Was haben der Götterbaum am Schadenmühleplatz, der Mammutbaum beim Theaterplatz und die Blutbuchen der Mellinger- und Römerstrasse gemeinsam? Richtig! Sie mussten alle 2024 gefällt werden. Wieso eigentlich? Dieser Umweltblog-Artikel befasst sich damit, wieso Stadtbäume sterben und warum sie gefällt werden müssen.

Unsere Stadtbäume haben eine grosse Wirkung auf das Stadtklima von Baden. Einerseits spenden sie im Sommer den nötigen Schatten und kühlen durch die Verdunstung von Wasser die Umgebung. Sie reinigen die Luft von Feinstaub und Schadstoffen und tragen zu einer angenehmen Aufenthaltsqualität bei. Sie haben einen positiven Einfluss auf unsere Psyche und steigern nachweislich das Wohlbefinden der stadtbewohnenden Bevölkerung. Unsere Bäume erbringen also täglich eine ganze Menge Dienstleitungen, die wir gratis konsumieren dürfen. Leider musste die Stadt Baden in den letzten Monaten von einigen wertvollen Bäumen Abschied nehmen.

Wieso sterben Bäume eigentlich?

Die Ursachen hinter dem Tod von Bäumen sind vielschichtig. In allen Lebensphasen kann die Konkurrenz mit anderen Pflanzen und Artgenossen zum langsamen Absterben eines Baumes führen. Dies ist dann der Fall, wenn die Verfügbarkeit von Licht, Wasser oder Nährstoffen so stark eingeschränkt wird, dass der Baum seine Biomasse nicht mehr ausreichend erhalten kann. Dies führt besonders bei jungen Bäumen in dichten Waldbeständen zu einem häufigen Absterben.

Wenn ältere, grosse Bäumen absterben, können die Ursachen dafür in schwächende und beitragende Faktoren eingeteilt werden. Mit schwächenden Faktoren sind abiotische Umweltfaktoren, wie beispielsweise Hitzestress, Wassermangel, Bodenversiegelung und Feinstaubbelastungen gemeint. Diese Faktoren können den Baum derart schwächen, dass seine natürlichen Abwehrmechanismen nicht mehr im Stande sind, beitragende Faktoren wie Insekten oder Pilze abzuwehren, die den Baum dann schlussendlich töten und seine Biomasse verwerten.

Oftmals wird die ohnehin schon sinkende Vitalität eines Baumes von einem bestimmten Ereignis deutlich verschlechtert. Dies nennt man den auslösenden Faktor. Besonders Hitzestress ist ein häufiger “auslösender Faktor” und kann eine rapide Verschlechterung des Gesundheitszustandes eines Baumes hervorrufen.

Etzold Faktoren Mortalität
Schematische Darstellung der Auswirkung von schwächenden und auslösenden Faktoren auf die Vitalität von Bäumen. Die obere Linie kennzeichnet den überlebenden Baum, die untere Linie den absterbenden Baum. Darstellung aus: Etzold, Sophia & Wunder, Jan & Braun, Sabine & Rohner, Brigitte & Bigler, Christof & Abegg, Meinrad & Rigling, Andreas. (2016). Mortalität von Waldbäumen: Ursachen und Trends.

Hitzestress: Ein auslösender Faktor

In heissen Sommermonaten wird bei erhöhter Sonneneinstrahlung die Photosynthese gesteigert. Für diese chemische Reaktion braucht es Wasser und das muss der Baum nun aus dem Boden in die Blätter transportieren. Bei andauernder Hitze wird das verfügbare Wasser im Boden immer knapper und der Baum muss das Wasser stärker aus dem Boden saugen. Er riskiert durch den starken Sog in seinem Wassertransportsystem (Xylem), dass die Wassersäule im Baum abreisst. Dies nennt man Kavitation und ist für den Baum äusserst gefährlich, denn zum einen kann die Wasserversorgung in den Ästen und Blättern nicht mehr gewährleistet werden. Andererseits entstehen in den Flüssigkeiten aufgrund des sehr tiefen Druckes Gasblasen. Diese Gasblasen implodieren und verflüssigen sich anschliessend in Bereichen höheren Druckes wieder, was das die Zellen des Baumes stark schädigen kann.

Will der Baum die Kavitation umgehen, muss er seine Photosyntheserate reduzieren und so den Unterdruck im Wassertransportsystem kontrollieren. Dies gelingt ihm, wenn er die Poren schliesst, die einen Effekt auf den Gasaustausch in den Blättern haben: die «Spaltöffnungen» oder «Stomata». So verdunstet weniger Wasser auf der Blattoberfläche, der Druck steigt wieder an und der Baum saugt weniger Wasser aus dem Boden.

Wenn der Baum allerdings seine Spaltöffnungen in den Blättern zu lange geschlossen hält und deswegen die Photosynthese stark reduziert ist, kann der Baum keinen Zucker produzieren, den er für die Versorgung seiner Zellen braucht. Er kann auch weniger Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen, da seine Wurzeln aufgrund des fehlenden Unterdrucks im Stamm keine Bodenlösung aufsaugen können. Über einen längeren Zeitraum verhungert der Baum also und kann kein neues Gewebe bilden. Es kommt also zu einem Wachstumsunterbruch und möglicherweise zum Absterben des Baumes.

Stadtbäume stehen vor immensen Herausforderungen

Stadtbäume sehen sich mit mehr Herausforderungen konfrontiert als Waldbäume. Da unsere Städte ein besonderes Klima aufweisen und tendenziell wärmer sind, geraten unsere Bäume eher in einen Hitzestress. Weil immer mehr Unterirdisch verbaut ist, beispielsweise Glasfaserkabel und neue Stromleitungen, wird der verfügbare Wurzelraum der Stadtbäume immer knapper. Auch Tiefbauarbeiten sind eine Gefahr für Stadtbäume: ohne Vorsichtsmassnahmen kann es zu Kappungen von Wurzeln oder Schäden an Baumstämmen kommen.
Bei solchen Bauarbeiten muss daher äusserst vorsichtig gearbeitet werden, da der Wurzelraum eines Baumes der anfälligste Bestandteil eines Baumes ist. Verletzungen an den Wurzeln, am Stamm oder auch in der Krone werden teilweise nicht bemerkt und können erst Jahre danach den Baum absterben lassen. Jede offene Stelle in der schützenden Rinde von Bäumen ist eine Eintrittspforte für Pilze und Insekten.

Invasive Neophyten

Ein weiterer Grund, wieso Bäume sterben, ist die Motorsäge. Gewollte Fällungen von Bäumen auf dem Stadtgebiet sind zwar selten. Führt der Baum aber zu mehr Schäden als ökologische Dienstleistungen, kann eine Fällung Sinn machen. Gerade invasive Neophyten, wie der Götterbaum oder der Blauglockenbaum können Schäden an der Infrastruktur anrichten und sind eine grosse Gefahr für die Biodiversität. Um die Ausbreitung dieser schädlichen Pflanzen einzudämmen, müssen beispielsweise auch langjährige Schattenspender, wie der Götterbaum am Schadenmühleplatz gefällt werden.

In der Stadt Baden werden Bäume nie leichtfertig gefällt, die Leistungen, die ein ausgewachsener Baum für uns zur Verfügung stellt, können auch nicht durch mehrere Neupflanzungen kompensiert werden. Bäume werden nur gefällt, wenn sie eine Gefahr für die Sicherheit sind oder ein invasiver Neophyt sind und die Biodiversität gefährden. Es ist das letzte Mittel, zuvor werden alle Alternativen ausgeschöpft.

Quellen:

 

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