Umweltblog

Sonderwaldreservat Sonnenberg – das Lebensraumparadies an sonniger Lage

Die Blätter verfärben sich allmählich bunt und der Wald hüllt sich in seine Farbenpracht, so auch im Sonderwaldreservat Sonnenberg. Das südexponierte Waldgebiet bietet sich für einen herbstlichen Spaziergang an. Es bezaubert durch seine vielfältigen und abwechslungsreichen Strukturen nicht nur Waldbesuchende. Viele wärmeliebende und lichtbedürftige Arten finden hier einen geeigneten Lebensraum.

Waldreservate

Das Sonderwaldreservat Sonnenberg ist eines der drei Waldreservate Badens. In den beiden Naturwaldreservaten Unterwilerberg und Teufelskeller wird der Natur freien Lauf gelassen. Im Sonderwaldreservat Sonnenberg ist dies anders. Zur Erhaltung und Förderung seltener Arten und Lebensräume werden spezifische Massnahmen ergriffen.

Die orangen Flächen zeigen die Gebiete des Sonderwaldreservats Sonnenberg (Karte: www.geoprosuisse.ch).

Das Sonderwaldreservat ist zentral gelegen und kann gut zu Fuss von der Badener Altstadt erreicht werden. Nördlich und südlich des Sonderwaldreservats grenzen die beiden Quartiere Allmend-Münzlishausen und Meierhof an. Im Westen grenzt das Gebiet an die Landwirtschaftsflächen der Baldegg, im Osten finden sich das Schloss Stein und Schartenfels. So bildet der Sonnenberg ein wichtiges regionales Vernetzungselement.

Wollen Sie eines der drei Waldreservate Badens besuchen und entdecken? Hier finden Sie alle Waldreservatsflächen eingezeichnet.

Die vielfältigen Strukturen im Sonderwaldreservat

Der Sonnenberg zeichnet sich durch seine Vielfalt an Strukturen und somit Lebensräumen aus. Ehemalige Steinbrüche, stufige Waldränder und lichte Wälder, artenreiche Wiesen sowie Altholzinseln kommen hier zusammen. Bei Altholzinseln handelt es sich um Flächen, die eine natürliche Waldentwicklung zulassen. Alle diese Strukturen bilden zusammen ein einzigartiges Lebensraummosaik und eine gute Voraussetzung für die Förderung der Biodiversität in Baden.

Altholzinseln mit liegendem Totholz (Quelle: Stadtforstamt)

Steinbruch mit lichtem Wald im Hintergrund (Quelle: Stadtforstamt)

Das Sonderwaldreservat ist mit vielen Kalkstandorten ausgestattet. Der nackte Kalkfelsen ragt immer wieder aus dem Boden heraus und wenig Humus ist vorhanden. Es sind deshalb sehr nährstoffarme Standorte. Durch die Südexposition ist das Gebiet zudem stark mit Sonne beschienen. So können hier licht- und wärmebedürftige Arten, aber auch Arten, welche einen nährstoffarmen oder kalkhaltigen Boden brauchen, vorkommen und gedeihen.

 

Obsternte

Kalkfelsen im Sonderwaldreservat Sonnenberg (Quelle: Stadtforstamt)

Umsetzung gezielter Massnahmen

Die Vielfalt dieser Strukturen ist für viele Arten sehr wertvoll. Um dieses Lebensraummosaik weiterhin zu erhalten, werden ganz unterschiedliche Massnahmen ergriffen. So wird zum Beispiel das Geisswiesli, eine artenreiche Waldwiese, regelmässig gemäht. Die lichten Wälder werden periodisch aufgelichtet. Keine Eingriffe hingegen werden bei den Altholzinseln gemacht. Dies ermöglicht, dass das Totholz liegen bleibt und wertvolle Lebensräume für verschiedene Pilz- und Insektenarten entstehen.

Einen Überblick über die verschiedenen Massnahmen finden Sie auf der Informationstafel des Sonderwaldreservats Sonnenberg.

Das Sonderwaldreservat bedarf also einigen Massnahmen, damit es in ihrer Einzigartigkeit bestehen bleiben kann. Dies gelingt nicht zuletzt dank der langjährigen finanziellen Unterstützung des Kantons Aargau und der Eglin Immobilien AG.

Vorkommende Arten

Viele Arten profitieren von den Bedingungen, die am Sonnenberg herrschen. Vier dieser Arten werden hier kurz vorgestellt.

Zypressenblättrige Wolfsmilch

Die Zypressenblättrige Wolfsmilch ist eine wohl eher unscheinbare Pflanze. Dennoch sollte man sie nicht unterschätzen, sie ist nämlich giftig. Sie kommt auf eher nährstoffarmen, neutral bis basischen und mässig trockenen Böden vor. Im Sonnenberg findet sie deshalb perfekte Voraussetzungen für ihr Wachstum. 

Türkenbund

Seine volle Pracht entfaltet der Türkenbund im Sommer, wenn er blüht – mit seinen grossen, purpurnen, gepunkteten Blüten ist er eine wahre Augenweide. Meist wächst er auf Kalk in Wäldern und Bergwiesen.

Zypressenblättrige Wolfsmilch im Herbst mit Kalkfels im Hintergrund (Quelle: Stadtforstamt)

Blüten des Türkebunds im Sommer (Quelle: pixabay)

Mauereidechse

Die Mauereidechse gehört zu den wenigen Reptilienarten der Schweiz. Sie kommt vor allem an südexponierten, sonnigen, steinigen und trocken-warmen Orten vor. Die Chancen, eine Mauereidechse im Herbst im Sonnenberg zu erblicken, stehen also gut. In dieser Jahreszeit sind diese zudem ganztägig aktiv.

Trauer-Rosenkäfer

Dieser Käfer mag sonnige Waldränder und blütenreiche Wiesen. Er zeichnet sich durch seine schwarze Färbung mit den auffälligen weissen Punkten aus. Der Trauer-Rosenkäfer gilt in der Schweiz als potenziell gefährdet.

Mauereidechse (Quelle: pixabay)

Trauer-Rosenkäfer (Quelle: pixabay)

Holzung an der Sonnenbergstrasse

Aufmerksamen Waldbesuchenden ist vielleicht aufgefallen, dass an der Sonnenbergstrasse seit kurzem ein Stückchen Wald weichen musste. Fichten, die nicht mehr lebensfähig waren, wurden gefällt. Dieses Fleckchen bietet aber schon bald jungen Eichen eine neue Heimat. Es ist die Fortsetzung eines Projektes, das letzten Herbst gestartet hat. Das Ziel ist es, Erfahrungen zu sammeln, wie klimafitte Baumarten im Badener Wald wachsen. Mehr dazu finden Sie in unserem Blogartikel „Zerr- und Flaumeichen auf der Baldegg“.

Holzschlag an der Sonnenbergstrasse (Quelle: Stadtforstamt)

Wollen auch Sie die Vielfalt des Badener Waldes entdecken? Ein Besuch im Sonderwaldreservat Sonnenberg lohnt sich auf jeden Fall.

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