzeit speicherte.

Die Energiezentrale Dättwil beim Segelhof ännet der Autobahn. Sie wurde in Einigung mit der Ortsbürgergemeinde und dem Stadtforstamt der Stadt Baden über dem Werkhof errichtet.

Ein nachhaltiger Kreislauf

„Heute liegt Chäferholz in der Anlage“, schmunzelt Forstwart Moser beim Blick auf die Holzschnitzel. Der Forstwart begleitet unseren Rundgang und erklärt die Arbeit seitens des Forstamtes. Mit „Chäferholz“ bezeichnet er Holz von Bäumen, die von Borkenkäfern befallen waren. Solches gilt es zu entfernen, bevor sich die Käfer verbreiten. Dass dann daraus Energie gewonnen werden kann, sehen sowohl Moser wie auch Hurter als Plus an.

„Wir arbeiten mit einer Kaskaden-Nutzung“, sagt Hurter. „Mit jeder Lieferung messen wir die Menge und wieviel Energie daraus gewonnen wird. Daraus ergibt sich: Wenn es schlechtes Holz ist, braucht es mehr. Am besten eignen sich harte Hölzer, wie Buchenholz. Wir kaufen demnach Energie ein. Wenn wir 1000 KWh generieren wollen, müsste Moser für denselben Output mehr Fichtenholz als Buchenholz liefern, weil Fichtenholz einen tieferen Brennwert hat.“

Aus dem Badener Wald kommen rund 15% des jährlich benötigten Holzes, das im Wald gehackt und dann zur Energiezentrale geliefert wird. Der Forst wiederum nutzt 2’800 Kubikmeter Festholz, genauso viel wie nachwächst. Davon können 6’000 bis 8’000 Kubikmeter Schnitzel erzeugt werden, die in dieser und anderen Anlagen Verwendung finden.

Es ist wichtig für die Gesundheit des Waldes, dessen Holz zu nutzen. Darum kümmert sich das Stadtforstamt zum Beispiel durch entfernen befallener oder kranker Bäume, wie das „Chäferholz“.

Stolz auf ihre Zusammenarbeit präsentieren Forstwart Pius Moser (l.) und Projektleiter Jonas Hurter (r.) die Anlage.

Insgesamt braucht die Anlage 25’000 bis 30’000 Schnitzelkubikmeter Holz im Jahr. Nebst dem Anteil aus dem Wald kommt vieles aus der Landschaftspflege aus der Region. Wichtig ist, dass kurze Transportwege entstehen und dass nur unbehandeltes Holz verbrannt wird. Damit versorgt das Holzkraftwerk auf nachhaltige Weise ein kleines Dorf mit Strom und Wärme. Nebst ihrem Eigenbedarf generiert die Energiezentrale genügend Strom für die rund 700 Haushalte in Dättwil und die Wärme deckt immerhin 85% des lokalen Bedarfs.

Eine effiziente Energieerzeugung

Sind die Holzschnitzel in der Anlage, werden sie per Brennstoffförderer in den Ofen befördert. Dort verbrennen diese bei ca. 950 Grad Celsius und erhitzen damit das Thermoöl, welches wiederum einem sogenannten ORC-Modul seine Hitze übergibt. In einem Prozesskreislauf, der durch eine Turbine läuft, wird Strom produziert und die Wärme, die bleibt, wird ausgekoppelt. Diese nutzt man dann für die Fernwärme.

Projektleiter Hurter und Forstwart Moser diskutieren über die Funktion der Turbine.

Damit diese komplexe Anlage läuft, benötigt sie auch eine komplexe Steuerung. Alle Module in der Anlage müssen richtig verknüpft sein. Dafür wird an 1’200 Stellen in der Anlage mit Sensoren gemessen.

„Das Netz zieht Leistung und diese Anlage muss dahinter das einbringen können, was angezogen wird“, erklärt Hurter. „Sie kann aber nicht so schnell auf Lastschwankungen reagieren. Deshalb haben wir einen Speicher; unter anderem für die Lastspitzen im Netz.“

Letztlich kann die Anlage erneuerbare Energie auf einem CO2-armen Prozess aufbauen und erspart somit der Umwelt jährlich einen Aussstoss von rund 3’000 Tonnen Kohlendioxid, das durch die vormals aus Erdgas betriebene Anlage beim Kantonspital kam. „In der Schweiz produzieren wir immer noch 80% unserer Energie basierend auf Fossilen Brennstoffen. Dabei geschieht die Wertschöpfung zu 80% im Ausland. Bei solchen Anlagen wie dieser ist es umgekehrt“, sagt Hurter und betont, dass wir mit solchen Holzkraftwerken viel bewirken können.

In diesen Tanks kann warmes Wasser gespeichert werden, das bei Bedarf wieder in den Kreislauf gebracht wird.

Die Energiezentrale verwendet neuste Feuerungs- und Filteranlagen, um Emmissionen zu vermeiden und kantonale Richtlinien einzuhalten. Die Klimamessstation am Kamin sendet dazu im 15-Minuten-Takt Messwerte nach Bern.

Lesen Sie hier im Beschrieb der Regionalwerke Baden mehr über die Einzelheiten der Anlage: Factbroschüre_Energiezentrale

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