Umweltblog

Wo auf der Allmend die Mönchsgrasmücken baden

Monika und Pius Tschirky haben keinen reinen Naturgarten. Trotzdem bieten sie mit Nistplätzen für Vögel und Insekten, mit Blumen, die sie versamen lassen und weiteren vielfältigen Strukturen einen Lebensraum für Kleintiere.

Ich musste nicht lange suchen, um zu erkennen, wo Monika und Pius Tschirky wohnen: Im Haus mit der riesigen Kletterrose beim Eingang. Spontan bin ich schnell auf die Allmend hochgeradelt, um die Blütenpracht noch vor dem grossen Regen zu sehen. Unzählige weisse, herrlich duftende Blüten schmücken die Einfahrt und zahlreiche Insekten sammeln hier emsig Nektar und Pollen. Wie gut, dass sie hier im Garten auch Nistplätze finden. Verschiedene Wildbienenhotels stehen auf der Fensterbank neben dem Sitzplatz. Da Wildbienen nicht stechen, muss man sich keine Sorgen machen und kann die Tiere aus nächster Nähe beobachten.

Mindestens fünf verschiedene Wildbienenarten konnten die Tschirkys hier schon beim Nisten beobachten.

Pius Tschirky hat Holzscheiter mit verschiedengrossen Bohraufsätzen angebohrt. Die hell ausgefüllten sind bereits belegt.

Beobachten und Fördern was da ist

Auch in der Holzbeige haben sie einige angebohrte Hölzer platziert. Hier haben sie beim Holzholen letzten Winter drei Rauhaut-Fledermäuse gefunden. Wie tiefgefroren seien sie gewesen, aber lebend. Sie haben sich Rat bei Andres Beck, dem Fledermausbeauftragten des Kantons, geholt und die Fledermäuse in eine andere Holzbeige umgesiedelt. Darauf hat Pius Tschirky aus alten Weinkisten zwei Fledermauskästen gebaut.

 

Die Tschirkys beobachten und unterstützen das, was sie entdecken. So haben sie beispielsweise bemerkt, dass sie die meisten Blindschleichen auf der Ostseite des Hauses sehen. Deswegen haben sie dort zusätzlich einige Steine und Bretter hingelegt, worunter sich die Blindschleichen verkriechen können.

Seit kurzem hängt der Fledermauskasten hoch oben unter dem Dach.

Efeu ist ökologisch wertvoll, da er zu anderen Zeiten blüht und Früchte trägt

In einer Ecke thront ein Birnbaum, der älter als das Haus ist. Oder müsste ich besser sagen: Da thront ein Efeu? Der Efeu hat den Baum für sich eingenommen. Dieser kann gerade noch seine Äste rausstrecken, um etwas Sonnenlicht abzubekommen. Efeu ist ökologisch sehr wertvoll, weil er im Herbst blüht und im Frühjahr Beeren trägt. Viele Insekten und Vögel profitieren von diesen Blüten und Beeren in Zeiten, wo diese an anderen Pflanzen wenig vorkommen. Tschirkys haben jetzt weniger Mostbirnen, dafür ein dichtes Geäst, wo sich Grünfinken, Mönchsgrasmücken und Amseln wohlfühlen. Als Mitglied des NAVO Baden freut das Pius Tschirky ganz besonders.

 

Nicht alle Mitglieder der Mönchsgrasmückenfamilie trauen sich ins Wasser

Im Sommer bildet das Vogelbad im Staudenbeet einen wahren Hotspot für Vögel. Den eindrücklichsten Besuch haben sie von einer achtzähligen Mönchsgrasmückenfamilie erhalten. „Es war lustig zu beobachten: Wir konnten ganz unterschiedliche Charaktere ausmachen. Während die einen schon lange plantschten, sassen andere immer noch zögerlich am Rand“, erzählt Pius Tschirky. Gerade in Trockenheitsperioden sind Tränken im Garten eine wichtige Wasserquelle für Wildtiere. Wie Sie eine Insektentränke basteln, erfahren Sie in diesem Artikel auf dem Umweltblog.

Dank dem flachen Stein im Wasser können hier auch Insekten trinken, ohne die Gefahr zu ertrinken.

Wir ergänzen uns: Er schaut in den Himmel und sieht die Vögel und ich schaue auf den Boden und sehe die Blumen.

Monika Tschirky

Pflanzen versamen zu lassen bringt schöne Überraschungen

Monika Tschirkys Freude an den Pflanzen spüre ich. Als Kind hat sie im Nutzgarten ihrer Mutter mitgeholfen – nicht immer freiwillig. Die Liebe zum Gärtnern ist trotzdem hängen geblieben und als sie dann ihren eigenen Garten hatte, konnte diese Liebe wieder aufblühen.

Sie erzählt, dass sie Pflanzen gerne versamen lässt. Das nennt man „Blackbox Gardening“. So gibt es immer wieder Überraschungen. Durch Versamen wächst alles da, wo der Standort am besten passt. „Es kommt einfach nicht alles da, wo ich will“, schmunzelt Monika Tschirky.

Durch das Versamen sieht das Staudenbeet jedes Jahr etwas anders aus.

Die Königskerze vor dem Haus ist eine schöne Überraschung.  

Damit Blumen versamen können, muss man sie stehen lassen, bis die Samen reif sind. Bei Tschirkys wird der Garten daher erst im Frühling zurückgeschnitten. Das hat viele weitere Vorteile: Insekten können in Pflanzenstengeln überwintern und Vögel sind im Winter dankbar, an den Samenständen noch ein paar Samen zu finden.

 

Einen perfekten Rasen möchten wir nicht mehr

Ihr Garten ist ein Mix aus alt und neu. Es stehen noch einige Ziersträucher ihrer Vorgänger. Früher haben sie nicht viel über naturnahes Gärtnern gewusst. Je länger je mehr versuchen sie, ihren Garten naturnäher zu gestalten. So finden im Staudenbeet immer mehr einheimische Pflanzen ihren Platz. Auch bewässern sie den Rasen nicht mehr und mähen ihn seltener. Dadurch ist er vielfältiger geworden und so gefällt er ihnen besser. Die Margeriten, welche Monika Tschirky einmal am Rand gesetzt hatte, konnten sich in der Wiese ausbreiten. Und auch wenn der Rasen im Sommer mal braun ist, wird er bei Regen bald wieder grün.

Ein Blumenrasen macht weniger Arbeit und bereitet Tier und Mensch Freude.

Die Margeriten werden, auch wenn sie verblüht sind, noch stehen gelassen. Nur so können sie versamen.

LUST, DEN EIGENEN GARTEN AUCH NATURNAH ZU GESTALTEN?

Mission B liefert 10 Tipps für einen naturnahen Garten

Auf naturimgarten.ch finden Sie viele Links und Infos, wie Sie Ihren naturnahen Garten planen und gestalten.

Bei einem Glas selbstgemachtem Holunderblütensirup liessen wir meinen Besuch ausklingen. Danach sauste ich mit einem Lächeln auf den Lippen wieder in die Stadt hinunter.

 

Schauen Sie sich auch noch die anderen Gärten an, wo ich zu Besuch war:

Wo in Ennetbaden die Ameisenlöwen wohnen
Wo im Ziegelhau die Frösche quaken

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