Umweltblog

Waldumgang der Ortsbürger

Der Klimawandel mit wärmeren und trockeneren Sommern und die Auswirkungen auf das Ökosystem Wald waren die Themen des Waldumgangs der Ortsbürgergemeinde Baden vom 19. Juni 2021.

Die beiden letzten Waldumgänge konnten wegen des Corona Virus nicht durchgeführt werden. Umso mehr freute sich Georg von Graefe, der neue Stadtoberförster, zahlreiche Teilnehmende begrüssen zu können. Start war auf der Baldegg, es folgte eine Wanderung auf dem Müseren Plateau bevor es beim Rastplatz Schwabenberg die wohlverdienten Getränke sowie den Imbiss gab. An vier Waldstationen lud Georg von Graefe die Teilnehmenden ein, den Wald zu betrachten, bevor er die Klimatauglichkeit des konkreten Waldes erläuterte.

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Begrüssung durch Georg von Graefe auf der Baldegg

Der Wald der Zukunft besteht aus verschiedenen Baumarten

Forstfachleute beschäftigt schon lange, welche Bäume mit den veränderten Lebensbedingungen in Zukunft am besten zurechtkommen werden. Fichten und Buchen haben mit der trockenen Witterung zunehmend Mühe. Die Eiche hat viel Potential, die neue Hauptbaumart zu werden. Wichtig ist, dass möglichst viele Baumarten vorhanden sind, damit eventuelle Ausfälle kompensiert werden können. Das Klima kann je nach Szenario im Jahr 2100 in unserer Gegend ungefähr so sein, wie heute in Oberitalien.

Deshalb wurden auf dem sonnigen, aber trockenen Gebiet entlang der Langenmarchsteinstrasse letzten Herbst klimafitte Flaum- und Zerreichen gepflanzt aus Gebieten mit kalkigen und trockenen Böden. Die Flaumeichen stammen aus der Gegend von Twann-Lüscherz am Bielersee sowie aus Leuk im Wallis. Die Unterseite der Blätter der Flaumeiche sind leicht behaart, ein bewährtes Mittel um die Verdunstung von Wasser zu reduzieren. Die Zerreichen kommen aus dem Tessin, auch sie sind trockenheitsresistent. Die Pflanzung muss aufwändig angelegt, gepflegt und geschützt werden. Dieses Projekt konnte dank einer Jubiläumsspende der Firma Peterhans, Schibli aus Fislisbach umgesetzt werden.

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Pflanzung Flaum- und Zerreichen

Pius Moser, Teamleiter Forst

Weiher als wichtiger Lebensraum

Beim Müseren Plateau handelt es sich ursprünglich um einen feuchten Standort mit saurem Boden. Dieses Gebiet wurde vor etwa 150 Jahren durch noch heute sichtbare Gräben entwässert und vor allem mit Nadelhölzern als hochwertiges Bauholz aufgeforstet. 1999 vernichtete der Orkan Lothar einen grossen Teil dieses Baumbestandes. Auf dieser Windwurffläche liess man die Natur walten und vertraute darauf, dass wieder ein neuer Wald entsteht. Lichtbedürftige Baumarten wie Lärchen, Birken oder Aspen konnten sich entwickeln. Heute sind in diesem naturverjüngten Waldstück 20 verschiedene Baumarten zu finden.
Auch eine grosse Anzahl von Tagfaltern, Brutvögeln und auch Pilzen fand hier passende Lebensbedingen. In diesem Gebiet wurden auch verschiedene Feuchtbiotope und Laichgewässer angelegt, diese bieten zum Beispiel der Gelbbauchunke, aber auch Libellen und Ringelnattern geeignete Lebensräume. Diese Weiher müssen regelmässig unterhalten werden damit sie nicht verlanden.
Stadtforstamt-intern heisst dieses Gebiet übrigens Vierwaldstättersee weil es sich um ein verästeltes Weihergebiet handelt.

Mehr zu den Weihern

Weiher Müseren Plateau

Naturwaldreservat Unterwilerberg, auch im Hochsommer einen Besuch wert

Aufgrund seines Eibenvorkommens von europäischer Bedeutung wird am Unterwilerberg bereits seit 1961 auf eine Holznutzung verzichtet. Ursprünglich als Versuchsfläche für die ETH wurde diese Fläche nach und nach auf 58.3 ha erweitert. In diesem oberen Abschnitt sind dicke, alte Bäume zu sehen, daneben junge, die im Schatten warten und erst so richtig zu wachsen beginnen, wenn ein alter Baum umfällt und es so Licht den den Jungwuchs gibt. Es handelt sich um sogenannte Schattenbäume wie Buchen, Weisstannen oder Fichten.

Dem naturbelassenen Bach Richtung Kappelerhof folgend, erreicht man den Eibenwald mit dem Sieben-Brüggli-Weg.
Link zum Spaziergang durch den Eibenwald

Fazit zur Waldbewirtschaftung

Der Badener Wald wird unterschiedlich bewirtschaftet. Es werden Eichen gepflanzt, natürlicher Jungwuchs wird gepflegt und im Waldreservat wird auf jeglichen menschlichen Eingriff verzichtet. Welche Bewirtschaftung für den zukünftigen Wald das Beste ist, bleibt zu beobachten. Es gibt nicht DIE Lösung. Wir Menschen müssen fleissig beobachten, unsere Erkenntnisse teilen, kommunizieren und der Natur vertrauen.

Die Biodiversität ist unsere Lebensgrundlage, diese Vielfalt müssen wir schützen und erhalten.
Diesem Thema widmet sich auch die Stadtökologie mit dem Jahresthema „Vielfalt entdecken“

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Imbiss beim Schwabenbergplatz

Es ist immer wieder eine Freude, die Begeisterung der Ortsbürger für ihren Wald zu spüren.

Pius Moser, Teamleiter Forst

Auch wenn ich mit meiner Familie häufig im Wald unterwegs bin, habe ich viel Neues erfahren und werde den Wald bei meinen nächsten Besuchen mit anderen Augen anschauen.

Beni Amato, Baden

Der Waldumgang ist eine schöne Badener Tradition und ein gutes Beispiel gelungener Waldkommunikation. Dieses Mal wurden interessierte Teilnehmende in aktuelle Fragen rund um die Anpassung an den Klimawandel eingeführt und konnten dabei auch gerade den neuen Stadtoberförster aus der Nähe kennen lernen. Merci fürs Engagement.

Andreas Rudow, Baden

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