Umweltblog

Wildnis im Teufelskeller

Wer in Baden Wildnis sucht, ist im Teufelskeller richtig. Felsentürme, hohe Bäume und Totholz, welches kreuz und quer liegt, sind typisch für das Naturwaldreservat, das nur 15 Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt ist.

Im Teufelskeller wird der Natur freien Lauf gelassen

 

Der Teufelskeller ist ein Naturwaldreservat. Hier wird kein Holz entnommen. Natürlichen Prozessen wird freien Lauf gelassen. Die Bäume werden alt und bleiben hier, bis ihre Stämme zerfallen und wieder zu Erde werden. Viele Pilze, Flechten und Insekten sind auf diesen Alterungsprozess angewiesen. Sie leben auf und in totem Holz, welches in Wirtschaftswäldern Mangelware ist. Käfer fressen sich durchs tote Holz. In ihren Bohrgängen wachsen Pilz- und Bakterienteppiche, die von Fliegen- und Mückenlarven abgefressen werden. Bohrgänge werden auch von Wildbienen genutzt, um ihre Eier abzulegen. Diese Insekten und Pilze sind wiederum Nahrung für grössere Tiere. Schwarzspechte fressen beispielsweise vor allem Insekten, die sie aus dem Totholz picken. Das Totholz, welches hier kreuz und quer liegt, erhöht also die Biodiversität.

Teufelskeller_Eichen_08

​Totholz ist ein wichtiges Element im Ökosystem des Waldes.

Einzigartige Landschaft durch Felssackung

 

Die Geologie im Teufelskeller ist augenfällig. Felsentürme aus nagelfluhähnlichem Gestein stehen zwischen den Bäumen. Wie sind diese entstanden? Mit dem Ende der Eiszeit vor 100’000 Jahren zog sich der Riss-Gletscher aus Baden zurück. Danach glitten die nagelfluhähnlichen Deckenschotter auf dem feuchten Mergeluntergund der Baregg ab. Es entstand eine einzigartige Landschaft mit Felstürmen, Blockschutthalden, Spalten und unterirdischen Höhlen. Die spezielle Geologie schafft auch spezielle Lebensräume für spezielle Arten: Auf Blockschutthalden wächst beispielsweise das seltene Hirschzungenfarn.

Obelisk_Teufelskeller

Eindrücklich steht der Obelisk zwischen den Bäumen.

Noch heute prägt der Rutschhang den Teufelskeller. Im unteren Bereich sammeln sich Nährstoffe an. Daher wachsen hier die höchsten Bäume im Badener Wald – 50m hoch ragen sie in den Himmel. Auf der Kuppe oben ist der Boden mager, die Bäume werden weniger hoch. Auf diesem kargen und exponierten Standort finden sich zwei botanische Highlights: Besenheide und Besenginster.

Besenginster_Teufelskeller

Besenginster ist ein hoher Strauch mit grünen gefurchten Trieben.

Natürliche Wiederbewaldung nach Lothar

 

Hinter der Kuppe der Baregg liegt auch eine Lothar-Sturmfläche. Sie wurde nach dem Sturm so belassen wie sie war. Die Spuren des Orkans sind bis heute sichtbar: Hügel durch umgeworfene Wurzelteller, jede Menge Totholz und geknickte Bäume, die wieder ausgetrieben sind. In den 20 Jahren seit dem Sturm ist bereits wieder ein dichter Jungwald gewachsen. Hier wachsen Pionierbaumarten wie Birken und Pappeln. Sie sind im natürlichen Bewaldungsprozess die Baumarten, die als erste wachsen.

Lothar_Teufelskeller

Ein Trampelpfad führt durch den jungen Wald, der nach dem Sturm hier gewachsen ist.

Geniessen Sie den Herbstwald im Teufelskeller. Dieser eindrückliche Wald ist ein Besuch wert!

 

Den Lieblingsspaziergang der Stadtoberförsterin durch den Teufelskeller finden Sie in diesem Artikel.

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