Umweltblog

Auf einem weiteren Lieblingspfad unterwegs mit der Stadtoberförsterin

Der Gratweg in der Nähe der Baldegg im Badener Wald ist der perfekte Ort, um sich von der Alltagshektik zu erholen. Die Waldwiese steht unter Naturschutz. Dank der spezifischen Pflege weist sie eine hohe Biodiversität auf. Die Stadtoberförsterin nimmt Sie mit auf einen weiteren ihrer Lieblingspfade im Badener Wald.

Der Gratweg oberhalb des Wasserturms in der Nähe der Baldegg.

Zu Fuss auf dem Gratweg nahe der Baldegg

Schlendert man im Frühling oder Sommer dem schmalen Weg oberhalb des Wasserturms entlang, taucht man ein in eine Welt voller Farben, Düfte und Summen. Dieser Wiesenstreifen mitten im Wald liegt nur wenige Gehminuten von der Baldegg entfernt. Etliche Pflanzen sind hier zu finden. Darunter die Bergminze oder der Wilde Thymian, die herrlich duften. Wussten Sie, dass hier geschützte Orchideen wachsen? Das Männliche Knabenkraut blüht zwischen Ende April und Anfang Juni und ist an mageren Standorten zu finden. Von der Pflanzenvielfalt angezogen tummeln sich Bienen, Schmetterlinge und Käfer auf der Wiese, so auch der Kaisermantel oder der Perlmuttfalter.

Viele Schmetterlinge sind im „Lichten Wald Sonnenberg“ zu finden. Darunter auch der Kaisermantel. Daneben die Bergminze mit ihren kleinen violetten Blüten.

Lebensraummosaik „Lichter Wald Sonnenberg“

Diese Wiese ist Teil eines ganzen Mosaiks an Lebensräumen. Dazu gehören neben den mageren Waldwiesen auch trockene Kalkfelsbänder, ehemalige Steinbrüche, stufige Waldränder, lichte Wälder, seltene Baumarten und totholzreiche Waldbestände.
Viele seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten profitieren von dieser Vielfalt. Zum Beispiel sind auf den Felsbändern und in den ehemaligen Steinbrüchen mit etwas Glück die Schlingnatter oder die Zauneidechse zu beobachten.
Das ganze Gebiet Sonnenberg erstreckt sich von der Baldegg bis zur Allmend und hat eine Fläche von rund 55 Hektar. Die Südexposition und die zum Teil mageren und flachgründigen Standorte ermöglichen etlichen wärme- und trockenheitsliebenden Spezialisten aus Flora und Fauna ihre Existenz und tragen zu einer grossen Artenvielfalt bei.
Dieses ganze Waldgebiet steht unter Naturschutz und ist als sogenanntes Sonderwaldreservat seit 2008 für 50 Jahre geschützt. Damit die einzelnen Lebensräume erhalten bleiben, werden sie regelmässig durch das Stadtforstamt gepflegt. Welche Massnahmen in welchem Lebensraum umgesetzt werden, sehen Sie hier. Unterstützt wird das Sonderwaldreservat „Lichter Wald Sonnenberg“ von Bund und Kanton sowie durch ein Ökosponsoring der Firma Eglin aus Baden.

Auf zum Kühstelliplatz

Um das Gebiet weiter zu endecken, lohnt es sich, nach dem Gratweg an der Kreuzung Richtung Süden in den kleinen Trampelpfad einzubiegen. Vorbei an einer weiteren artenreichen, kleinen Wiese endet der Weg bei einem Platz, der den Namen „Kühstelli“ trägt. Der Name lässt vermuten, dass hier einmal Kühe im Wald geweidet haben.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war es üblich, das Vieh zur Weide in den Wald zu treiben. Der Wald wurde damals intensiv genutzt: Das Vieh hat die jungen Bäume abgefressen und die Menschen haben Brennholz und Streu gesammelt. Dadurch wurden dem Waldboden Nährstoffe entzogen, die Bäume wuchsen weniger üppig nach und die Wälder waren dadurch viel heller als heute. Davon haben viele wärmeliebende Pflanzen und Tiere profitiert, die später mit ändernder Nutzung aus dem dunkler werdenden Wald verdrängt wurden.

Mit der gezielten Pflege im Sonderwaldreservat „Lichter Wald Sonnenberg“ können licht- und wärmeliebende Arten hier prachtvoll gedeihen.

Die Karte mit dem Rundgang durch den Lichten Wald Sonnenberg finden Sie hier

Lesen Sie auch den Artikel über den Lieblingpfad der Stadtoberförsterin durch den Teufelskeller

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