Umweltblog

Aus alt wird neu – wie aus einer Fichte ein Veloständer wurde

Ein alter Baum, ein paar kräftige Hände und die richtige Ausrüstung, so wurde aus einem Stamm ein neuer Veloständer für das Gärtnerhaus im Kurpark Baden. Ganz so einfach wie es tönen mag, war es aber nicht.

Das Gärtnerhaus befindet sich im Kurpark in Baden. Der Verein Gärtnerhaus, gegründet im Sommer 2020, setzt sich für die Erhaltung und Nutzung dieses Hauses ein. Mit grossem Engagement und mithilfe vieler Freiwilliger erreichte der Verein bereits ein erstes wichtiges Ziel – der untere Stock des Gärtnerhauses konnte umgebaut werden. Nur noch eines fehlte für die Vervollständigung des Projektes, ein Veloständer. Somit ist die Möglichkeit zur Nutzung für verschiedene Anlässe gegeben. Ressourcenorientiert und nachhaltig produziert, gemäss den Grundsätzen des Vereins, soll dieser sein. So entstand die Idee, einen Veloständer aus einem Baumstamm aus dem Badener Wald anzufertigen. Die Zusammenarbeit mit dem Stadtforstamt Baden begann.

Von links nach rechts: Stephan Jarczyk und Remo Saggiorato (Forstwarte des Stadtforstamtes) und Lieni Fueter (Vorstandsmitglied Verein Gärtnerhaus) (Bild: Jürg Erdin)

Das Rohmaterial

Eine alte Fichte bildet den Hauptteil des Veloständers. Diese stand jahrelang im Badener Wald bis sie zu kränkeln begann – sie musste gefällt werden. Aufgrund ihres Alters hatte sie einen beträchtlichen Durchmesser und eine stattliche Höhe. So bot sie sich perfekt für dieses Projekt an. Die Fichte kommt in der Schweiz vor allem in Gebieten höherer Lagen vor. Durch ein vergleichbar schnelles Wachstum und ihre Anspruchslosigkeit besitzt sie jedoch die perfekten Bedingungen für die Forstwirtschaft und wurde so in den tieferen Lagen häufig in Monokulturen angebaut. Schädlinge und der Klimawandel sind allerdings eine starke Bedrohung für solche Wälder. Heute setzt das Stadtfortsamt für einen vitaleren Zukunftswald deshalb bei der Bewirtschaftung des Badener Waldes auf eine gute Durchmischung verschiedener Baumarten.

Die Füsse des Veloständers wurden separat hergestellt. Dafür wurde das Holz der Robinie, auch Falsche Akazie genannt, verwendet. Diese Baumart stammt ursprünglich aus Nordamerika und hat sich in den heimischen Wäldern stark verbreitet, es handelt sich um einen sogenannten invasiven Neophyten. Ursprünglich eingeführt wegen der hohen Holzqualität, wurde sie nun auch auserkoren, um ihren Beitrag für den Veloständer zu leisten. Das sehr widerstandsfähige, stabile Holz, das eine hohe Menge an Feuchtigkeit verträgt, eignete sich perfekt für die Füsse des Veloständers.

Aus der Fichte wurde der Hauptteil des Veloständers erstellt. (Bild: Pixabay)

Die Füsse des Veloständers wurden aus der Robinie gefertigt. (Bild: pixabay)

Die Herstellung

«Eigentlich benötigten wir nur die Motorsäge, einen Winkelschleifer und für den Transport den HSM.», so der Forstwart Remo Saggiorato. Beim HSM handelt es sich um einen Forstspezialschlepper mit einem Kran. Dieser ermöglicht den Transport von Holzstämmen. Mit unterschiedlichen Motorsägen konnten die für die Räder der Velos benötigten Einkerbungen im Baumstamm eingefräst werden. Die Einschnitte wurden konisch geformt, so dass sowohl dünnere wie auch dickere Veloreifen ihren perfekten Stand darin finden. Die versetzten Kerben gewährleisten zudem eine optimale Nutzung des Ständers. Mit dem Winkelschleifer konnten die Forstwarte schliesslich den Feinschliff machen. Zuletzt kam dann der HSM zum Einsatz.

Der Transport

Mit dem HSM wurde der neu erstellte Veloständer vom Werkhof zum Gärtnerhaus transportiert. Die Platzierung unter dem Vordach entpuppte sich als schwierige Herausforderung. Mit Gurten, einigem Schieben und Stossen und mit viel Geduld und Geschick der Beteiligten, konnte der Veloständer schliesslich am gewünschten Ort platziert werden. Das Parterre des Gärtnerhauses ist nun bereit zur Nutzung –  auch für Besucherinnen und Besucher, die mit dem Fahrrad anreisen möchten.

Mit dem HSM wird der Veloständer am gewünschten Ort platziert. (Bild: Jürg Erdin)

Die Reise für den Verein Gärtnerhaus ist allerdings noch nicht beendet. Im Jahr 2023 soll auch der Rest des Gärtnerhauses renoviert werden. Diese Umsetzung bedingt aber weiterhin das Engagement vieler Freiwilliger. Falls auch Sie einen Beitrag zur weiteren Nutzung des Gärtnerhauses leisten wollen, können Sie sich gerne beim Verein Gärtnerhaus melden.

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