Umweltblog

Eine Arche Noah für Äpfel in Baden

Biodiversität umfasst auch die genetische Vielfalt. Die ProSpecieRara-Anlage in Münzlishausen ist ein eindrückliches Beispiel für deren Erhalt: Damian Suter pflegt dort im Auftrag des Bundes 500 Apfelsorten.

Schwer beladen stehen sie in Reih und Glied, die Gala-Apfelbäume in der Obstanlage von Familie Suter. Aber nicht mehr lange. Heute beginnt die Ernte. Damian Suter instruiert gerade zwei Helferinnen. Welche Früchte sind pflückreif? Wieviel Makel wird toleriert, und wann taugt ein Apfel nur noch als Mostobst? Dann nimmt er sich Zeit, mir den ProSpecieRara-Obstgarten zu zeigen.

Obsternte

Die Ernte beginnt: Damian Suter instruiert die Helferinnen (Bild: Stadtökologie).

Damian Suter hat den Hof in Münzlishausen Anfang Jahr von seinem Vater Meinrad übernommen. Die Weiterführung des Familienbetriebs hat sich schon früh abgezeichnet. Der heute 28-Jährige hat nach der Lehre als Landwirt eine Weiterbildung im Obstbau gemacht und einige Jahre auf anderen Obstbaubetrieben Erfahrungen gesammelt. Nun hat Damian Suter die Verantwortung für 12 Hektar Obst- und Ackerbau und den Hofladen mit umfangreichem Sortiment. Mit dabei auch eine ganz besondere Anlage: der ProSpecieRara Sortengarten für den Erhalt der genetischen Vielfalt des Apfels. Doch auch hier steht ein Generationenwechsel an.

Der alte Sortengarten hat seinen Zweck erfüllt

Der 2003 aufgebaute Sortengarten diente vor allem der Aufzucht von Sämlingen, zur Wertung und Beschreibung der Sorten. Diese Arbeiten sind nun abgeschlossen und der Vertrag mit dem Bundesamt für Landwirtschaft ausgelaufen. Ohne die Beiträge des Bundes lohnt sich die Anlage für Suter nicht mehr. Sie wird im kommenden Winter einer neuen Ackerfläche weichen.

Der neue Sortengarten ist eine Apfel-Arche

Die Zusammenarbeit mit ProSpecieRara und dem Bund geht nun in eine neue Phase. In der vor drei Jahren angelegten Neu-Anlage wachsen 500 alte und neue Sorten, immer zwei Exemplare. Hier sind alle Bäume genetisch bestimmt, es ist eine Art Sortenbibliothek, oder eben eine Arche Noah für den Erhalt der genetischen Vielfalt bei Äpfeln. Sie dient auch als Ausgangslage für neue Züchtungen.

Es wird sicher speziell sein, nächstes Jahr anstelle des alten Sortengartens Getreide wachsen zu sehen. Aber die neue Sortensammlung gedeiht bestens, die Obstvielfalt in Münzlishausen bleibt also erhalten. Sie wird sogar noch deutlich grösser!

Damian Suter

Obstbauer in Münzlishausen

Ausstellung und Führungen im September

Jeweils Ende September lädt Familie Suter alle Interessierten zur Apfel-Ausstellung auf ihrem Betrieb ein. Schön präsentiert können Adamsparmäne, Bölleöpfel oder der Schweizer Breitacher angeschaut und die unglaubliche Vielfalt an Formen und Farben bestaunt werden. Auch Führungen und Degustationen direkt ab Baum werden angeboten (mehr dazu in der Agenda des Umweltblogs).

Wo gibts ProSpecieRara Obstbäume zu kaufen?

Wer die einzigartigen Aromen von Goldparmäne, Anna Späth oder Grünstieler geniessen möchte, baut sie am besten gleich selber an.

In Baden hat Toni Suters Baumschule ein grosses Sortiment an alten Obstsorten.

Weitere Baumschulen und Gärtnereien mit ProSpecieRara-Sortiment

 

Damian Suter

Alle Sorten sind veredelt: Der Goldendelicious-Stamm macht das Bäumchen resistent gegen viele Krankheiten. So verringert sich der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (Bild: Stadtökologie).

Damian Suter

Die Sorte Pink Pearl überrascht mit pinkem Fruchtfleisch und schmeckt köstlich (Bild: Stadtökologie).

ProSpecieRara setzt sich für die genetische Vielfalt ein

ProSpecieRara rettet die genetische und kulturhistorische Vielfalt der Kulturpflanzen und Nutztiere für künftige Generationen. Das tut sie gemeinsam mit einem schweizweiten Netzwerk von ehrenamtlichen Sortenbetreuer*innen und Züchter*innen.

Vor 100 Jahren gab es in der Schweiz weit über 3000 Obstsorten. Rund 1000 davon sind inzwischen definitiv verschwunden.
Die gut 1900 Obstsorten in der Obhut von ProSpecieRara gedeihen auf über 15’000 Bäumen in über 150 Obstgärten in der ganzen Schweiz. Diese gehören meist Privatpersonen. Das Ziel: Jede Sorte soll auf sechs Bäumen, die auf mindestens drei Standorte verteilt sind, wachsen. So wird der Erhalt der genetischen Vielfalt langfristig sichergestellt.

Beschreibungen und Bezugsorte von 500 Apfelsorten

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