Umweltblog

Wespennester im Garten können umgesiedelt werden

Wespennester werden oft als Bedrohung wahrgenommen. Anstatt direkt zum Gift zu greifen, kann das Wespenvolk auch umgesiedelt werden. Wespen sind ein wichtiger Teil unserer Natur. Wespen-Profi Roland Diener liess sich bei seiner Arbeit über die Schulter blicken.

Wespen können im Sommer beim Essen ganz schön nerven. Dabei sind es nur gerade zwei der neun einheimischen Wespenarten, die zu uns an den Tisch kommen – die Gemeine und die Deutsche Wespe. Diese bringen den Rest dieser interessanten Nützlinge stark in Verruf. Zu Unrecht; Wespen sind Nützlinge, weil sie eine wichtige Rolle im Ökosystem einnehmen und viele andere Insektenarten kontrollieren. So frisst ein Hornissenvolk am Tag circa 500 Gramm tierisches Eiweiss pro Tag in Form von Insekten, Raupen, Mücken oder Fliegen. Das entspricht einem 35 Liter Abfallsack voll mit Insekten innerhalb von zwei bis drei Tagen. Als Alternative zum Gifteinsatz, haben sich Anbieter wie aculeata.ch, faltenwespe.com und wespenschutz.ch auf die Umsiedlung von Wespen- und Hornissenvölkern spezialisiert. Ich durfte bei einem Einsatz von Roland Diener im Allmendquartier dabei sein.

Uns liegt die Biodiversität sehr am Herzen. Wir haben uns gegen einen Gifteinsatz und für eine aufwändigere Umsiedelung entschlossen, weil wir auch einen Beitrag an den Erhalt der Biodiversität leisten möchten.  

Leene Puruckherr & Michel Schmidlin

Wie erkenne ich eine Mittlere Wespe?

Typisch für die Mittlere Wespe (Dolichovespula media) ist die schwarze Färbung mit schmalen gelben Streifen. Manchmal ist die Färbung auch etwas rötlicher, was stark an die Färbung einer Hornisse erinnert. Die Mittlere Wespe wird darum auch Kleine Hornisse genannt. Das Titelbild dieses Artikels zeigt eine Mittlere Wespe, fotografiert von Fritz Geller-Grimm für Wikipedia. Das Nest der Mittleren Wespe hat in der Anfangsphase einen gegen unten gerichteten Kamin beim Einflugloch. Mittlere Wespen sind selten und stören die Menschen kaum. Es kommen lediglich zwei Wespenarten an den Tisch, die Deutsche und die Gemeine Wespe. Diese beiden Arten bewohnen Erdlöcher und keine freihängenden Nester.

Die mittlere Wespe baut freihängende Nester, mit einem nach unten gerichten Kamin. Die verschiedenen Farben der Nestwand kommen durch unterschiedliche Holzarten zustande (Bild: Stadtökologie).

Die schnellste und günstigste Variante ein Wespennest im Garten zu entfernen ist leider mit Insektengift. Viele Wespensprays enthalten Nervengifte wie z.B. Dichlorvos und Chlorpyrifos, die auch für Menschen sehr schädlich sind. Besonders für Haustiere oder kleine Kinder können diese Substanzen sehr problematisch bis tödlich sein. Im eigenen Garten Gift zu versprühen ist wahrscheinlich nie die beste Option.

Ich sehe die Umsiedlung der Wespen als meinen persönlichen Beitrag zum nachhaltigen Naturschutz. Ich möchte mit diesem Hobby kein Geld verdienen, sondern nur meine Ausgaben gedeckt haben. Wespen haben eine wichtige Funktion in der Natur und müssen deshalb besser geschützt werden. Wir Menschen könnten noch viel von der Sozialstruktur der Wespen lernen. Ich wünsche mir, dass wir mehr aufeinander und auf unsere Umwelt achtgeben.

Roland Diener

Wespen- und Hornissenfachmann, Faltenwespe.com & Aculeata.ch

Die Fangbox ist eine Box mit angeschlossenem Staubsauger und einem Netz vor dem Ausgang. Auf der anderen Seite ist ein langer grüner Schlauch angeschlossen, mit dem die Wespen eingefangen werden. Der Luftstrom ist stark genug, damit die Fluginsekten nicht dagegen anfliegen können, aber so schwach, dass sie sich nicht verletzen (Bild: Stadtökologie).

Das Nest wurde vorsichtig mit Netz und Schraubenzieher entfernt. Der Kamin am unteren Ende des Nests, auf diesem Bild gegen hinten, ist charakteristisch für die Mittlere Wespe (Bild: Stadtökologie).

Der Wespenfachmann Roland Diener bei der Arbeit. Vorsichtig fängt er mit der Fangbox alle fliegenden Arbeiterinnen ein. Am Schluss bleiben nur flugunfähige Tiere (und im Idealfall die Königin) im Nest zurück. Diese sind aber weniger gefährlich, da sie noch nicht wissen, wie man etwas Fremdes sticht (Bild: Stadtökologie).

Leider war keine Königin mehr im Nest zu finden, was bedeutet, dass nur noch die unfruchtbaren Arbeiterinnen umgesiedelt werden konnten. Diese werden im Wald noch einige Wochen leben, aber ein neues Volk können sie leider nicht gründen (Bild: Stadtökologie).

Leider war bei diesem Einsatz die Königin nicht auffindbar, was bedeutet, dass die verbleibenden Arbeiterinnen zwar umgesiedelt werden konnten, jedoch wird sich aus diesen kein neuer Staat bilden. Etwa 80% der Königinnen gehen verloren oder werden gefressen bevor sie sich in das Nest zurückziehen und für Nachwuchs sorgen. Laut Roland Diener sind dieses Jahr durch den nassen und kalten Frühsommer erstaunlich wenige Wespennester vorhanden.

Weiterführende Links

Hornissen und Wespen: Was tun mit alten Nestern? – Umweltblog Baden

faltenwespe.com

aculeata.ch

wespenschutz.ch

 

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