Swiss Overshoot Day: Der Tag, an dem die Ressourcen der Schweiz aufgebraucht sind
Am 11. Mai erreicht die Schweiz den sogenannten «Swiss Overshoot Day». Ab diesem Tag haben wir rechnerisch die natürlichen Ressourcen verbraucht, die uns für ein ganzes Jahr zur Verfügung stehen würden und leben für den Rest des Jahres auf Pump. Zum Vergleich: Letztes Jahr fand er am 7. Mai statt. Weltweit findet der World «Overshoot Day» am 1. August statt. Der Tag soll uns daran erinnern, wie hoch der Ressourcenverbrauch der Schweiz ist und dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Trendwort ist.
Er findet für Katar schon am 4. Februar und für Honduras erst am 27. November statt. Der «Overshoot Day», auf Deutsch «Überlastungstag», markiert den Tag, an dem ein Land mehr natürliche Ressourcen verbraucht hat, als ihm für ein ganzes Jahr zur Verfügung stehen. Die Schweiz wird ab dem 11. Mai bis Ende Jahr 2,5-mal mehr konsumiert haben, als sie zugute hat.
Wie wird der Overshoot Day berechnet?
Um den Overshoot Day zu berechnen, analysiert das Global Footprint Network für jedes Land und die gesamte Erde, wie viel biologisch produktive Fläche benötigt wird. Diese Flächen werden beispielsweise für die Produktion von Lebensmittel und Holz, für Siedlungen und Verkehr sowie für die Aufnahme von vom Menschen verursachtes CO₂ genutzt. Die benötigte Fläche wird mit der Kapazität der Erde verglichen, mit welcher sie Ressourcen aufbauen und Emissionen aufnehmen kann.
Wann ein Overshoot Day stattfindet, hängt nicht direkt davon ab, wie gut es der Umwelt in einem Land geht. In eher ärmeren Ländern besteht nur ein begrenzter Zugriff auf Konsumgütern, was automatisch zu einem geringeren Konsumverhalten führt. So gibt es gewisse Länder wie beispielsweise Bangladesh, die so wenig Ressourcen pro Person verbrauchen, dass sie keinen Overshoot Day haben.
Der ökologische Fussabdruck erklärt
Der Overshoot Day steht in engen Zusammenhang mit dem ökologischen Fussabdruck. Während der Overshoot Day zeigt ab welchem Datum wir unsere Ressourcen verbraucht haben, gibt der ökologische Fussabdruck darüber Auskunft, wie viele Erden wir benötigen. Aktuell benötigt die gesamte Erdbevölkerung rund 1,8 Erden. Er setzt sich zusammen aus:
- der erforderlichen Waldfläche zur Kompensation der fossilen CO₂-Emissionen,
- der direkten Landnutzung (Ackerland, Weideland, bebaute Flächen) und
- der Fläche an Fischgründe (Meere, Binnengewässer).
Nicht alle Umweltaspekte werden berücksichtigt. So fehlt beispielsweise der Verbrauch von Süsswasser. Der Fussabdruck gibt deshalb einen groben Anhaltspunkt und unterschätzt den tatsächlichen Ressourcenverbrauch eher.

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Leben über dem Limit
Was passiert eigentlich, wenn wir unseren Lebensstil von rund 1,8 Erden nicht verändern? Die Auswirkungen davon spüren wir bereits heute. Gemäss der «European Environment Agency» liegt die Durchschnittstemperatur der Schweiz bereits 2 °C über den vorindustriellen Temperaturen.
Auch die Biodiversität steht unter Druck. Ein Drittel der in der Schweiz vorkommenden Arten und sogar die Hälfte der Schweizer Lebensräume wie Hochmoore und Trockenwiesen sind vom Aussterben bedroht. Ein Sinnbild für diesen Verlust ist das Braunkehlchen. Während diese Vogelart vor rund 100 Jahren in der ganzen Schweiz verbreitet war, kommt es heute nur noch in Lagen zwischen 1600 und 2100 Metern über Meer verbreitet vor. Das Braunkehlchen benötigt strukturreiche, extensive bewirtschaftete Wiesenlandschaften. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und dem Verlust von extensiv bewirtschafteten Flächen durch Überbauung sind diese Lebensräume vielerorts verschwunden.
Bleibt der Ressourcenverbrauch auf dem Niveau 2026, werden weitere Lebensräume verloren gehen. Zudem werden die Temperaturen weiter steigen und der Druck auf natürliche Ressourcen nimmt zu. Das hat auch Auswirkungen auf Städte wie Baden. Häufigere Hitzeperioden verändern die Anforderungen an Grünflächen. Baumarten wie die Rotbuche (Fagus sylvatica) reagieren empfindlich auf mehrmonatige Sommertrockenheit und sind so anfälliger auf Krankheiten und Parasitenbefall.

Der Ausweg aus der Schuldenfalle
Es ist tatsächlich gar nicht mal so schwierig, etwas dafür zur tun, dass der Swiss Overshoot Day wieder nach hinten rückt. Das Global Footprint Network publiziert neben den Earth Overshoot Days auch Möglichkeiten, um den eigenen Overshoot Day nach hinten zu verschieben. Es gibt also einen Ausweg aus der Schuldenfalle. Unter #MoveTheDate präsentieren sie über 100 verschiedene Massnahmen.
Eine davon ist beispielsweise das Unterstützen von lokalen und seltenen Sorten und Nutztierrassen, etwa über Labels wie «ProSpecieRara». Damit rückt der Overshoot Day nämlich schon 2,2 Tage weiter nach hinten. Auch im Fashion-Bereich können ein paar Tage gut gemacht werden. Durch den Kauf von Second-hand Kleidung anstatt Neuware oder Upcycling können 5 Tage gespart werden. Dafür lohnen sich neben Secondhand-Länden auch Events wie den Walk in Closet zu besuchen. Wenn es Neuware sein muss, lohnt es sich einen Blick auf Marken zu werfen, die zirkulär produzieren. Das bedeutet, dass sie ausgetragene Kleidung zurücknehmen und diese recyceln.
Städte und Dörfer können ebenfalls Massnahmen ergreiffen. Beispielsweise können Städte sich in “Smart Cities” umwandeln, in dem sie gezielt den Solarausbau fördern und Energie lokal speichern. Damit wird der Overshoot Day total 1.5 Monate nach hinten verschoben. Das Pflanzen von Bäumen innerhalb vom Siedlungsgebiet sorgt für ein kühleres Klima. Das verschiebt den Overshoot Day ebenfalls.
Eine Übersicht, wie man einfacher unseren Overshoot Day nach hinten verschieben kann, gibt die Karte vom Global Footprint Network. Darauf werden Unternehmen und Projekte gezeigt, welche sich positiv auf unsere Ressourcenbilanz auswirken.
Weiterführende Links zum Thema
Bundesamt für Umwelt: mehr zum Umwelt-Fussabdruck und Ressourcenverbrauch
Kanton Aargau: Infos zur Nachhaltigen Entwicklung
Earth Overshoot Day: Webseite
Global Footprint Network: Webseite


