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Artenvielfalt am Waldweg: Welchen Einfluss hat die Pflege der Wegränder auf Pflanzen und Tiere?

Waldwegränder sind wertvolle Lebensräume. Um das Zuwachsen der Wege zu verhindern, werden die Waldwegränder regelmässig gepflegt. Das Stadtforstamt Baden schneidet die Wegränder hauptsächlich mit dem Mulchmäher. Die Wegränder mit einem Balkenmäher zu mähen, wäre schonender für die Pflanzen- und Tierwelt, ist jedoch aus technischen und finanziellen Gründen kaum zu bewältigen. Um die Pflege der Waldwegränder dennoch möglichst artenschonend auszuführen, treffen die Forstwarte diverse Massnahmen.

An Waldwegränder blühen viele Blumen wie zum Beispiel die blauviolette Glockenblume.

Waldwegränder: wertvolle Lebensräume für Eidechsen, Schmetterlinge und Glockenblumen

Der grüne Streifen entlang den Waldwegen ist sehr artenreich. Ein Grund dafür sind die Wegschneisen, wodurch mehr Licht bis zum Waldboden gelangt als im dichten Wald. Davon profitieren viele Blütenpflanzen wie Glockenblumen, Giersch und Akelei. Die Artenvielfalt der Pflanzen lockt wiederum viele Tierarten an. Insekten wie Schmetterlinge, Käfer oder Wanzen, aber auch Reptilien und Amphibien nutzen die optimalen Bedingungen entlang von Waldwegen. Die Tiere haben sehr unterschiedliche Bedürfnisse. Die einen leben bodennah, andere besuchen die Waldwegränder nur, um auf den Blüten Nektar und Pollen zu sammeln. Viele Kleintiere wie Schmetterlinge oder gewisse Käferarten nutzen die Blätter und Stängel, um ihre Eier abzulegen.

Waldwegränder müssen regelmässig gepflegt werden

So schön das bunte Treiben entlang der Waldwege auch ist – die Gräser, Kräuter und Blumen müssen zurückgeschnitten werden, um das Zuwachsen der Waldwege zu verhindern. Das Zurückschneiden der Wegränder ist wiederum wichtig für die Artenvielfalt, denn das Zuwachsen der Waldwege würde zu einem Verlust der Vielfalt führen. Waldwegränder müssen darum gemäht oder, wie häufiger praktiziert, gemulcht werden.

Beim Mähen beispielsweise mit einem Balkenmäher werden die Pflanzen abgeschnitten. Es bleibt Schnittgut übrig, welches anschliessend abgeführt werden muss. Der Mulchmäher hingegen zerkleinert das Grüngut und verteilt es gleichzeitig auf der Fläche. Dieses verrottet viel schneller und muss deshalb nicht eingesammelt werden. Der Schlegelmulcher ist der gängigste Mulchmäher und wird von vielen Betrieben für die Pflege von Weg- und Strassenrändern verwendet. Die beweglichen Schlegel des Mulchers sind an einer Rotorachse gefestigt. Der Vorteil dabei ist, dass er mit seinen robusten Klingen ohne Probleme Äste und kleine Holzstücke mithäckseln kann und Steine keine Schäden an der Maschine verursachen.

Gekippter Mulchmäher mit Sicht auf die rotierende Achse mit den beweglichen Schlegeln

Das Problem des Mulchers ist jedoch, dass die rotierende Achse einen Sog erzeugt, der Pflanzen mitsamt Insekten und Spinnen einsaugt und häckselt. Ein weiterer Nachteil des Mulchens ist das Schnittgut, das liegengelassen wird. Es ist nämlich Dünger, der wenige Pflanzenarten einseitig fördert. Dieser Nährstoffeintrag fördert nährstoffliebende Pflanzen wie zum Beispiel Brennnesseln und Löwenzahn. Diese sind einerseits wichtige Futterpflanzen für Schmetterlinge, Käfer und andere Insekten, anderseits sind sie sehr dominant. Sie verdrängen Pflanzenarten, die an mageren Boden angepasst sind und wovon wiederum diverse Insekten leben.

Der gemulchte Streifen von circa einem halben Meter gibt mobilen Tieren die Möglichkeit, sich in den hinteren Teil zurückzuziehen.

Massnahmen für eine möglichst schonende Wegrandpflege

Beim Stadtforstamt Baden ist man sich bewusst, welchen Einfluss die Wegrandpflege mit dem Mulchmäher auf die Artenvielfalt hat. Trotzdem werden die meisten Waldwegränder gemulcht. Der Grund ist ganz einfach: Es gibt noch keine gleich effiziente Alternative. Auch das Mähen mit einem Balkenmäher ist keine Alternative. Die Wegränder sind meist sehr uneben, steinig und verwurzelt. Würden die Wegränder gemäht, würde die Klinge ständig beschädigt und müsste ausgewechselt werden. Bei den vielen Waldwegen im Badener Wald wäre es schier unmöglich, alle Waldwegränder zu mähen. Zudem müsste das Schnittgut nachträglich eingesammelt und entsorgt werden, was einen enormen Mehraufwand bedeuten würde.

Trotz diesem Dilemma versuchen die Forstwarte, möglichst ökologisch vorzugehen. Beispielsweise werden die Wegränder nur einmal pro Jahr im August und September gemäht. Würden sie schon im Mai oder Juni, dem Höhepunkt der Blütezeit, gemulcht, könnten die Pflanzen keine Samen bilden und mehrjährige Arten könnten keine Nährstoffe in die Speicherorgane einlagern. Die Wegrandpflege vor dem Verblühen würde vielen Tierarten die Lebensgrundlage entziehen. Mit dem Abwarten und der Reduktion auf einen Schnitt pro Jahr kann der Einfluss auf die betroffenen Arten reduziert werden. Die Forstwarte wählen eine hohe Schnitthöhe von 10 cm. Dies schont die bodennahe Vegetation. Zudem mulchen sie immer nur eine Wegrandseite und nur einen möglichst schmalen Streifen von circa einem halben Meter. So können sich mobile Tiere in den hinteren Teil zurückziehen oder die Wegrandseite wechseln.

Der zweite Waldwegrand wird dann circa einen Monat später gepflegt. Als Rückzugsort werden wertvolle Sträucher, Stein- und Asthaufen oder Baumstrünke stehen gelassen. Wo möglich werden auch neue solche Strukturen angelegt. Dem Stadtforstamt ist bewusst, dass sonnige, magere und blütenreiche Standorte wichtig für die Artenvielfalt sind. Deswegen werden geeignete Standorte im Badener Wald so gepflegt, dass sie seltenen Pflanzen optimale Bedingungen bieten. Beispiele dafür sind der lichte Wald am Sonnenberg oder die Föhren-Orchideen-Wiese Hohmatt.

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