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Biber an der Limmat: warum Rinde satt macht

In den letzten Jahren hat der Biber die Limmat zurückerobert. Auch in Baden sind zahlreiche Spuren zu entdecken. Besonders im Winter zeigt sich: Der scharfzahnige Vegi ist kulinarisch hart im Nehmen!

Vollbremse auf der mittäglichen Mini-Velotour zum Kappisee: Am Ufer weist ein Baum frische Nagespuren auf. Eindeutig das Werk eines ausgewachsenen Bibers; die einzelnen Zahnspuren sind über 1cm breit. Einige Holzschnipsel liegen auf dem Herbstlaub, sie sind also ganz frisch.

Rinde ist nichts für zarte Mägen

Ein ausgewachsener Biber bringt 20 bis 30 Kilo auf die Waage. Wie kann sich ein so stattliches Tier von Rinde ernähren? Erst recht, wenn es auch im Winter unterwegs ist und durch eiskalte Wasser paddelt?

Vom Frühling bis in den Herbst hat der rein vegane Biber einen vielseitigen Speisezettel: verschiedenste Kräuter und Stauden, Knollen und Wurzeln, Zuckerrüben, Mais und Fallobst. Im Winter spezialisiert er sich auf Bäume, vor allem Weiden, Pappeln und andere Weichhölzer. Diese bieten im Winter Rinde, Zweige und Knospen: keine einfache Kost!

Biber

Biber fühlen sich direkt am oder im Wasser am sichersten beim Fressen (Bild: Pixabay)

Zweimal essen: nicht appetitlich, aber effizient

Rinde besteht hauptsächlich aus schwer verdaulicher Zellulose. Mit einem Magen wie unserem würde der Biber verhungern. Denn um aus dieser kargen Winternahrung Energie zu holen, brauchts -neben dauerscharfen Zähnen- eine spezielle Verdauung. Die frisch abgenagten Pflanzenfasern passieren den Magen praktisch unverdaut. Sie wandern in den riesigen Blinddarmsack. Dieser enthält verschiedene Bakterienstämme, welche die Nahrung vorverdauen. Dann scheidet der Biber einen hellen Pflanzenbrei voll von Proteinen und Vitaminen aus und frisst ihn sogleich wieder. In der zweiten Runde kann der Magen die Nährstoffe schliesslich aufnehmen. 900 Gramm Rinde decken den Tagesbedarf eines ausgewachsenen Bibers.

Warum fällt der Biber Bäume?

Ganz einfach: weil er nicht klettern kann! Hoch oben in den Baumkronen sind die begehrten Zweige. Also macht der Biber kurzen Prozess – er fällt den ganzen Baum, um daran zu kommen. Auf den ersten Blick scheint das nicht grad nachhaltig – aber viele Bäume sterben deswegen nicht ab, sondern schlagen neu aus. Weiden sind aus Bibersicht besonders praktisch, weil sie Stockausschläge bilden, schnell wachsen und dem Biber Jahr für Jahr frische Ruten liefern.

Fürs Fällen eines 30 bis 40 cm dicken Stamms genügt eine einzige Nacht. Die Rinde wird direkt am Fällplatz von den Ästen genagt. Oder die Äste werden in transportierbare Stücke zerlegt und weggebracht, zu einem besser geschützten Fressplatz oder zum Bau. Bei dickeren Bäumen dauerts länger, und es liegen jede Menge Holzschnipsel am Boden. Weil Holz noch schwerer verdaulich ist als Rinde, lässt der Biber sie liegen.

Nagespur Biber

Ist die einzelne Zahnspur mindestens 1cm breit, war ein ausgewachsener Biber am Werk.

Biber oder Bäume schützen?

Bei aller Tierliebe gibt es doch Grenzen beim Bäumefällen. Mit Gitterkragen lassen sich schützenswerte Bäume gut vor den hungrigen Nagern schützen. Das macht bei Kulturobst Sinn, aber auch bei selteneren Baumarten wie der Schwarzpappel oder besonders schönen Exemplaren wie den stattlichen Weiden bei den Bädern.

Zum Schutz der Kraftwerke entfernt das Stadtforstamt gefällte Bäume, die abgetrieben werden könnten. Aber bis die Forstwarte anrücken, hat sich die Biberfamilie meist schon genommen, was sie brauchen kann.

Hier finden Sie Biberspuren

Im Winter sind Biberspuren am besten zu finden. Nagespuren an Bäumen, aber auch helle abgenagte Zweige und Äste am Wasser entdecken Sie zum Beispiel:

  • auf der Kappi-Insel
  • vom Kappisee in Richtung Mättelipark
  • vom Schulhaus Pfaffechappe Richtung Aue (Von-Rechenberg-Weg)
  • auf den Webermühle-Inseln (Neuenhof)

Ein Feldstecher beseitigt Zweifel!

Beim Kappisee liessen sich die Biber 2019 sogar filmen: Hier gehts zum Beitrag.

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