Umweltblog

Badens neues Erholungswaldkonzept

Schon lange ist die Erholung neben der Holzproduktion, dem Naturschutz und Dienstleistungen eines der vier Standbeine des Stadtforstamts Baden. Nun erhält der Badener Wald ein neues Erholungswaldkonzept. Doch was ist das Ziel des Konzepts und welche Neuerungen bringt es?

Der Wald bedeckt mehr als die Hälfte des Badener Stadtgebietes und ist eng mit den Siedlungen verzahnt. In maximal zehn Gehminuten ist er von allen Quartieren erreichbar. Dies ist ein Grund, warum der Badener Wald eines der wichtigsten Naherholungsgebiete für die Bevölkerung ist. Er trägt dazu bei, dass die Stadt Baden als attraktiver Wohn- und Arbeitsort mit hoher Lebensqualität wahrgenommen wird.

Im Erholungswald stehen Waldbesuchenden zahlreiche Infrastrukturen zur Verfügung. Mit dem stetig steigenden Bedürfnis der Bevölkerung nach Erholungs- und Freizeitaktivitäten im Freien nimmt auch der Nutzungsdruck auf den Wald zu. Gerade die Zeiten mit Corona und Lockdown haben dies deutlich gezeigt. Die Bedürfnisse der Waldbesuchenden müssen deshalb geschickt mit denjenigen der Natur und den übrigen Zielen der Walderhaltung und Waldbewirtschaftung koordiniert werden. So werden alle Nutzungsbereiche langfristig abgedeckt. Das neue Erholungswaldkonzept legt Grundsätze, Ziele und Massnahmen für die Pflege und Bewirtschaftung des Waldes als Naherholungsraum fest. Es soll in die geplante Revision des forstlichen Betriebsplans des Stadtforstamts Baden einfliessen.

Zu den Infrastrukturen zählen unter anderem Waldhütten, Feuerstellen und Bänke.

Die wichtigsten Neuerungen des Erholungswaldkonzepts sind:

  1. Inventarisierung: Der aktuelle Zustand der Erholungsinfrastrukturen wie Wege, Feuerstellen und Bänke wurde aufgenommen, bewertet und digital auf Karten verfügbar gemacht.
  2. Analog zu digital: Die Erholungsinfrastruktur wird digital abgebildet. In die digitalen Karten werden in naher Zukunft Fotos integriert. Die Karten dienen einerseits den Waldbesuchenden zur Orientierung. Andererseits sind sie ein Arbeitsinstrument für die Bewirtschaftung der Erholungsinfrastruktur.
  3. Klare Kommunikation: Konflikte zwischen Waldbesuchenden sollen durch klar kommunizierte Regeln entschärft, bzw. im Rahmen behalten werden. Grundsätzlich strebt das Stadtforstamt ein pflegliches Miteinander aller Waldbesuchenden an. Eine räumliche Trennung der verschiedenen Freizeitaktivitäten wird es nur in Ausnahmefällen geben.
  4. Vereinfachung der Umsetzung und Kontrolle: Unsere Forstequipe wird befähigt, in Konfliktsituationen adäquat und auf Grundlage festgelegter Grundsätze mit Waldbesuchenden zu kommunizieren.
  5. Finanzielle Steuerung: Die Kosten des Erholungswaldes wurden klar aufgezeigt. Die Forstkommission als Vertreterin der Waldeigentümerin, der Ortsbürgergemeinde Baden, kann so die finanziellen Mittel besser steuern.

Neben dem Pionierpfad, dem Vitaparcours und den Wanderwegen ist der Walking Trail einer der zahlreichen Aktivitäten im Badener Wald.

Aktivitäten in verschiedenen Waldgebieten

Eine Arbeitsgruppe bestehend aus Mitarbeitenden des Stadtforstamtes und weiteren Fachpersonen hat die aktuelle Erholungsnutzung in verschiedenen Waldgebiete beurteilt sowie die angestrebte Entwicklung festgelegt. Nützliche Hinweise dazu gab die Studie der ZHAW zur nächtliche Aktivität von Erholungssuchenden.

Aktuelle Bedeutung und angestrebte Entwicklung der Waldgebiete nach Kategorien von Aktivitäten

Die Waldgebiete wurden neu eingeteilt.

Gewisse Gebiete im Badener Wald sind sensibler als andere. Sie sind Standorte seltener Pflanzenarten oder werden von Wildtieren als Ruhezonen genutzt. In den Naturwaldreservaten und im Wildtierkorridor sollen deswegen intensive oder störende Aktivitäten verhindert oder eingedämmt werden. Beispielsweise werden in diesen Gebieten wilde Feuerstellen, Trampelpfade und Bike Trails rückgebaut.

Wichtig ist dem Stadtfortamt dabei, dass die Bevölkerung miteinbezogen und über den Grund des Rückbaus informiert wird.

Strategischen Grundsätze

Für den Bereich Erholung und Freizeit wurden vier strategische Grundsätze festgelegt. Diese bilden die Grundlage für die Formulierung von Zielen und der Massnahmen zu Pflege, Unterhalt und Kommunikation:

  1. Differenziertes Wegenetz als zentrales Instrument zur Lenkung der Waldbesuchenden: Das Wegenetz besteht aus vier verschiedenen Kategorien. Diese wurden im Rahmen des Erholungswaldkonzepts erfasst. Die Differenzierung anhand der Wegekategorien bietet ein auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Waldbesuchender ausgerichtetes Angebot an Wegen und Pfaden.
  2. Attraktives, vielfältiges Angebot an Infrastrukturen und Aktivitäten: Das vielfältige Angebot an Infrastrukturen soll beibehalten werden. Es wird aktiv bewirtschaftet und unterhalten. Die Produkte werden fortlaufend an die Bedürfnisse der Erholungssuchenden und des Forstbetriebs angepasst. Jedes Angebot ist in das Gesamtangebot eingebettet und sorgfältig aufeinander abgestimmt.
  3. Aktive Kommunikation mit Akteure und Akteurinnen: Im Bereich Erholung und Freizeit dient die Kommunikation insbesondere der Information, Sensibilisierung und Besuchendenlenkung. Respekt und Rücksichtnahme auf die Natur und auf andere Waldbesuchende soll gezielt gefördert werden. Die Kommunikation erfolgt über verschiedene Kanäle, um eine breite Bevölkerung anzusprechen.
  4. Effizienter und effektiver Einsatz der Ressourcen: Die Anforderungen im Bereich Erholung und Freizeit sind über die Jahre stetig gestiegen. Die finanziellen und personellen Ressourcen sind jedoch begrenzt. Sie müssen deswegen gezielt eingesetzt werden. Dies setzt ein effizienter und effektiver Einsatz der Ressourcen voraus.

Produkteblätter

Die sogenannten Produkte im Bereich Erholung und Freizeit wurden im Rahmen des Erholungswaldkonzeptes neu eingeteilt. Für jedes Produkt wurde ein Produkteblatt ausgearbeitet. Dieses enthält eine umfassende Beschreibung, eine strategische Einordnung, Angaben zu Massnahmen und zum Unterhalt des Produkts. Die Produkteblätter verknüpfen das Erholungswaldkonzept mit seiner konkreten Umsetzung im Wald. Für die Forstequipe dienen sie als ein wichtiges Arbeitsinstrument.

Produkte im Bereich Erholung und Freizeit

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Erholungswald; Konzept; Badener Wald