Insekten und Stauden pflegen eine interessante Partnerschaft. Im Frühling und Sommer bestäuben diverse Insektenarten die Blüten von Stauden und umgekehrt bieten Stauden den Insekten im Winter ein Quartier. Der Lebenszyklus von diversen Wildbienen-, Tagfalter und Käferarten ist direkt an Stauden gebunden. Nehmen wir ihn uns genauer unter die Lupe.

Schmetterlinge, Bienen, Käfer, Läuse, Wanzen, Libellen, Heuschrecken… Man könnte noch viele mehr aufzählen. Weltweit wurden bereits über eine Million Insektenarten beschrieben und jährlich kommen ungefähr 7000 neue Arten dazu. Es wird davon ausgegangen, dass erst 10 bis 20 Prozent der Insekten bisher beschrieben wurden. Das bedeutet, dass 80 bis 90 Prozent der Insektenarten noch nicht entdeckt wurden. 2,16 Millionen Tierarten wurden bereits entdeckt und die Hälfte davon sind Insekten. Viele davon sind direkt abhängig von Pflanzenarten oder Pflanzenfamilien, beispielsweise von Stauden. Schauen wir uns die Partnerschaft einiger Insektenarten mit Stauden genauer an.

 

Glück für Stauden und Menschen: Der Marienkäfer (Coccinella sp.)
Dass der Marienkäfer als Glücksbringer bezeichnet wird, kommt nicht von ungefähr. Sie gelten als Nützlinge, da sie ihre Eier auf Pflanzen legen, welche von Blattläusen befallen sind. Ein Marienkäfer frisst in seinem Leben, also vom Larvenstadium bis zum Käferdasein, ungefähr 400 Blattläuse. Ein Lebenszyklus des Marienkäfers beginnt im Frühling als Ei. Sobald sie schlüpfen fressen sie als Larven bereits fleissig Blattläuse. Sie muss sich als Larve mehrmals häuten, da ihr Exoskelett nicht mitwächst. Sobald sie ausgewachsen ist, klebt die Larve ihr Hinterteil an einer Pflanze fest, verpuppt sich und beginnt ihre Verwandlung in einen Käfer. Je nach Witterung kann die Entwicklung von der Larve bis zum fertigen Käfer bis zu einem Jahr dauern. Der Marienkäfer überwintert dann als Käfer in grossen Gruppen mit anderen Individuen. Nach dem Winter beginnt dann der Zyklus erneut mit der Paarung und der Eiablage. 

Raupe Nimmersatt
Der Lebenszyklus von Schmetterlingen ist oft an Stauden gebunden. Im Sommer helfen sie den Stauden als Bestäuber. Einige Tagfalterarten verbringen den Winter in Puppen an Stängeln von Stauden und anderen Pflanzen. Werden diese geschnitten und entsorgt, so werden oft auch unbemerkte Puppen von Schwalbenschwanz und Co in die Grünabfuhr entsorgt. Gerade diese Art legt ihre Eier oft an Stauden wie die Wilde Möhre. Die Raupen ernähren sich dann von dieser Pflanze und verpuppen sich teils auch daran. Die Generation die sich im Herbst verpuppt überwintert an den Stauden und schlüpft dann im Frühling als vollausgebildeter Schmetterling. Diese Form nennt man Imago. 

Versteckt im Stängel: Wildbienen 
Wenn man an eine Biene denkt, dann kommt einem primär ein Bienestock in Sinn. Die meisten Wildbienen sind jedoch solitär, leben also nicht als Schwarm. Diverse dieser Arten sind auf markhaltige Stängel angewiesen, wie es bei den Stauden oft der Fall ist. Die Wildbienen nagen Hohlräume in das Mark verdorrten Stauden und bauen darin Brutzellen mit jeweils einem Ei. Die Brutzellen sind gefüllt mit Futter, somit müssen die geschlüpften Larven ihr Nest nicht verlassen und können in der Zelle mit der Metamorphose beginnen. Viele Wildbienenarten überwintern als Larve oder Puppe in ihren Brutzellen und verlassen dann im Frühling ihr Nest als Imago, also als erwachsene Wildbiene. Es gibt aber auch Ausnahmen. Die Keulhornbiene benötigt über das ganze Jahr hinweg abgestorbene Staudenstängel. Die Larve wird im Spätsommer zum Imago und diese überwintern dann als erwachsene Wildbiene im Staudenstängel. 

Ohne einander geht es nicht
Ein Drittel der Wildbienenarten sind jeweils auf eine spezifische Pflanzengruppe oder teils sogar auf nur eine Art spezialisiert. Beispielweise benötigt die Natternkopf-Mauerbiene den Gewöhnlichen Natternkopf. Ohne diese Pflanzenart kann sie nicht überleben, denn sie sammelt ihre Pollen nur von ihr. Bei den Tagfaltern ist es so, dass die meisten Arten an eine bestimmte Pflanzengattung gebunden ist, die ihnen als Raupenfutter dienen. Es gibt aber auch hier Arten, die ihre Eier ausschliesslich an eine einzige Pflanzenart legen. Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling legt seine Eier in den Blütenkopf des Grossen Wiesenknopfs. Die Raupen ernähren sich zunächst davon und werden dann von Ameisen in deren Nest getragen, wo sie dann überwintern und von der Ameisenbrut leben. Daraufhin verpuppen sie sich und müssen dann als erwachsener Schmetterling das Ameisennest schnell verlassen. 

Und wie können wir helfen?

  • Einheimische Arten den exotischen vorziehen. Wie im Artikel erwähnt sind viele einheimische Insektenarten auf einheimische Pflanzenarten spezialisiert und können gebietsfremde Arten nicht nutzen.
  • Stauden bis im Frühling stehen lassen. Werden sie im Herbst geschnitten und entsorgt, werden darin überwinternde Insekten gestört und getötet. 
  • Keine Herbi- und Pestizide verwenden. Diese schaden auch den Nützlingen wie dem Marienkäfer.
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