Umweltblog

Wildblumenbord als Begegnungsort

Die Wildblumenwiese bei der Bushaltestelle „Obere Kehlstrasse“ wird von Ida Gut gepflegt. Ich habe sie besucht und sie hat mir verraten, warum und wie diese Wiese zum Begegnungsort wird. Dazu schildern zwei Nachbarinnen ihr Bild von der schönen Wiese.

Ida Gut pflegt eine wunderschöne Blumenwiese und sie hat mich eingeladen, diese zu besuchen. Die Wiese liegt zwischen der oberen Kehlstrasse und der Kehlstrasse und befindet sich auf dem Land der Stadt Baden. Ida Gut hat mit der Stadtökologie und dem Werkhof ausgemacht, dass sie dieses Stück Land pflegen darf. Zuerst durfte ich ihren Garten betrachten, der viele einheimische Obstbäume und Blumen beinhaltet. Danach widmeten wir uns der Wildblumenwiese gegenüber. Wir entdeckten Raupen von zwei Schmetterlingsarten und viele selten gewordene Wildblumen.

In dieser wunderschönen Wildblumenwiese hat es Wiesensalbei, Färbermargeriten, wilden Thymian und Oregano, Kornblumen, und und und. Auf den Blüten tummeln sich die verschiedenartigsten Insekten, Bienen fliegen in einem kleinen Bienenhotel ein und aus, die Raupen von vielen verschiedenen Schmetterlingen finden dort Nahrung und der Distelfink schnabuliert auf den Samenständen der Wiesenflockenblumen. Wer an der Wiese vorbeigeht, sieht eine ältere Dame Setzlinge pflanzen, Blumen giessen oder einfach nur beobachten: Das ist Ida Gut, unmittelbare Nachbarin, Hüterin und „Schöpferin“ dieser Wiese. Sie hat eine gewöhnliche Wiese mit Blacken und Löwenzahn in dieses Bijou verwandelt mit unzähligen Arbeitsstunden, bezahlt aus der eigenen Tasche. Meiner Meinung nach sollte diese Wiese nach Ida benannt werden.

Elisabeth Seiler

Nachbarin

In der Mitte der Wiese finden Wildbienen eine Nisthilfe umgeben von einheimschen Wildblumen – mit den passenden Futterpflanzen direkt vor der Tür. (Bild: Ida Gut)

Für Ida Gut gibt es viele verschiedene Gründe, warum ihr die Pflege der Wiese am Herzen liegt. In erster Linie möchte sie die einheimische Vielfalt schützen. Wildblumenwiesen, wie diese, sind Lebensraum für Schmetterlinge. Als Beispiel findet man in der Wiese die Raupen des Sechspunkt-Widderchen auf dem Hornklee. Ida Gut konnte auch schon Schachbrettfalter und Bläulinge beobachten. Vögel besuchen die Wiese gerne, wie zum Beispiel der Distelfink auf dem Titelbild, den sie von ihrem Garten aus fotografieren konnte. Die Wiese funktioniert als Quartierzentrum für Insekten, Vögel und Menschen. Ida Gut durfte schon viele Gespräche mit interessierten Passanten führen. Es sei sehr schön zu hören, dass sich auch die Menschen im 9er Bus an der Vielfalt der Wiese freuen. Ältere Menschen erinnern sich oft an den Zustand der Fläche, bevor sie eine Wildblumenwiese wurde.  Da war sie eine oft gemähte Fettwiese ohne nennenswerte Artenvielfalt. In Absprache mit dem Werkhof hatte Ida Gut dann die Möglichkeit, diese Wiese zu fördern. Die Zusammenarbeit mit der Stadt Baden funktioniere sehr gut. Viele Passanten fragen sie, ob sie Samen mitnehmen dürfen, um in ihrem Garten ebenfalls so eine tolle Wiese anzupflanzen. Oder Kinder können jeden Tag auf dem Schulweg sehen, wie eine Pflanze wächst und dabei ihren natürlichen Zyklus von Knospe – Blüte – Frucht – Verwelken beobachten.

Mir liegt die Biodiversität am Herzen. Schon seit Jahrzehnten beobachte ich, wie immer mehr Pflanzen und Tiere verschwinden, wie die Landschaft verödet und Gärten zubetoniert werden. Da möchte ich einen kleinen Beitrag in die andere Richtung leisten und die Artenvielfalt überall, wo ich kann, unterstützen. Mein grösster Wunsch wäre es, dass diese Arbeit hier an der Kehlstrasse weitergeführt wird, wenn ich einmal nicht mehr bin.

Ida Gut

Die Wiese liegt zwischen der Kehlstrasse und der oberen Kehlstrasse. Der obere Rand wird in Absprache mit dem Werkhof nur selten gemäht, was laut Ida sehr gut funktioniert. Den unteren Rand mäht sie selbst und achtet darauf, dass die Parkplätze frei bleiben. Es sei überraschend, wie viel Aufmerksamkeit die meisten Spaziergänger*innen und Parkplatzbenutzer*innen zeigen können. (Bild: Ida Gut)

Es gibt kein Pflänzchen, dass Ida Gut nicht kennt! Ihr Haus steht inmitten eines summenden, duftenden Gartens voller einheimischen Pflanzen. Wildstauden und -kräuter, Gehölze und Farne gedeihen hier. In farbigen und unterschiedlich grossen Gefässen wird Regenwasser gesammelt. Es gibt Komposthaufen und Totholz. Brutplätze und Lebensräume für Tiere werden bereitgestellt. Im Winter trifft man ihre gefiederten Freunde in Vogelhäuschen und an Meisensäckchen zu Besuch rund ums Haus. Nachbarn werden über den Zaun mit Früchten, essbaren Blüten & Blättern beschenkt. Ennet der Kehlstrasse hegt und pflegt die Gute – im Einvernehmen mit der Stadtökologie – einen Triangel öffentlicher Wiese mit Insektenhotel. Achtsam wird Platz geschaffen für ein Pflänzchen, dass sich noch nicht durchsetzen kann gegen stärkere, ein neues wird angesiedelt. Die bunte Blumenvielfalt erinnert an die saftigen Magerwiesen mit Bienen und Schmetterlingen aus der Kindheit. Ein Naturparadies beidseitig der Kehlstrasse!

Barbara Kuhn Reimers

Nachbarin

Bitte alle mitmachen!

Die Wildblumenwiese liegt Ida Gut und anderen Anwohnern sehr am Herzen. Bitte reissen Sie auf keinen Fall Blumen aus, unterlassen Sie das biken oder joggen durch die Wiese und helfen Sie mit, damit diese Wiese so schön bleibt, wie sie ist! Falls Sie Samen für den Garten einsammeln möchten, melden Sie sich bei Ida Gut (Kehlstrasse 11, direkt gegenüber). Sie kann Ihnen helfen und sagt Ihnen gerne, welche Samen bereits reif sind. Vielen Dank!

Die Raupe des Sechsfleck-Widderchen fühlt sich auf der Wildblumenwiese wohl. Sie ernährt sich vom Hornklee, aus dem sie ein Toxin gewinnt, das sie zur Abwehr von Fressfeinden nutzt. Noch erstaunlicher: Wenn kein Hornklee verfügbar ist, synthetisiert die Raupe das Gift einfach selbst. (Bild: Ida Gut)

Dieser Zitronenfalter sitzt auf einer Kathäusernelke. Beide Farben könnten kaum leuchtender sein. Kathäusernelken kamen ursprünglich nicht auf dieser Wiese vor. Ida Gut hat sie und andere Wildblumen wieder angesiedelt. (Bild: Ida Gut)

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