Umweltblog

Quellen im Badener Wald

Baden ist weit bekannt für seine Thermalquellen. Aber nicht nur in der neu eröffneten Wellness-Therme Fortyseven sprudelt das wertvolle Nass; sondern auch im Badener Wald.

Quellen sind Austrittsstellen von Grundwasser an die Erdoberfläche. Bei Fliess- oder Sturzquellen tritt das Wasser örtlich begrenzt aus und fliesst in einem Gerinne oder Bach ab. Bei Sicker- oder Sumpfquellen tritt das Wasser flächig aus und fliesst nur langsam ab. Bei Tümpel- oder Weiherquellen kann das von unten austretende Grundwasser nicht gleich abfliessen und bildet einen Tümpel oder Weiher.

Im Badener Wald gibt es rund 50 Quellen, woraus zeitweise oder permanent Wasser austritt. Die Quellen versorgen Tümpel, Weiher oder Bäche und speisen sieben Wald-Brunnen mit frischem Wasser.

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Dieser schöne Brunnen aus Stein steht im Gebiet Langholz (Bild: Stadtforstamt).

Lebensraum Quelle

Ein gesunder Waldboden hat viele Hohlräume. Gebildet werden sie von kleinen Bodenorganismen und Baumwurzeln, die den Waldboden auflockern. Der gelockerte Waldboden wirkt wie ein Schwamm. Regenwasser versickert schneller und schützt so vor Überschwemmungen. Der Waldboden speichert das Regenwasser nicht nur, sondern reinigt es auch: Der Waldboden und das Gestein filtert Schmutzpartikel und Schadstoffe aus dem Regenwasser heraus. Dadurch ist das Quellwasser aus dem Wald meist sehr rein.

Das Wasser direkt aus der Quelle ist mit 6-10 °C konstant kühl und besonders nährstoff- und sauerstoffarm. Diese Eigenschaften machen Quellen zu wertvollen Lebensräumen, die allein in Mitteleuropa von rund 1’500 verschiedenen Tierarten bewohnt werden. Die Quelle ist die Gewässerart mit dem höchsten Anteil an gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Insekten wie die Gestreifte Quelljungfer oder Amphibien wie der Feuersalamander sind Beispiele für gefährdete Arten, die mit etwas Glück an Quellen im Badener Wald anzutreffen sind. Quellaustritte sind ebenfalls wichtig für Stein-, Köcher- und Eintagsfliegen, deren Eier und Larven nur in sehr sauberem Wasser gedeihen können. Die drei Fliegenarten sind biologische Zeigerarten für sauberes Wasser: Wenn sie in einem Gewässer vorkommen, ist dies ein klares Anzeichen dafür, das dieses sehr rein und sauber ist.

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Gestreifte Quelljungfer (Bild: Tobias Liechti)

Wasser und Bier aus eigener Quelle

Quellen sind aber nicht nur für die Natur wichtig, sondern werden auch zur Trinkwassergewinnung genutzt. In Baden beispielsweise wird aus der Renoldquelle im Segelhof Trinkwasser gewonnen. Auch Müllerbräu setzt auf frisches Quellwasser aus dem Badener Wald: Die Traditions-Brauerei braut bis heute ihr Bier mit Quellwasser aus Münzlishausen. Der Gründer Hans Müller (1868–1953) erwarb vor über 120 Jahren das Recht auf die Nutzung des Quellwassers einer Quelle, deren Einzugsgebiet im Wald auf der Müseren liegt.

Mehr zum Badener Bier und zum Beitrag der Brauerei Müllerbräu für den Badener Wald lesen Sie im Artikel „Der Flaschengeist im Badener Bier“.

Mit naturnahem Waldbau Quellen schützen

Um Quellen und Gewässer im Badener Wald zu schützen und zu erhalten, werden diese regelmässig unterhalten. Auch mit naturnahem Waldbau leistet das Stadtforstamt Baden einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Grundwasser, Böden und Quellen:

Wahl der Baumarten

Laubmischwälder reichern weniger Schadstoffe an als reine Nadelbaumbestände. Laubbäume binden zudem Nitrat im Boden. Durch einen gezielten Waldbau kann somit die Grundwasserqualität verbessert werden.

Gezielte Holzschläge

Kahlschläge führen zu unerwünschter Nitratauswaschung aus dem Boden. Mit der Fällung einzelner Bäume und stetiger Naturverjüngung im Schutz der alten Bäume kann die Nitratbelastung minimiert werden. Zudem lagert das Stadtforstamt kein Holz im Einzugsgebiet von Quellen, da dadurch unnötig Nährstoffe ausgewascht werden könnten.

Bodenschutz

Der Einsatz schwerer Forstmaschinen führt zur Bodenverdichtung. Die Hohlräume im Waldboden werden reduziert und das Regenwasser kann schlechter versickern. Um den Boden zu schonen, hat das Stadtforstamt sogenannte Rückegassen angelegt. Die Forstmaschinen bewegen sich nur auf Waldstrassen und diesen Rückegassen. Der restliche Waldboden wird dadurch geschont. Um die Bodenverdichtung zu minimieren, werden zudem Arbeiten mit schweren Maschinen nur bei trockener Witterung ausgeführt.

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Rückegassen werden angelegt, um den restlichen Waldboden zu schonen (Bild: Stadtforstamt).

Titelbild: Einst speiste die Eschenbachquelle eine Quellfassung. Heute fliesst die revitalisierte Quelle wieder in den Eschenbach (Bild: Stadtforstamt).

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