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Borkenkäfer – auch in Baden

Der Buchdrucker, unser häufigster Borkenkäfer, befällt normalerweise kränkelnde Fichten. Durch Sturmschäden oder Trockenheit kann er sich aber rasant vermehren und auch gesunde Fichten zum Absterben bringen. Durch den Klimawandel verschärft sich die Situation.

Es gibt viele verschiedene Borkenkäfer, die verschiedene Baumarten befallen. Der häufigste Borkenkäfer bei uns ist der Grosse Buchdrucker (Ips typographus). Er befällt hauptsächlich Fichten.

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Der Grosse Buchdrucker ist der wirtschaftlich bedeutendste Borkenkäfer in Mitteleuropa (Bild: Wikimedia commons).

Erst die Massenvermehrung macht Borkenkäfer zum Problem

 

Borkenkäfer gehören zu Waldökosystemen dazu. Sie besiedeln normalerweise kränkelnde Bäume und machen das Holz für andere Insekten und Pilze zugänglich. Gesunde Fichten können sich durch Harzfluss gegen einzelne Buchdrucker wehren. Borkenkäfer werden auch durch Gegenspieler wie parasitische Wespen oder Spechte in Schach gehalten.

Dieses Gleichgewicht wird durch Ereignisse wie Stürme oder Trockenheit gestört. Dann können Borkenkäfer zur Massenvermehrung übergehen:

Sturm: Nach einem Sturm ist durch umgeworfene Bäume plötzlich ein riesiges Nahrungsangebot vorhanden, wodurch sich viele Käfer entwickeln können.

Trockenheit: Bei Trockenheit sind Fichten geschwächt und können weniger Harz zur Abwehr produzieren. Zusätzlich können sich Buchdrucker bei warmen Temperaturen am besten entwickeln. So können Buchdrucker Fichten leicht übermannen.

Durch die Massenvermehrung nimmt die Anzahl Buchdrucker extrem zu. Sie sind nicht mehr in Schach zu halten und überwältigen dann auch gesunde Fichten.

 

 

Wodurch bringen Buchdrucker Fichten zum Absterben?

 

Buchdrucker sind Rindenbrüter. 30-60 Eier werden in einem Brutgang unter der Borke abgelegt. Kaum sind die Larven geschlüpft, fressen sie sich weg vom Brutgang. So entsteht das typische Muster, welches dem Buchdrucker seinen Namen gegeben hat.

Borkenkäfer_Frassgänge_klein

Hier ist in der Mitte der Brutgang zu sehen, wovon unzählige Frassgänge der Larven ausgehen.

​Hier beginnt das Problem: Die Larven fressen sich durch den Bast. Das ist die Schicht unterhalb der Borke, wo Zucker von den Blättern zu den Wurzeln transportiert wird. Viele gefrässige Larven unterbrechen durch ihre Frassgänge den Zuckerstrom im Baum. Dadurch stirbt er ab.

Nachdem sich die Larven unter der Rinde zum Käfer verpuppt haben, fressen sie weiter. Die Rinde löst sich vom Stamm und es wird bald zu eng. Dann schwärmen die geschlechtsreifen Käfer aus, um neue Bäume zu besiedeln. Da die meisten Fichten in Monokulturen stehen, ist der Weg nicht weit. In der nächsten Fichte werden neue Eier abgelegt, worauf bald die nächste Generation schlüpft.

Die gesamte Entwicklungsdauer der Buchdrucker beträgt sieben bis zwölf Wochen. In sehr warmen Jahren können sich zwei oder sogar drei Generationen entwickeln.

Genaueres zur Biologie des Buchdruckers lesen Sie auf der Homepage der WSL.

 

 

Der Klimawandel macht den Fichten im Mittelland zu schaffen

 

Fichten sind bei uns im Mittelland gebietsfremd. Ihr natürlicher Standort sind höhere Lagen. Sie wurde für die Holzproduktion bei uns angepflanzt. Besonders durch den Klimawandel macht es im Mittelland keinen Sinn mehr, auf Fichte zu setzen.

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Wenn Fichten umgeworfen werden, ist erkennbar, wie oberflächlich sie wurzeln (Bild: Schmidtli, Wikimedia commons)

Als Flachwurzler hat die Fichte einige Schwierigkeiten: In Trockenheitsperioden sitzt sie schnell einmal auf dem Trockenen und bei Sturm kann sie sich nicht gut festhalten. Gerade solche Ereignisse nehmen durch den Klimawandel zu. Zusätzlich führen die steigenden Temperaturen auch dazu, dass sich der Borkenkäfer noch rasanter entwickelt. Die Situation um die Fichten verschärft sich.

 

 

Welche forstwirtschaftlichen Einbussen bringt Buchdruckerbefall mit sich?

 

Befallene Fichten müssen so schnell wie möglich gefällt werden, um zu verhindern, dass die Käfer neue Bäume besiedeln. Um die Entwicklung der Käfer zu stoppen, muss das Holz entrindet oder verarbeitet werden. Dieser Aufwand überschreitet bereits den Erlös, der mit dem Holz erwirtschaftet werden kann.

Die Situation für Käferholz auf dem Holzmarkt ist schwierig. Zwar beschädigt der Buchdrucker das Holz kaum, da er dicht unter der Borke lebt. Es kann immer noch als Bauholz genutzt werden. Allerdings muss es rasch verkauft werden. Hier stellt sich nun das grosse Problem: Da Trockenheit und Stürme an vielen Orten gleichzeitig zur Massenvermehrung des Buchdruckers führen, ist der Markt mit Käferholz geflutet. Der Preis sinkt und es ist schwierig, das Holz überhaupt zu verkaufen.

Ein weiterer wirtschaftlicher Verlust entsteht dadurch, dass befallene Fichten unter Umständen noch nicht den idealen Durchmesser erreicht haben. Das Holz muss genutzt werden, bevor die Bäume „ausgewachsen“ sind. Dadurch kann weniger Holz geerntet werden, als ursprünglich geplant war.

 

 

Situation in Baden

 

Im Badener Wald macht die Fichte knapp 20% des Gesamtvorrates aus. Damit ist sie nach der Buche die zweithäufigste Baumart.

Die Forstwarte des Stadtforstamtes sind immer wachsam, um Käfernester, also befallene Fichtengruppen, frühzeitig zu entdecken. Vor kurzer Zeit wurde unterhalb der Chanzle ein Käfernest entdeckt und entfernt. In Baden wird das meiste Käferholz direkt in die Energiezentrale gebracht, wo es zu Holzschnitzeln verarbeitet wird. Der Erlös ist gering. Trotzdem ist es für das Stadtforstamt eine gute Lösung. Die Kosten fürs Entrinden können so gespart werden und das Holz muss nicht weit transportiert werden.

Nach dem Holzschlag werden die sogenannten Käferlöcher natürlich verjüngt. Dies bedeutet, dass die Bäume, die von alleine wachsen, gefördert werden. Diese Bäume sind an den Standort angepasst. Gibt es keine Naturverjüngung, werden meistens Eichen gepflanzt. Das Stadtforstamt setzt auf eine vielfältige Baumartenzusammensetzung, denn so entsteht weniger Schaden, wenn eine Baumart ausfällt. Dadurch entsteht ein stabiler Wald für die Zukunft.

 

 

Blieben bei Ihnen doch noch Fragen rund ums Thema Borkenkäfer offen? Dann stellen Sie diese gerne als Kommentar!

 

Fotos wenn nicht angegeben: Nici Jost, Stadtfotografin 2019/2020

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