Umweltblog

Baden ist heiss – und wird noch heisser!

Die Hitzebelastung und der Umgang mit Wasser stellen auch Aargauer Gemeinden vor grosse Herausforderungen. Eine hitzeangepasste Siedlungsentwicklung ist dringend nötig. Der neue Leitfaden ist eine wertvolle Grundlage dafür.

Die Klimakarten des Kantons Aargau und der neue Leitfaden zu „Hitzeangepasster Siedlungsentwicklung“ zeigen auf, wo in der Städteplanung Hitzeinseln und Kaltluftströme beachtet werden müssen. Sie zeigen auch, welche Massnahmen gegen Hitze, Trockenheit und Überschwemmungen getroffen werden können.

Hitzeinseln entschärfen und ein gutes Wassermanagement bei langer Trockenheit oder Starkregen– das sind zwei der künftigen Herausforderungen in dicht bebauten Gebieten. Dafür stellt der Kanton Aargau mit den Klimakarten und dem „Leitfaden zur hitzeangepassten Siedlungsentwicklung“  eine wichtige Planungsgrundlage für Städte und Gemeinden zur Verfügung.

Baden spürt die Folgen des Klimawandels deutlich

Wie gravierend die Folgen des Klimawandels sind, wird uns dieser Tage wieder bewusst: Extreme Gewitter führten auch im Aargau zu Überschwemmungen. Kaum stellen sich die ersten Sommertage ein, kommen mit ihnen Hitzetage und Tropennächte. Sie trifft uns wie ein Schlag: DIE HITZE.

Mit ihr wird der Aufenthalt an Strassen und auf Plätzen schnell zur Belastungsprobe: „Viel zu warm, zu brennig, – unerträglich!“ Das ist unsere Wahrnehmung in Innenstädten und Agglomerationen, und sie täuscht nicht. Hitze belastet unsere Gesundheit. Sie mindert unsere Leistungsfähigkeit, raubt uns den Schlaf, erschwert unsere Erholung und kann für besonders empfindliche und geschwächte Personen sogar tödlich sein.
Hitzewellen, Hitzetage und Tropennächten sind nicht ungefährlich. Sie stellen in Städten, neben dem Umgang mit dem Wasser, ernsthafte Probleme dar. Denn die dichte Bebauung produziert ihr eigenes Hitzeklima. Das kommt zusätzlich zur globalen Klimaerwärmung – quasi als „Topping“ – obendrauf.  So liegen die Temperaturen in Städten gegenüber dem Umland durchschnittlich bis zu 10 °C höher.

Hitzeinseleffekt im Siedlungsraum (Quelle: BVU Kanton Aargau „Hitzeangepasste Siedlungsentwicklung – Leitfaden für Gemeinden“)

Auf der Hitzeinsel kann man keine Ferien machen

Der städtische Hitzeinseleffekt (urban heat island effect) entsteht in Städten durch:

  • ihr hohes Mass an Versiegelung,
  • das Aufheizen von Fassaden und deren Abstrahlung,
  • die Barrierewirkung, mit welcher Gebäude eine kühlende Durchlüftung verhindern
  • das Fehlen von Bäumen und Grünräumen

Wenn alte und hochwertige Baum- und Grünbestände verschwinden, dann fehlt mit ihnen die schattenspendende, kühlende Verdunstungsleistung. Auch die Stadt Baden weist, trotz grosser Waldflächen in topographisch günstiger Lage, prominente Hitzeinseln auf, die der Bau- und Infrastruktur geschuldet sind. So zum Beispiel in der Innenstadt, in Baden Nord, in der Oberstadt oder in Dättwill, wie auf den Klimakarten des Kantons Aargau zu sehen ist.

Hitzeangepasste Siedlungsentwicklung und wie sie umgesetzt wird

Mit der kantonalen Klimaanalysenkarte können auch in Baden Hitzeinseln und Kaltluftströme besser erkannt werden und in Planungen einfliessen. Dazu muss es gelingen, andere Interessens- und Zielkonflikte zu beseitigen. Zudem gibt der Leitfaden zur „Hitzeangepassten Siedlungsentwicklung“ für die Anpassung an den Klimawandel konkrete Handlungsfelder vor. Er zeigt für unterschiedlichen Planungsstufen auf, wann und wie Anpassungsmassnahmen am effizientesten wirksam werden. So können Kaltluftströme durch die richtige Gebäudeanordnung erhalten und klimawirksame Grünräume geschaffen werden. Ausserdem wird  der Wert klimawirksamer Materialen deutlich, sowohl bei versickerungsfähigen Belägen, als auch bei der Material- und Farbwahl an Gebäuden.

 

Welche Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel gibt es?

1. Das klimatische System 

  • Kaltluftentstehungsgebiete sichern
  • Frischluftkorridore / Kaltluftbahnen freihalten
  • klimaoptimierte Gebäudesetzung

2. Grün- und Freiraumstrukturen

  • Öffentliche Freiräume als Erholungs- und Entlastungsräume sichern
  • Beschattete Fuss- und Velowegverbindungen realisieren
  • Verkehrsinfrastruktur vor Überhitzung schützen
  • Vielfältige Grünräume im Wohn- und Arbeitsumfeld schaffen

3. Wasser, Pflanzen und Materialisierung

  • Wasserflächen erhalten, fördern und erlebbar machen
  • Sickerfähige und begrünte Oberflächen fördern
  • Regenwasser speichern und wiederverwenden
  • Sich wenig aufheizende Materialien einsetzen
  • Gebäude begrünen
  • Klima- und standortangepasste Vegetation verwenden

Die Stadt und der Kanton sollten Frischluft-Schneisen freihalten …

und die Durchlüftung sicherstellen. (Bild: BVU Kanton Aargau „Hitzeangepasste Siedlungsentwicklung – Leitfaden für Gemeinden“)

Eine weitere Priorität sollten schattige Verkehrswege …

… und klimaökologisch hochwertige Wohnumgebungen haben. Alte Baumbestände sollten erhalten werden. (Bilder: BVU Kanton Aargau „Hitzeangepasste Siedlungsentwicklung – Leitfaden für Gemeinden“)

Zudem sollten Retentionsräume angelegt … 

und die klimawirsame Materialisierung in den Fokus gesetzt werden. (Bild: BVU Kanton Aargau „Hitzeangepasste Siedlungsentwicklung – Leitfaden für Gemeinden“)

Badener Aktionsplan zur Anpassung an den Klimawandel

Für eine zukunftsweisende Stadtentwicklung sind Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel wichtig. Daher lohnt es sich, Handlungsfelder und Massnahmen aufeinander abzustimmen. So werden Verortungen, Zuständigkeiten und Umfang klar. Für die Stadt Baden soll dies z.B. mit einem „Aktionsplan Anpassung an den Klimawandel“ erfolgen. Diese Aufgaben können nur interdisziplinär und verwaltungsübergreifend gelöst werden.

FAZIT – ein Plädoyer

Die Hitzeinseleffekte in den Städten sind hausgemacht, ebenso wie die Probleme des Wassermanagements. Sie werden nur durch den Klimawandel noch verstärkt. Dies zeigt einmal mehr auf, dass Städte – auch die Stadt Baden – Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel ergreifen müssen. Gleichzeitig wird im Umkehrschluss sichtbar, dass der Klimaschutz und damit eine Reduktion des globalen CO2-Ausstosses – auch des Schweizerischen – zwingend ist. Nur so bleiben Städte im voranschreitenden Klimawandel und bei steigender Verdichtung und Urbanisierung bewohnbar. Die Gesundheit und Lebensqualität der darin lebenden Menschen ist mit steigenden Temperaturen noch stärker gefährdet, wenn die Städte ihre Verantwortung nicht endlich wahrnehmen und Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel ergreifen. Dies gilt auch für die Stadt Baden.

Sowohl im Klimaschutz, wie in der Klimaanpassung, besteht Handlungsbedarf. Gut, dass der Kanton Aargau seinen Städten und Gemeinden mit Klimakarten und einem Leitfaden nun Grundlagen und Instrumente zum Handeln an die Hand gibt.

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