Umweltblog

Neues Leben im Steinbruch

Der Geissberg in Ennetbaden ist um eine Natur-Aufwertung reicher. Die neuen Weiher im Steinbruch dienen Amphibien als Laichplatz. Besonders erwünscht ist die Geburtshelferkröte. Am 15. Mai wurde der Standort der Öffentlichkeit vorgestellt.

Im stürmischen Himmel über dem Geissberg drangsalierten Krähen einen Kolkraben. Doch die Gäste im Steinbruch interessierten sich heute nicht für Vögel, sondern für Amphibien. Der NAVO Baden/Ennetbaden und die Gemeinde Ennetbaden hatten zur Einweihung des Steinbruch-Biotops eingeladen.

Der Geissberg ist Ennetbadens Natur-Hotspot

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Geissberg erheblich verändert. Rebberge wurden zur Bauzone, und der Druck auf die Natur nahm zu. Doch der sonnenverwöhnte, vielfältige Hang ist Lebensraum für viele besondere Tier- und Pflanzenarten geblieben. Thomas Burger, Präsident des NAVO, schilderte in seiner Ansprache, wie zahlreiche ökologische Aufwertungen den Geissberg zu einem Hotspot für Biodiversität gemacht haben.

Thomas Burger

Thomas Burger schildert, wie der Geissberg als vielfältiger Naturraum dem Siedlungswachstum trotzt.

Steinbruch Geissberg

Die Teiche sind speziell für die Bedürfnisse der Geburtshelferkröte ausgerichtet: sie sind umgeben von gut besonnten Verstecksmöglichkeiten.

Das Projekt im Steinbruch überwand viele Hürden

Die jüngste Aufwertung ist Stephan Zimmermann zu verdanken. Er ist Mitglied der Kommission für Wald, Natur und Landschaft Ennetbaden (WNLK) und sah im alten Steinbruch das Potenzial für einen hochwertigen Lebensraum für Amphibien. Doch der Weg von der Idee zur Umsetzung war hürdenreich. Die Eigentümer hatte er schnell von seiner Idee überzeugt; doch für die Baubewilligung galt es strenge Vorschriften einzuhalten. Glücklicherweise stiess das Projekt bei Gemeinde und Kanton auf Wohlwollen, so dass im Herbst 2019 mehrere kleine Weiher gebaut werden konnten. Dabei wurde besonders an die Geburtshelferkröte gedacht. Weil diese Art wärmebedürftig ist, wurde der Steinbruch kräftig ausgelichtet. Ast- und Steinhaufen dienen als Unterschlupf für Amphibien, Reptilien und andere Kleintiere.

Stephan Zimmermann dankte der Familie Frei als Eigentümerin, der Gemeinde Ennetbaden für die Unterstützung und dem Kanton Aargau für die Finanzierung des Projekts, sowie dem NAVO und dem Stadtforstamt Baden fürs tatkräftige Anpacken und die zukünftige Pflege.

Jürg Braga, Vizeammann von Ennetbaden, betonte den hohen Stellenwert von Ennetbadens Natur, inner- und ausserhalb des Baugebiets. Er dankte Stephan Zimmermann und allen Beteiligten für ihren Durchhaltewillen und ihre Mithilfe.

Geburtshelferkröte

Das Männchen der Geburtshelferkröte misst circa 4 Zentimeter. Mit dem Eipaket auf dem Rücken versteckt es sich in der Nähe des Teichs. Erst wenn die Kaulquappen zum Schlüpfen bereit sind, werden sie zum Wasser getragen (Bild: Christian Fischer).

Wie weiter?

Erste Erdkröten und Bergmolche haben die Weiher schon gefunden. Bis sich die Geburtshelferkröte zu ihnen gesellt, dürfte es laut Stephan Zimmermann mehr als Geduld brauchen. Zur Vernetzung mit dem nächsten gesicherten Vorkommen der Geburtshelferkröte sollten zwischen Ehrendingen und Ennetbaden weitere geeignete Weiher gebaut werden. Ein Amphibienleitsystem würde eine gefahrlose Traversierung der Ehrendingerstrasse ermöglichen. Entsprechende Projekte dürften gute Chancen haben, vom Kanton finanziert zu werden. Go WNLK, go NAVO!

 

Beitragsbild: Stephan Zimmermann erklärt die zahlreichen Hürden, die das Projekt überwinden musste. 

Die Einweihung fand im Rahmen von „VIELFALT entdecken“ statt – weitere Veranstaltungen sind in der Agenda zu finden.

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