Umweltblog

Wo im Ziegelhau die Frösche quaken

Das Herzstück ihres Gartens ist der Teich: Durch ihn hat Familie Timcke ein wahres Paradies für Tier und Mensch geschaffen. Asthaufen, Bäume, Hecken und ein bisschen Unordnung sorgen für eine Vielfalt an Lebensräumen.

Mama, ich gang nüm in Teich. Det hets Wasserschlange!

Beas Sohn, nach dem Schneiden der Wasserpflanzen

Ja, sogar Ringelnattern waren schon zu Besuch. Familie Timckes Garten bietet nicht nur Erholungsraum für die Familie – er bietet auch vielen Tieren ein Zuhause. Bei meinem Besuch wimmelte es im Teich von Kaulquappen: Die grossen werden Erdkröten und die kleinen Grasfrösche. Ab und zu sehe ich einen Molch beim Luftholen. Und schnell taucht er wieder ab. Wasserläufer flitzen über die Wasseroberfläche, Rückenschwimmer paddeln durchs Wasser und Libellen surren in grossen Bogen von Halm zu Halm. Die Familie hat hier ein kleines Paradies geschaffen.

Vom Tümpel zum vielfältigen Teich

Als die Familie hier einzog, war der Teich ein Tümpel voller Algen und Wasserlinsen. Für Bea war klar: Der Teich muss weg! Als dann aber im ersten Frühling ein Entenpaar zu Besuch kam, war es um sie geschehen. Erst dann merkte die Familie, wie viel Leben im Teich ist. Sie begannen zu beobachten, was alles vorhanden ist. So begannen sie, sich damit auseinanderzusetzen, was dieses Biotop benötigt. Beim Projekt „Natur findet Stadt“ haben sie den Tümpel mit Hilfe des Naturgärtners Hans Sigrist in einen vielfältigen Lebensraum verwandelt. Er hat sie beraten und den Teich neu gestaltet und bepflanzt. Bea betont, wie wertvoll es für sie war und auch immer noch ist, professionelle Unterstützung zu haben. Naturgarten-Fachbetriebe kennen Bodentypen und Standorte. Sie wissen, was wo wächst und was nicht. So kann man sich viel Mühe sparen.

Hier könnte ich stundenlang sitzen und das Kreuchen und Fleuchen beobachten: Bea hat ein wahres Paradies für Mensch und Tier geschaffen.

Nach dem Anlegen ist aber nicht alles getan: Der Teich muss gepflegt werden. Bea passt auf, dass er nicht zuwächst und dass der Pegel in trockenen Zeiten nicht zu tief wird. Zudem achtet sie darauf, dass der Teich nicht kippt. Das passiert, wenn im Wasser zu viele Nährstoffe sind und dadurch zu viele Algen wachsen. Bea hat mittlerweile ein gutes Auge dafür, wie es um den Teich steht. Das Gleichgewicht im Teich stellt sie ohne Wasserpumpe sicher. Um dem Teich Nährstoffe zu entziehen, fischt sie ab und zu Algen und Wasserlinsen heraus. Sie schichtet sie am Rand vom Teich auf, damit die Wasserschnecken wieder zurück in den Teich kriechen können. Wasserschnecken halten den Teich sauber, indem sie abgestorbene Pflanzenteile und Algen fressen. Der Algenhaufen am Rand des Teiches bietet zudem Unterschlupf für Mölche und andere Krabbeltiere.

Als der Lockdown beschlossen wurde, ging bei den Fröschen gerade das grosse Schätzele los. Von wegen Social Distancing!

Bea Timcke

Abends sitzt sie gern am Teich und lauscht den Fröschen. Dann kann sie die Fledermäuse beobachten, die über dem Teich Insekten nachjagen. Für sie hat Beas Familie in einen Fledermauskasten investiert, der auch im Winter genug warm bleibt. Kaum hing der Kasten, sind die Fledermäuse eingezogen.

Der Fledermauskasten hängt an der Sonnenseite des Hauses.

Beas Familie hat in ein teures Modell investiert. Dafür können die Fledermäuse hier Überwintern.

Lieber unperfekt dafür lebendig

Beas Garten ist nicht perfekt – das soll er auch nicht sein. Den Grund hat sie am eigenen Leib erfahren: Als sie mit ihrem Mann einen alten Komposthaufen aufgelöst hat, nur damit das Plätzli frei ist, kamen darunter viele Krabbeltiere hervor. Ihnen haben sie den Unterschlupf genommen – nur damit aufgeräumt ist! Das ging ihr ans Herz. Sie hat gelernt, dass auch unordentliche Ecken einen Nutzen haben. So lagert sie dort jetzt Schnittgut aus dem Garten. Darunter können sich Blindschleiche und Co. wieder verkriechen.

Es muss nicht alles bützlet sein: Unordnung ist eine Chance für die Natur, sich zu entwickeln.

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Haufen sind eine super einfache Möglichkeit, Kleintieren einen Unterschlupf zu bieten. Darüber haben wir auch im Umweltblog schon berichtet. Beas Sohn Jann, der im Garten tatkräftig mithilft, hat vor wenigen Wochen mehrere Asthaufen gebaut. Das hat sich aus einem guten Zufall ergeben: Ein befreundeter Naturgärtner war gerade da, als jede Menge Schnittgut anfiel. Er zeigte Jann, wie die Asthaufen richtig konstruiert werden. Man wechselt beim Aufschichten zwischen dünnem und sperrigem Schnittgut ab. So entstehen verschiedengrosse Zwischenräume. Dadurch finden Bildschleichen, aber auch Igel eine passende Stelle zum Reinschlüpfen.

Schnittgut lässt sich direkt in einen Asthaufen umwandeln. Wenig Aufwand mit grossem Nutzen!

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In Beas Garten verändert sich immer wieder etwas

Ein Sturm hat den Goldregen aufs Dach der Nachbarn befördert. Obwohl sie die Blüten des Goldregens so gerne mochte, pflanzte sie stattdessen etwas standortgerechtes: einen schwarzen Holunder. Auch dieser blüht prächtig und sie kann aus den Blüten und Beeren sogar noch Sirup machen. Das wunderschöne Holz des Goldregens lagert jetzt an der Hauswand und bietet Wildbienen einen Unterschlupf. Bei meinem Besuch sah ich gerade eine Blaue Holzbiene, die zwischen die Holzrugel reinflog. Sie nistet in totem Holz an warmen Stellen. Da ist sie hier genau richtig.

Vom neu gepflanzten Schwarzen Holunder konnte Bea bereits den ersten Sirup machen.

Durch das dunkle Kernholz sind die Holzrugel des Goldregens sehr dekorativ. Gleichzeitig bieten sie auch Wildbienen eine Nistmöglichkeit.

Bea hat ein gutes Auge fürs Wichtige und lässt anderes auch mal sein. Vor einigen Jahren hat sie von Hans Sigrist den Staudenknöterich ausgraben lassen. Das muss mehrere Jahre hintereinander gemacht werden, weil jedes kleinste übersehene Stückchen wieder austreibt. Auch den Kirschloorbeer hält sie im Zaum: Sie schneidet ihn regelmässig und schaut, dass er nicht versamen kann. Ziel wäre, ihn zu entfernen. Das ist ein grosser Aufwand! Solange der Kirschloorbeer in den Gärten links und rechts weiterhin wächst, lohnt sich das nicht.

 

Es war mir eine Freude, Beas Garten zu besichtigen. Da möchte ich gleich selber Hand anlegen.

LUST AUF ETWAS WILDNIS IM GARTEN?

GEO zeigt 4 Grundsätze für naturnahe Gärten, die bereits einen grossen Unterschied machen.

Schauen Sie sich auch noch die anderen Gärten an, wo ich zu Besuch war:

Wo in Ennetbaden die Ameisenlöwen wohnen
Wo auf der Allmend die Mönchsgrasmücken baden

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